Schlagwort: Prog

An Hour Before It’s Dark

„An Hour Before It’s Dark“ (Earmusic) wirkt vielleicht in dieser letzten Stunde des Tageslichts besonders eindrucksvoll, aber eigentlich darf man Marillions 20. Studioalbum getrost zu jeder Tages- und Nachtzeit auflegen. Marillion sind immer noch eine der bekanntesten Bands der britischen Neo-Prog-Szene, und damit war doch eigentlich klar, was die Fans erwarten durften, oder? Nein, eben…

NIGHT OF THE PROG FESTIVAL – Endlich wieder Loreley!

Die Zeichen standen auf Sturm. Pandemie, Konzertabsagen, dann noch ein Streit zwischen Pächter und Stadt um die Nutzung der berühmten Freilichtbühne an der Loreley. Aber jetzt können wir alle aufatmen. Nach zwei „proglosen“ Jahren findet diesen Juli endlich die zweifach verschobene 15. Ausgabe des legendären Night Of The Prog Festivals statt. Für alle Fans anspruchsvoller,…

Area Fifty-Fun

Die fliegende Untertasse auf dem Cover ist abgestürzt. Mitten in den Wohnwagen. Kaboom. Dabei starten Der Neue Planet mit ihrem zweiten Album „Area Fifty-Fun“ (Tonzonen Records) doch erst richtig durch, oder? So ein UFO-Crash kann schließlich sehr spannend sein, und das trifft hier auch auf die Musik zu. Vier Tracks irgendwo zwischen Post-, Progressive und…

Blood Moon Rising

Mit „Blood Moon Rising“ (InsideOut) meldet sich das kanadische Trio The Tea Party nach langer Pause endlich zurück.

In einer über 30-jährigen Karriere haben The Tea Party neun Alben veröfentlicht. Sänger und Gitarrist Jeff Martin, Bassist und Keyboarder Jeff Burrows und Stuart Chatwood am Schlagzeug sind erfahrene Musiker und haben sich mit ihrer elektrisierenden Mischung aus Rock, Folk, Blues und Prog insbesondere auch live viele Fans erspielt. Seit 2014 und dem letzten Release „The Ocean At The End“ veröffentlichen sie jetzt mit „Blood Moon Rising“ ihren ersten Longplayer seit sieben Jahren. Einige der Songs wurden bereits in der Vergangenheit auf einer EP veröffentlicht, so dass dem wahren Tea Party Fan eine Menge Déjà-vu erwartet. Da hätte man sich natürlich über mehr neue Songs gefreut, vielleicht in Gestalt eines Doppelalbums.

Aber sei’s drum, denn „Blood Moon Rising“ weiß natürlich dennoch zu gefallen. Die Arrangements sind großartig. Blues, Rock, akustische Parts im Titelsong, der durch den Einsatz von Gospelchor und Pedal Steel Guitar einen faszinierenden Knick in Richtung Countrysoul beschreibt. Auch sonst werden gerne mal die Mundharmonika oder lässige Slide-Gitarren bemüht. Gecovert werden darf auch, so gibt es stylische Neuinterpretationen von ‚Out On The Tiles‘ (Led Zeppelin) oder ‚Everyday Is Like Sunday‘, im Original von Morrissey. Außerdem gibt es noch den Joy Division Song ‚Isolation‘, der mit interessanten neuen Arrangements punkten kann und eine Menge Drive mitbringt.

Auf früheren Werken haben The Tea Party oftmals Einflüsse des Industrial oder aus dem Mittleren Osten in ihre Musik eingebaut. Dies vermisst man auf „Blood Moon Rising“ ein wenig, bleibt die Musik doch jetzt klkar in bluesigen Classic Rock Gefilden. Damit wirkt das neue Album ein wenig innovationslos, vielleicht hat man nach den legendären Vorgängern und der langen Wartezeit einfach zuviel Neues erwartet. Dennoch: das Gebotene ist hochklassig eingespielt und macht durchaus viel Spaß, ist aber eben nicht ganz der erwartete große Wurf einer einst legendären Band geworden.

Bandhomepage

The Tea Party bei Facebook

The Tea Party bei Instagram

 

A View From The Top Of The World

Eingeklemmt zwischen zwei Felswänden ruht der Stein über dem Abgrund, und wir möchten uns oben drauf stellen, das Fernglas benutzen, wollen einen wunderbaren Überblick und eine schöne Aussicht auf die Welt unter uns haben, aber vielleicht droht auch ein Absturz. Wir wissen nicht, ob dies eine Allegorie auf das neue Album des Traumtheaters oder die Karriere der New Yorker Prog-Könige ist.

„A View From The Top Of The World“ (Inside Out) heißt das fünfzehnte Studioalbum von Dream Theater, und schon der Opener macht deutlich: Angst vor dem Absturz muss hier niemand haben, und die Aussicht vom Gipfel der Welt ist durchaus spektakulär. „Wir lieben es einfach, unsere Instrumente zu spielen“, hat John Petrucci neulich festgestellt. Das glaubt man dem Quintett gerne, und genau das tun die Musiker natürlich auch ausgiebig auf ihrem neuen Longplayer. Sieben Songs bringen es auf rund 70 Minuten Laufzeit, dabei macht der 20 Minuten lange Titeltrack einen Großteil des Kuchens aus. Was für beinahe jede andere Band ein bahnbrechendes Meisterwerk wäre, klingt für Dream Theater Verhältnisse routiniert, elegant aus dem Ärmel geschüttelt, birgt aber auch keine wirklichen Überraschungen. Denn wer Innovationen oder völlig neue Ideen erwartet, wird enttäuscht. Dream Theater liefern ungefähr genau das ab, was die Fans erwarten. Dabei hält sich die Band im Prinzip an das Kontrukt des Vorgängers „Distance Over Time“, spart sich die süßlichen Sahnehäubchen eines „Astonishings“ und konzentriert sich ganz auf oben genanntes Instrumentenspiel. Souverän und über jeden Zweifel erhaben ist (natürlich) das komplexe Gefrickel. Schon auf dem Opener ‚The Alien‘ geht es knapp zehn Minuten lang und tellvertretend für alles, was noch folgt, zur Sache. Rhythmus- und Tempiwechsel, Gitarren- und Keyboardgefrickel, die wohl besten Drumparts zu Mangini-Zeiten.

Die Amerikaner zeigen, dass sie bei aller Härte und Komplexität immer noch tolle Melodien schreiben können. So lädt ‚Answering The Call‘ schnell zum Mitsummen ein, und der Song ‚Sleeping Giant‘ beschert uns eingängige Chöre und eher selten gehörte Mellotron-Sounds. Ein Highlight des Albums ist neben dem Titeltrack ganz sicher die Nummer ‚Transcending Time‘, die mit ihren fast schon poppigen Melodien und Sounds auch gut auf das Debütalbum oder das bahnbrechende „Images And Words“ gepasst hätte. Selbst Frontmann James LaBrie, von vielen oft als schwächstes Glied der Traumtheaterkette gescholten, klingt auf „A View From The Top Of The World“ stark wie selten zuvor, wobei man allerdings sagen muss, dass das Songwriting fast immer die Instrumentalparts klar in den Vordergrund stellt.  Beim epischen Titelsong darf der Fan nichts anderes als Bombast erwarten, und genau den bekommt er auch. Orchestrale Arrangements und lange Soli, die unverwechselbar nach Dream Theater klingen – Fluch und Segen zugleich. Nichts wirklich Neues im Progland, aber das, was geboten wird, ist perfekt zusammengebaut.

Dream Theater stehen auch mit ihrem neuen Werk weiterhin am Gipfel der Welt und blicken auf all die anderen Bands hinab, so könnte man das Covermotiv und den Albumtitel auch verstehen, denn der Fels ist so sicher eingekeilt, dass ein Absturz auch nach 15 Studioalben nicht zu befürchten ist.

Wer noch mehr Dream Theater will, greift zur Special Edition mit einer Blu Ray und den 5.1-Abmischungen.

Bandhomepage
Dream Theater bei Facebook

DREAM THEATER – Zweiter Song und Interview zum neuen Album online

Genau einen Monat vor dem Release von „A View From The Top Of The World“ haben die Prog-Könige Dream Theater einen zweiten Song zum kommenden Album veröffentlicht. ‚Invisible Monster‘ ist etwas kürzer und griffiger als ‚The Alien‘ und stimmt die Fans auf die letzten vier Wochen Wartezeit bis zum Album ein. Zur Promotion wurde eine…

DREAM THEATER – Europatour 2022 angekündigt

Die amerikanischen Prog-Metal-Könige Dream Theater werden sich nächstes Jahr die Ehre geben. Das Quintett hat jetzt für 2022 eine Europatour angekündigt. Leider sind die Termine für den deutschsprachigen Raum bisher rar gesät, wer also eine Karte haben möchte, sollte sich vermutlich beeilen:  04. Mai 2022    Genf, Schweiz 11. Mai 2022     Wien, Österreich 23. Mai 2022   …

TRANSATLANTIC – Neo-Prog-Supergroup kommt auf Tour (UPDATE)

Sechs Jahre nach ihrem letzten Album „Kaleidoscope“ bringen die Progger von Transatlantic den Nachfolger. „The Absolute Universe“ erscheint am 5. Februar 2021, und nicht nur in unterschiedlichen Editionen, wie beim Label Inside Out Music üblich. Die Herren Morse, Portnoy, Stolt und Travawas haben tatsächlich zwei Versionen des Albums aufgenommen, dessen Produktion im September 2019 begann.…

DREAM THEATER – Erster Song des neuen Albums ist da

Am 22. Oktober 2021 erscheint mit „A View from the Top of the World“ das 15. Studioalbum einer der bekanntesten und erfolgreichsten Bands im Prog Metal: Dream Theater. Sieben Songs zwischen sechs bis hin zu über 20 Minuten Länge werden enthalten sein. Aufgrund der Pandemie waren die Aufnahmebedingungen schwieriger als sonst , da sich Sänger…

Common Ground

Auf einen gemeinsamen Nenner können sich viele Fans des britischen Retro-Progs ganz sicher einigen: Big Big Train. Dieser „Common Ground“ (English Electric / RSK) ist auch der Titel des neuen Albums der 2009 gegründeten Truppe um Gregory Spawton. Außerhalb der eingangs erwähnten Fangruppe hat man vielleicht schon von Big Big Train gehört, aber sie vermutlich noch nicht live gesehen, denn die Auftritte außerhalb der britischen Insel sind sehr rar. Dennoch ist die Band einer der Vorreiter der dortigen Prog-Szene, die gekonnt progressiven Rock mit Einflüssen des Folk vermischt. Gründungsmitglied Greg Spawton, inzwischen einzige Konstante in dieser außergewöhnlichen Band, liefert mit seiner Truppe oft folkloristische Rocksongs ab, die von den großen Prog-Legenden der 70er Jahre inspiriert sind. 

Wer die Band kennt, dürfte daher ein wenig überrascht sein, haben sich Stil und Sound auf „Common Ground“ doch erstaunlich weit gewandelt. Natürlich sind da immer noch unverkennbar Greg Spawton, David Longdon, Rikard Sjöblom und Nick D’Virgilio am Werk (sowie Gastmusiker), aber von Anfang an schwingen auffallend viele Reminiszenzen an die goldenen 80er Jahre des AOR und Bands wie Boston, Asia oder Toto mit. ‚These are the strangest times‘ heißt es im gleichnamigen Opener, dessen Text sich auf die Pandemie bezieht. Aber seltsame Zeiten sind es auch für die Big Big Train Fans. Doch schnell gewöhnt man sich an die Veränderungen, an die 80er Zitate, und noch vor dem Ende des Tracks ist man mittendrin und hat ihn gefunden, den „Common Ground“ mit Spawton und seinen Mitstreitern. Es gilt, ein spannendes Album zu entdecken, ganz sicher eins der besten im nicht gerade schmalen Katalog der Briten.

Der Gesang von David Longdon ist ausdruckstärker und auf ‚All The Love We Can Give‘ tiefer (!) als je zuvor. Der Song überrascht mit harten Gitarrenriffs, die man Big Big Train nicht unbedingt zugetraut hätte. Dazu kommen die Sjöblom-typischen Keyboards. Das ist schon sehr starkes Material, kommt mit ‚Black With Ink‘ aber noch viel besser. Treibende Rhythmen, wechselnde Gesangsparts, poetische Texte, lyrische Melodien, die typischen gesanglichen Harmonien. All das erwartet man von Big Big Train, und es wird geliefert. Anders, als erwartet, aber hochklassig und wunderschön. Die Band erfindet sich Song für Song neu, und das ist gut so.

‚Headwaters‘ ist ein kurzer instrumentaler Einschub, der nur vom Piano getragen wird und für Entspannung sorgt, bevor sich der nächste Instrumentaltrack ‚Apollo‘, der vom Schlagzeuger Nick D’Virgilio geschrieben und als quintessenzieller Big Big Train Song entworfen wurde, hinterrücks in den Gehörgang schleicht und von dort nicht mehr verschwinden will. Hier sind  all die Elemente enthalten, die Big Big Train auszeichnen: Flotte Keyboards, der Einsatz von Violine und Querflöte, mächtige Bläsersätze, Anleihen bei Funk, Folk und Fusion. Die Musik schwingt sich empor, segelt frei und ungebunden durch die Luft, hymnenhaft, episch, ergreifend. Natürlich darf ein Longtrack nicht fehlen. Den gibt es mit ‚Atlantic Cable‘ und dem angehängten Epilog ‚Endnotes‘, die es zusammen auf 22 Minuten bringen. Wieder bleiben insbesondere die tollen Bläser im Ohr, die immer wieder starke melodische Akzente setzen.

„Common Ground“ ist ein Meisterwerk des Retro-Prog geworden, eine wundervolle musikalische Reise einer Band, die sich trotz überraschender Stiländerungen treu geblieben ist. Dieser Zug ist noch lange nicht abgefahren.

Bandhomepage

Big Big Train bei Facebook