THE PIGHOUNDS – „Es hat nicht zur Depression gereicht!“

Am 18. November erscheint "Phat Pig Face", das neue Album der Pighounds. Genrefans dürften die beiden Schweinehunde spätestens seit dem letzten Album "Hilleboom" auf dem Schirm haben mit ihrer elektrisierenden Mischung aus Stoner Rock, Grunge und Alternative. Sie sind zwei Mann auf einer Mission: Gitarre, Gesang und Schlagzeug reichen vollkommen aus für einen extrem "phatten" Sound. Zum Release der neuen Scheibe haben wir uns mit Peter Bering (Gitarre und Gesang) und Alessandro “Sandro” de Luca (Drums) über Schweine und die Geschichte des Duos unterhalten.

Zunächst mal Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album „Phat Pig Phace“, auf das wir natürlich gleich noch zu sprechen kommen. Soll man beim Hören ein fettes Schweinegesicht bekommen?

Sandro: Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir sind auch echt happy, dass es nun endlich soweit ist und wir das Album mit euch teilen dürfen. Aber lass uns noch nicht alles vorweg nehmen und schauen ob die kommenden Fragen ein paar mögliche Nebenwirkungen ans Licht bringen.

Peter:Doch auf jeden Fall. Aber bitte nur ein glückliches Schwein vom Bauernhof nebenan. Nicht die, in den beschissenen Transportern, die wir oft auf Tour sehen.

Danke, dass Ihr euch ein wenig Zeit für Whiskey-Soda nehmt, eines der ältesten deutschsprachigen Online-Musikmagazine. Nach einer EP und „Hilleboom“ sowie hunderten von Live-Auftritten seid Ihr in der Szene schon lange keine Unbekannten mehr, und mit dem neuen Album werdet Ihr garantiert noch viele neue Fans dazugewinnen, aber vermutlich gibt es unter unseren Lesern noch einige, die euch bisher nicht kennen. Darum stellt euch doch bitte mal in eigenen Worten kurz vor und erklärt, wie und warum The Pighounds überhaupt entstanden sind.Ihr wart ja mal ein Quartett namens Fitches…

Sandro: Ja, wir kennen uns jetzt schon eine ganze Weile, rund 20 Jahre dürften es inzwischen sein.
Die Idee einer 2-Mann-Combo zusammen mit Peter kam Ende 2013 auf, da wir zu dem Zeitpunkt beide Lust auf ein neues Projekt hatten.

Peter: Wir kennen uns tatsächlich schon seit über 20 Jahren. Haben immer parallel zueinander Musik gemacht, weil ich dem Sandro damals zu seicht war und er mir zu hart. 2013 wurde dann doch auf einer Party über eine Zusammenarbeit ernsthafter gesprochen. Sandro wollte schon zu dem Zeitpunkt ein Duo starten. Ich hatte noch Bedenken, weil es schon eine krasse Herausforderung ist. So wurde erstmal Fitches gegründet, weil die anderen beiden auch auf der Party waren.

Sandro: Die Duo-Idee musste sich also noch etwas gedulden. Dennoch hatten wir eine großartige Zeit. Wir waren den Großteil des Jahres mit unseren besten Freunden in ganz Deutschland und auch einigen Nachbarländern unterwegs und haben das gemacht was uns Spaß macht. Bis, wie so oft, Umzüge und Zeitprobleme dazu führten, dass Peter und ich wieder allein da standen. Ich wisst, was jetzt kommt…

Peter: Yep. 2018, nach über 200 Shows, waren Fitches leider auch am Ende angelangt. Sandro fragte erneut. Ich hatte mir bei den Fitches Selbstvertrauen angespielt und willigte ein. Das Songwriting mit Sandro war zu Fitches Zeiten ein wichtiger Faktor in meinem Leben geworden und ich wollte und will es nicht mehr missen.

Sandro: Oh, Sweetie ! Das kann ich nur zurückgeben, es funktioniert einfach mit uns als band. Egal wie viele Leute involviert sind. Das Motto blieb das selbe: Einfach machen! Nur haben wir jetzt statt zwei Freunden einfach mindestens zwei Verstärker mehr im Bulli.

Jetzt aber mal zu „Phat Pig Phace“. Ich fand das Album beim Hören für die kommende Rezension sehr stark, da wird nach dem schon guten „Hilleboom“ noch eine Schaufel drauf gelegt. Seid ihr auch zufrieden mit dem Ergebnis?

Sandro: Unbedingt. Sehr zufrieden. Und schön, dass es allen die bis jetzt reinhören dürften, offensichtlich ähnlich geht. Seien es die Reaktion aus dem Freundeskreis, von Noisolution, also Labelseite aus, oder eben auch die ersten Rezensionen. Genau wie beim Vorgänger nur positives Feedback, was uns dann natürlich umso glücklicher macht.

Peter: Vielen Dank das freut uns. Bei Phat Pig Phace haben wir Zeit gehabt verschiedene
Mixversionen auszuprobieren und sind dann doch bei den roheren Versionen geblieben. Wir
fanden das hat am besten zum Album und zu uns gepasst. Wir waren eh zufrieden mit dem
Ergebnis und freuen uns, dass die Fans und Kritiker unsere Entscheidung mittragen.

Das Werk macht nahtlos dort weiter, wo „Hilleboom“ aufgehört hat, aber man hat den Eindruck, dass Ihr euch diesmal noch mehr mit den Texten, den Arrangements und der Produktion auseinander gesetzt habt. War das auch der Pandemie und den fehlenden Auftrittsmöglichkeiten geschuldet?

Sandro: Ein bisschen von allem. Auf Hilleboom ging es noch oft um zwischenmenschliches. Beim Debüt auch hauptsächlich. Da da auch sehr viel autobiographisches drin steckt und man sich natürlich nicht unbedingt wiederholen möchte, sind ein Großteil der Texte nun viel globaler. Veränderungen im Sound und Arrangement sind wohl eher der Jahreszeit und dem Aufnahmeort geschuldet. Die Pandemie gab es beim Vorgänger ja auch schon, nur ist dieser mitten im August auf einem wunderschönen Bauernhof aufgenommen worden. Erster Aufnahmetag von PPP hingegen war im Dezember 2021. In unserem Proberaum/Studio. Komplett back to DIY und in insgesamt recht düsterer Atmosphäre. Hat mir sehr gut gefallen.

Wo liegen Eure musikalischen Vorbilder für „Phat Pig Phace“, und gibt es überhaupt solche Vorbilder? White Stripes und Black Keys goe Alternative Grunge-Punk?

Peter: Ich persönlich wollte nie so bluesig sein, wie White Stripes oder Black Keys. Natürlich gibt es
Parallelen. Aber es waren eher Frank Carter & The Rattlesnakes, Death From Above 1979 und
generell Punk und Garage Bands, die ich zu der Zeit viel gehört habe.

Sandro: Ich meine, klar, bei Duos hat man immer die üblichen Verdächtigen, keine Frage. Und natürlich haben solche Größen auch Einfluss auf uns. Schon allein weil wir sie gern hören. Aber die Bandbreite ist enorm. In der Richtung fallen mir noch die Church House Creepers ein, Frank Carter hat Peter schon erwähnt. Oder ein weiteres Duo mit Cleopatrick, die in den letzten Jahren explodiert sind und völlig zurecht da sind wo sie gerade sind. Aber ich höre breitgestreut. Ruhiges, poppiges Zeug, aber auch, nicht zuletzt durch meine musikalischen Anfänge, harten Kram bis hin zum Black und Death Metal.

Wie läuft denn das Songwriting generell bei euch so ab? Gibt es ein Mastrmind, oder jammt ihr im Proberaum drauf los und schaut, was dabei herumkommt? Wie ist die neue Scheibe entstanden?

Peter: Je nach Song. Jeder Weg ist gut, wenn am Ende ein guter Song rauskommt.

Sandro: Richtig, im Grunde schreibt die Situation den Song. Wir haben kein Geheimrezept.
Mal kommt der eine mit einer Idee, einem Riff, oder einer Gesangsmelodie, mal der andere. Und ein anderes mal wird gejammt. Aber wie gesagt, die Situation und unsere Umwelt schreibt immer mit.

Wenn man das Album so hört, kommt einem kaum der Gedanke, dass da nur zwei Mann am Werk sind, dafür klingt das alles viel zu fett (oder „Phat“?) und gewaltig. Ist es schwer, mit nur zwei Musikern so ein Album auf die Beine zus tellen, oder seid Ihr eigentlich ganz glücklich darüber, keine vier- oder fünfköpfige Band in den Proberaum quetschen zu müssen?

Peter: Freut mich, dass es so rüber kommt. Eigentlich haben wir Phat Pig Phace so aufgenommen,
wie wir es live spielen. Auf keinem der Tracks ist ein extra eingespielter Bass. Es ist alles der
Octaver, den ich auch live benutze. Natürlich muss man ab und zu den Chorus etwas andicken
mit zusätzlichen Gitarren. Aber grundsätzlich war es eine Live-Aufnahme.

Sandro: Ich bin definitiv glücklich darüber, nicht fünf Personen und die dazugehörigen Terminkalender unter einen Hut bringen zu müssen.

Man hört eine deutliche Weiterentwicklung der Musik. War das bedingt durch fehlende Auftrittsmöglichkeiten in der Corona Pandemie?

Peter: Nicht unbedingt. Wir wollten uns Zeit lassen und die Pandemie war Nebensache, weil wir ja
nur zu zweit waren und uns immer noch legal treffen durften.

Sandro: Ich denke auch, dass es eine völlig natürliche Weiterentwicklung ist. Die fehlenden Konzerte waren schade, aber haben an unserer Arbeitsweise nichts geändert. Die vermehrte „Freizeit“ haben wir beispielsweise in Musikvideos gesteckt. Oder auch ins Booking. Denn das lief ja, bis auf eine sehr kleine Pause, hinter den Kulissen immer weiter. Man hat ja auch immer gehofft, dass es bald weitergeht. Wenn dann am Ende doch 90% abgesagt wird, ist es doppelt so ärgerlich. Gerade wenn man, wie wir, alles alleine macht. Das frisst ordentlich Zeit und Energie und hat hier und da schon gefrustet. Wie habt ihr das letzte Jahr erlebt? Es gab ja kaum Live-Gigs, oder? War das Songschreiben so etwas wie Selbst-Therapie in der Pandemie?

Peter: Therapie auf jeden Fall. Irgendwann haben dann schon die Konzerte und der Austausch mit
anderen Menschen gefehlt. Vieles wurde abgesagt, aber zum Glück konnte vieles auch
sattfinden, so dass es nicht zur Depression gereicht hat!

Sandro: Wir seid beide jedenfalls wieder viel glücklicher, seitdem wir wieder auf die Bühne dürfen.
Gerade die ganzen Sachen, die endlich nachgeholt werden konnten und auf die man so lange warten musste. Shows mit befreundeten Bands wie zuletzt mit unseren Noisolution-Mates 24/7 Diva Heaven, oder Daily Thompson. Mit denen haben wir das ganze Thema ja auch in einem gemeinsamen Song (LALALA [LICK IT]) verarbeitet und dazu auch das passende Video gedreht.

Richtig außergewöhnlich ist auch das Cover der neuen Platte. Wie kam es dazu und was war Eure Intention dabei?

 Peter: Sandros Idee!
 
Sandro: Ja gut, my turn! PHAT PIG PHACE beschreibt eine Art Mikrokosmos in einer eigenen Zeitrechnung. Eine eigene Welt mit eigener Geschichte. Das Cover ist ein klitzekleiner Einblick in diese Welt, ein einzelner Moment. Eine Kamera aus Phantasie macht Fotos von einem Motiv, das nicht alle sehen können. Dieses Motiv hatte ich schon eine ganze Weile im Kopf und bin daher mega happy, dass wir es so exakt mit Felix Maxim Eller (der auch beim Großteil unserer Videos hinter der Kamera steht) umsetzen konnten. Ehrlich gesagt war das auch Arnes (Chef beim Label Noisolution, Anm. d. Red.) erste Frage, als ich ihm unsere Druckdaten für die Platte rübergeschickt habe .

Zum Abschluss: Was wolltet ihr schon immer mal in einem Interview sagen, seid es aber noch nie gefragt worden?

Peter: Der letzte Song bevor ich nach einer Tour aus dem Auto steige ist Self Esteem von Ty Segall.
Das ist so ein Zwischen-Welt-Song, der mir hilft wieder im hier und jetzt anzukommen nach
dem ganzen Tour-Trubel.

Sandro: Gutes Ende eigentlich. Tiefgründig ?  Seid lieb zueinander, den Tieren und der Umwelt.
Ansonsten: ausrasten!

Besten Dank für das Interview, wir sehen uns hoffentlich spätestens im nächsten Jahr live!

Unsere Rezension zu „Phat Pig Phace“ findet Ihr hier.

Foto: Offizielle Pressefotos / Felix Maxim Eller

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Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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