MUFF POTTER – Familientreffen im Skaters Palace

Die wiedervereinigten Muff Potter haben vor wenigen Monaten ihr gelungenes Comeback-Album „Bei aller Liebe“ veröffentlicht und spielen heute Abend in ihrer selbsternannten Homebase Münster im Skaters Palace die vorletzte Show der dazugehörigen Tournee. Nur wenige Kilometer entfernt in Rheine gegründet, verwundert es nicht, dass sich etliche Verwandte und Schulfreunde der Band im Publikum befinden, wie man aus Gesprächen vor der Show heraushören kann.

Die Kollegen und Lokalmatadoren von Messer eröffnen den Abend. Sänger und Schriftsteller Hendrik Otremba erzählt von der engen Verbundenheit mit der Hauptattraktion des Abends, dass es aber trotz jahrelanger Verbindung das allererste Mal ist, dass man sich eine Bühne teilt.

Nach einer Umbaupause entern dann die Jungs um Frontmann und Texter Thorsten Nagelschmidt die Bühne und legen mit „Killer“ direkt laut und schmutzig los. Mit zwei weiteren Nummern aus der aktuellen Platte, nämlich „Ich will nicht mehr mein Sklave“ und „Flitter & Tand“, geht es weiter, bevor der Sänger sich das erste Mal an die Menge wendet und alle Anwesenden freudig begrüßt. Richtig Stimmung kommt mit dem folgenden „Gute Aussicht“ auf, hier werden erstmals die Texte mitgesungen und sich deutlich mehr bewegt. Von der aktuellen Scheibe spielt sich das Quartett selbstbewusst durch alle zehn Nummern, diese machen somit mehr als die Hälfte der Setlist aus.

Die neuen Lieder werden zwar insgesamt freundlich, aber doch deutlich zurückhaltender aufgenommen. Echte Feierlaune kommt dagegen bei den Klassikern auf, insbesondere beim vor Lokalkolorit strotzenden Liebes-Schlägerei-Song „Von wegen (aus Gründen)“ bei dem Nagels lyrisches Ich einen Spaziergang durch die Stadt, vorbei an Mocambo Bar und Überwasserkirche, macht – die Orte kennen die meisten Gäste.

Bei „Hammerschläge, Hinterköpfe“ kehrt Otremba noch einmal zurück, und teilt sich mit Thorsten die Lyrics. Neu-Gitarrist Felix Gebhard ist gut eingebunden. Wer von dem Wechsel an den sechs Saiten nichts weiß, merkt ihn auch nicht. Die Fans im sehr gut gefüllten -aber nicht restlos ausverkauften- Club lassen die Männer nach einem furiosen Endspurt und dem Rausschmeißer „Schöne Tage“ natürlich noch nicht gehen, und fordern lautstark nach Zugaben, die selbstverständlich auch erfüllt werden.

Da der Rest der Truppe „noch rauchen ist“, wie Drummer Brami erzählt, übernimmt kurzerhand er die Rolle des Conférenciers und erzählt eine Story aus seiner Wohnung in der Nähe des hiesigen Hauptbahnhofes ohne schützende Eingangstür, in der er beim Nachhausekommen einen Bauarbeiter auf seiner Toilette vorfindet – die Story endet mittendrin. „Nee, gibt keine Pointe!“, meint er nur lakonisch, bevor er sich wieder hinter seine Schießbude setzt. Die Herren starten den Nachschlag mit der fast ausschließlich gesprochenen und beinahe acht Minuten andauernden Nummer „Nottbeck City Limit“, bei der es sich um den Fleischskandal bei Tönnies dreht. Noch einmal wild wird es bei „Fotoautomat“ und „Wir sitzen so vorm Molotow“, und die textsichere Anhängerschaft gibt noch einmal alles.

Das nun wirklich finale „Die Guten“ wird der Crew und den Mitarbeitern des Skaters Palace, aber insbesondere dem Ausrichter des Abends, dem münsterischen Club und Kulturzentrum „Gleis 22“ gewidmet, und lässt die Menge ein letztes Mal singen und tanzen, bevor nach etwas mehr als 100 Minuten ein amtliches Punkrock-Konzert endgültig beendet wird, und auch alle Nicht-Verwandten sich in die kühle November-Nacht auf den Heimweg machen.

Wer noch mehr zur Entstehung der neuen Platte und dem Comeback erfahren will, dem sei das noch immer lesenswerte Interview mit Whiskey-Soda empfohlen!

 

SETLIST:

Killer

Ich will nicht mehr mein Sklave sein

Flitter & Tand

Gute Aussicht

Wenn dann das hier

Hammerschläge, Hinterköpfe (with Hendrik Otremba)

Privat

Der einzige Grund aus dem Haus zu gehen

Niemand will den Hund begraben

Ein gestohlener Tag

Wie Kamelle raus

Das seh´ ich erst wenn ich’s glaube

Von wegen (aus Gründen)

Take a Run at the Sun

Schöne Tage

 

Nottbeck City Limits

Fotoautomat

Wir sitzen so vorm Molotow

 

Die Guten

 

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Fotos: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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