EVANESCENCE & WITHIN TEMPTATION – Frauenpower in München

Mittlerweile haben sich Co-Headliner-Touren etabliert. Für den Fan hat dies den Charme, zwei hochkarätige Bands für relativ kleines Geld an einem Abend zu sehen. Die Künstler profitieren unter anderem von reduzierten Kosten bei der Logistik. Ob das Konzept auch bei Evanescence und Within Temptation aufgegangen ist, hat unser Redakteur Andre in der Olympiahalle München herausgefunden.

Einmal mehr in diesem Jahr geht es auf einem Wochentag in den Süden Bayerns. Ziel ist die „Worlds Collide Tour“ mit der amerikanische Alternative-Rock-Band Evanescence und der niederländischen Symphonic-Metal-Band Within Temptation. Beide Gruppen eint, dass Frontfrauen den Ton in den Combos angeben. Da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, wurde die US-amerikanische Alternative-Rock- Band Veridia als Support für die erste Tourhälfte gebucht. Auch hier steht mit Deena Jakoub eine Frau am Mikrofon.

Beim Betreten der nicht ganz ausverkauften Olympiahalle gibt es eine positive Überraschung im Innenraum. Kein Wellenbrecher, der die Stehplätze in Normal- und VIP-, Golden Circle oder sonstwelche Kategorien teilt. Kein Unterschied zwischen Normal- und „Besserfan“ erinnert an die gute alte Zeit. Um Punkt 19 Uhr betritt Veridia die Bühne. Zugegeben, der Verfasser dieser Zeilen kannte die Band bisher nicht. Ein kurzes Überfliegen eines bekannten Videoportals hinterließ einen eher zwiespältigen Eindruck. Zu viel Elektro trübten etwas den Hörgenuss.  Im Gegensatz zur Konserve bringt die Band die insgesamt acht Songs jedoch deutlich rockiger rüber. Dies gefällt zumindest einen großen Teil des Publikums sichtlich. Mit „I’ll Never Be Ready“ legt Veridia eine sehr emotionale Ballade auf. Wie von Geisterhand erscheint ein Flügel auf der Bühne, an dem Amy Lee, Sängerin von Evanescence Platz nimmt. Der Song, nun als Duett von Deena und Amy vorgetragen sorgt für Gänsehautmomente und ein Handy-beleuchtetes Rund. Veridia hat in München mit ihrem Stil einige Fans dazugewonnen.

Nach kurzer Umbaupause betritt mit Evanescence der erste Headliner des Abends die Bühne. Nach einem Intro läuft auf der dreieckigen LED-Leinwand ein Countdown runter und mit „Broken Pieces Shine“ vom 2021 erschienen Album „The Bitter Truth“ geht es in die vollgepackte Setlist.

Die Band um Gründerin, Sängerin und Pianistin Amy Lee zeigt sich in allerbester Spiellaune. Die Frontfrau ist ständig in Bewegung und fegt permanent über die große Bühne. Die Fotografen im Graben haben Mühe mit der Dame Schritt zu halten, um das ein oder andere gute Bild zu schießen. Die Saitenspieler machen es den Knipsern deutlich einfacher, wechseln diese doch eher selten ihre Position. Dem Evanescence-Fan entgeht natürlich nicht, dass es in der Band eine Neubesetzung gibt. Da Tim McCord nach 16 Jahren vom Tieftöner an den Sechssaiter gewechselt hat, konnte Bassistin Emma Anzai als Neumitglied gewonnen werden.

Die 18 Songs umfassende Setlist umfasst neben Stücken vom aktuellen Album natürlich Lieder der Vorgängeralben „Fallen“, „The Open Door“ und „Evanescence“. Wie schon bei Veridia erscheint der Flügel auf der Bühne und Amy Lee bedient gekonnt die Tasten. Den Fans in der Halle scheint die Mischung aus aktuellen und älteren Songs sehr zu gefallen. Doch es gibt nicht nur was fürs Auge. Auf der schon erwähnten Leinwand laufen immer wieder Animationen. Zusammen mit dem der jeweiligen Stimmung entsprechenden Lichtsetting sorgt das Ganze für ein rundum gelungenes Konzert-Erlebnis.

Mit den Zugaben „My Immortal“ und „Bring Me to Life“ wird die bereits hervorragende Stimmung noch einmal getoppt. Aus tausenden Kehlen werden die Songs lauthals mitgesungen. Natürlich dürfen auch hier die Handytaschenlampen nicht fehlen. Ein Luftschlangen-Regen sorgt für weiteren Jubel und beendet das erste Konzert von Evanescence ihrer „Worlds Collide Tour“.

Aufgrund umfangreicher Bühnenumbauten dauert die Pause etwas länger. So bleibt etwas Zeit für eine Hopfenkaltschale. Dass München bekannt für seine hohen Bierpreise ist, merkt man dann auch in der Olympiahalle. Für knapp sieben Euro wechselt der Becher mit dem kühlen Gerstensaft den Besitzer.

Pünktlich zum „The Silent Force“-Intro wird der Graben erreicht, die Show kann beginnen. Im Gegensatz zu anderen Bands, welche ihre Show immer mit aktuellen Stücken beginnen, geht Within Temptation einen anderen Weg. „See Who I Am“ hat schon einige Tage auf dem Buckel, stammt es doch vom bereits 2004 erschienenen Album „The Silent Force“. Zu „In the Middle of the Night“ wird das Tempo dann deutlich angezogen. Das Publikum auf den Rängen und im Infield ist von Beginn an mittendrin statt nur dabei. Begeistert wird jeder Song mitgesungen.

Die Band um Sängerin Sharon den Adel zeigt sich wie schon auf diversen Festivals, unter anderem auf dem Metalfest und dem Sweden Rock in allerbester Spiellaune. Auch in München schwenkt Sharon zu „Raise Your Banner“ die ukrainische Flagge. Immer wieder schießen gleißend helle Flammensäulen in den Hallenhimmel. Die Bühne ist im Vergleich zu den genannten Festivals noch einmal aufwändiger gestaltet. Auf einer großen runden Leinwand in der Bühnenmitte werden wie auch auf der LED-Wand immer wieder Animationen abgespielt. Sharon entschwebt Richtung Hallendach, obwohl sie danach erzählt, dass sie eigentlich unter Höhenangst leidet.

Die Zeit vergeht wie im Flug, viel zu schnell sind die 15 Tracks der abwechslungsreichen Setlist abgearbeitet. Auch in München dürfen Klassiker wie “ Faster“ und „Mother Earth“ nicht fehlen. Zu letzterem werden wie gewohnt die Arme geschwenkt. Die Stimmung könnte an diesem Abend nicht besser sein. Glücklich und zufrieden verlassen die Besucher nach viereinhalb Stunden die Münchener Olympiahalle.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

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