Schlagwort: Indie-Rock

SEBASTIAN MADSEN – Auf eigenen Beinen unterwegs

Die Indie-Rocker von Madsen sind seit beinahe zwei Jahrzehnten sehr erfolgreich unterwegs. Der mittlere der drei Band-Brüder und Lead-Sänger Sebastian hat sich nun aber aufgemacht, es einmal auf eigenen Beinen zu versuchen und ein Solo-Album aufgenommen. Auf diesem beschreitet er völlig neue musikalische Wege. Ganz weit weg von den mitunter eher rudimentären Sounds der Stammband,…

NEUFUNDLAND – Corona-Auszeit beendet

Neufundland liegt -zumindest musikalisch gesehen- nicht in Kanada, sondern in Köln. Dort leben und musizieren die Indie-Rocker rund um Frontmann Fabian Langer seit fast zehn Jahren gemeinsam. Mit Pandemiebeginn haben die Jungs sich aber komplett aus dem Spiel genommen und seit mehr als zwei Jahren gab es nichts mehr von ihnen zu hören. Nun sind…

Bittersweet

Das Nürnberger Indie-Folk-Quintett Me & Reas setzt mit dem Album „Bittersweet“ zum Höhenflug an. Die Combo hat bereits früh in ihrer Karriere erste Erfolgsluft geschnuppert, nur um recht bald festzustellen, dass sie sich im DIY-Kosmos doch bedeutend wohler fühlt. Back to the Roots, sozusagen. Nur selten hat man ein Album vor sich, welches die Seele…

ME & REAS – „Flucht ins DIY“

Flucht nach vorn bedeutet, durch eine überraschende Aktion das Gegenüber zu überrumpeln. Gerumpelt hat es auch bei Me & Reas ganz ordentlich, bis sie sich von den mitunter schweren Altlasten des eigenen Karrierestarts befreit haben und in der Wohlfühlzone angekommen sind. Natürlich nicht ohne das alles in großartige Songs zu gießen. Müssen ja für irgendwas…

ME & REAS – Neues Album im März

Die Indie-Folker von Me And Reas stehen schon in den Startlöchern, denn ihr neues Album „Bittersweet“ erscheint am 04.03.22. Damit das Warten bis zur Veröffentlichung nicht so lang ist, gibt es bereits die neue Vorab-Single „Confessions“ auf die Ohren, auf der Austin Lucas ein formschönes Feature beisteuert. Das Album „Bittersweet“, auf dem mit Matze Rossi…

Go! Go! Go!

I want chaos want noise / I want danger want noise

Diese Zeilen aus dem Refrain von „I Want Noise“, des Openers von LOBSTERBOMBs Debut-EP „Go! Go! Go!“ (kein Label) fasst zusammen, was wohl alle gerade wollen: Endlich mal wieder ausbrechen, sich frei fühlen und für einen kurzen Moment auf alles pfeifen. Mit dem Track im Ohr klappt das auf jeden Fall hervorragend. Auch die restlichen Kompositionen des Berliner Indie-Garage-Trios gehen mit Druck in den Gehörgang – und in die Beine.

Bock auf erdige, noisy Gitarren, treibende Drum-Beats und die ein oder andere aaaaaah- und uuuuuuuuh-Singalong-Line? Na, dann herzlich Willkommen im Universum von LOBSTERBOMB. Direkt aus Berlins Underground machen sich die drei Musiker:innen mit fünf Tracks im Gepäck auf den Weg an die Oberfläche, um ihren frischen Garage-Rock unter die Leute zu bringen.

Underground ist in diesem Fall übrigens wörtlich zu nehmen: „Go! Go! Go!“ wurde DIY im Keller-Proberaum der Band aufgenommen. Peter Thoms (Akne Kid Joe) hat das Ganze im Anschluss gemischt. Herausgekommen ist eine rohe, kantige Platte, die keinen Wert darauf legt, schön zu tun. Oder etwas zu sein, was sie gar nicht ist. All das ist höchst angenehm in einer Ära, die von glattgebügelten Instagram-Beautys und Photoshop-optimierten Bildern dominiert wird.

Authentizität bildet auch die Basis fürs Songwriting der Band. Ob innere Dämonen, die bezwungen werden wollen („Monster“) oder der Ausbruch aus dem erdrückenden Alltag („Wake Up“) – LOBSTERBOMB finden klare Worte für alles, was endlich mal gesagt werden muss. Sängerin und Gitarristin Nico Rosch präsentiert Ihre Vocals zudem so, dass Weghören unmöglich wird: Halb geschrien, halb im Befehlston, aber immer melodisch holt sie aus ihren Stimmbändern raus, was die Lunge hergibt.

„Go! Go! Go!“ ist das gelungene Debut einer kreativen, unverbrauchten Band, die hoffentlich in ihrem Probenkeller noch die eine oder andere laute Überraschung zusammentackert. Es wäre wirklich jammerschade, wenn es von LOBSTERBOMB nicht noch mehr auf die Ohren gäbe …

 

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ILLEGALE FARBEN – Das Beste aus dem Lockdown machen

Ist das noch Post-Punk? Mit dieser Frage schickten Illegale Farben ihr drittes Album in die Welt hinaus. Die Band aus Köln war mutig genug, die Veröffentlichung nicht nur mitten in den Lockdown zu legen. „unbedeutend ungenau“ präsentiert zudem einen deutlich anderen Sound, als man es bisher von dem Fünfer gewohnt war. Sänger und Texter Thomas…

MADSEN – Live im Club 100

  Die einzige offene Konzerthalle Deutschlands, der Club 100 im Bremer Pier 2, schickt seit einigen Wochen Streaming-Konzerte in den Online-Äther. Nach Bands und Künstlern wie Pohlmann, Selig,  Thees Uhlmann und der Antilopengang, sind nun die Indie-Rocker von Madsen an der Reihe. Die drei namensgebenden Brüder und Bassist Niko werden wie immer verstärkt von Gast-Gitarrist…

KAPELLE PETRA – Erste von vier Jahreszeiten-EPs erscheint am 19. März

Fast wie Vivaldi: Angelehnt an den italienischen Komponisten veröffentlicht die deutschsprachige Indie-Rock-Band Kapelle Petra aus Hamm in Westfalen in diesem Jahr insgesamt vier EPs, welche unter dem Thema „Die Vier Jahreszeiten” zusammengefasst werden. Ein Konzept, das sich musikalisch, inhaltlich und auch hinsichtlich der Veröffentlichungs-Zyklen im weitesten Sinne mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter befasst. Jeweils…

unbedeutend ungenau

Ein Konzeptalbum ist auch eine Art, auf Corona zu reagieren. Und all die Veränderungen, die wir gerade erleben, komplett und allumfassend. So, wie es ein gutes Konzeptalbum eben auch ist.

Ob es bei „unbedeutend ungenau“ (Rookie Records) aber wirklich um Corona geht? Sicher nicht nur. Aber ebenso sicher sind die guten Texte immer die, die verschieden interpretiert werden können – und trotzdem funktionieren. Kann daher sein, dass es auch Leute gibt, die hierbei nicht an Lockdown denken:

Wirft es dich auf dich zurück
Von den Beinen auf den Rücken
Lässt dich weiter ratlos stehen
In den allerletzten Lücken
(…)
Es sind Wochen und Tage und Wochen und Tage…

In Wahrheit sind es schon Monate, und vielen kommt es vor wie Jahre – die Zeit und der Zustand, in der und dem alles anders ist. Also haben auch Illegale Farben ein Album gemacht, das ganz anders ist als seine beiden Vorgänger. Aber vermutlich sind die fünf Bandmitglieder in gewisser Weise auch andere Menschen, als sie es noch anno 2016 waren. Zumindest ist ihnen das, wie uns allen, zu wünschen.

Vielleicht ist aber „anders“ gar nicht das richtige Wort. „Besonders“ passt viel besser. Die Band jedenfalls hat alles getan, um „unbedeutend ungenau“ zu einem solchen zu machen. Nicht nur, weil die Platte physisch in streng limitierter Auflage von 100 Stück erscheint. Bis auf’s letzte Detail durchdacht ist außerdem die Songanordnung und die Bebilderung, eine Kurzgeschichte ist beigegeben, und die Veröffentlichung wird durch einen halbstündigen Film begleitet. Mehr Konzept geht kaum.

Illegale Farben verarbeiten den Lockdown nicht nur in Wort und Ton. Sie setzen zugleich die Abkehr von alten (zumeist schlechten) Gewohnheiten durch. Denn irgendwie hat uns doch die Pandemie gelehrt, dass im Leben mehr drin sein sollte als Tretmühle, Hetze, alltägliches Stückwerk. „unbedeutend ungenau“ jedenfalls ist und will das große Ganze. Es zu hören erfordert Konzentration und … Zeit. Es soll nicht zwischen Tür und Angel konsumiert, sondern als Kunstwerk erlebt werden.

Dabei geht es nicht um die einzelnen Songs. Wohl aber um die Musik. Und immer diese starken Worte. Wenn sie auch so manches Mal verklausuliert werden, sind die Beobachtungen doch immer ganz nah dran an der Situation und das Fazit daraus immer so verblüffend klar:

Die Wahrheit ist
Es muss einfach gehen

Eine fast genauso wichtige Rolle wie die sechs Songs spielen auf „unbedeutend ungenau“ die Zwischentöne. Soundfetzen lassen die Tracks gar nicht richtig enden, leiten von einem in den anderen über und machen aus dem Album ein in sich geschlossenes Element. Die Band will explizit, dass man es am Stück anhört. Und das ist genau richtig. Begleitet von Textlektüre und Film wird ein selten intensives Hör-, Seh- und vor allem Denkerlebnis geboten. An dieser Stelle kann nur empfohlen werden, auf diese Weise eine sehr bedeutsame Stunde, oder zwei, mit Illegale Farben zu verbringen. Das bringt die deprivierten Sinne auf Touren und macht Lust auf das Leben nach dem Lockdown, in dem so vieles besser werden könnte:

Bis ein neuer, schlichter Tag
Dich in die Arme nimmt
und zu den Anderen bringt

 

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Rookie Records