Schlagwort: Grindcore

KINSKI – NRW-Grinder pimpen Kreators ,People Of The Lie‘

Schon einmal vorgestellt, dass die hiesigen Vorzeige-Thrasher Kreator aberwitzigen Grindcore spielen würden? Die Grinder von Kinski verpassen ,People Of The Lie‘ nicht nur ein höllisches Tempo, sondern zweistimmiges Geschrei und einen slappenden Bass. Der Songs ist Teil einer Split-7″ mit den Japanischen Kampfhörspielen, die ,Extreme Aggression‘ verhackstücken. Dass das Unterfangen funktioniert und ebenso viel Spaß…

NAPALM DEATH – Alter schützt vor neuen Songs nicht

16 Jahre regieren ist ein Furz gegenüber den 40 Jahren, die Napalm Death die einzig wahre Macht im Grindcore sind. Auch nach so vielen Jahren sind die Zappelmonster aus Birmingham nicht müde, neue Songs zu schreiben. Auch wenn es nur eine EP ist, die nur 29 Minuten Spielzeit hat und zwei Cover-Songs (von Slap! und…

JAKA vs. OPTIMIST – Pazifisten erwachen, um in den Krieg zu ziehen

Zur Einstimmung auf die Heuchlerei zum Weihnachtsfest beschert uns Bastardized Recordings je einen Songs der Extrem-Kabarettisten von den Japanischen Kampfhörspiele und der Posi-Deather Optimist. ,Krieg der Pazifisten‘ und ,Erwachen‘ sind die Statements zur aktuellen Lage hinter der pandemischen Gefühlsduselei. Pimpt euer Leben mit etwas Lärm! Krieg Der Pazifisten by Japanische KampfhörspieleKrieg Der Pazifisten by Japanische…

NAPALM DEATH – Grind-Opas starten „Campaign For Musical Destruction“

Im letzen Jahr haben die Ur-Grinder Napalm Death im Januar noch die unbeschwerte Zeit live on stage abgefeiert. Jetzt schicken sie sich an, diese hoffentlich wieder einzuläuten, mit viel Getöse und der UK Crust-Legende Doom im Schlepptau. Werden Siberian Meat Grinder und Show Me The Body noch hinzugefügt steht das illustere Package für die „Campaign…

Torn Arteries

Die britischen Schlachter von Carcass lassen sich Zeit bei der Auswahl des Fleisches, das sie zu sezieren beabsichtigen. In diesem Fall haben sie mit der letztjährigen EP „Despicable“ ihre Schnitte in den Körper schon einmal erfolgreich geübt. Insofern ist es keine Überraschung, dass bei ihren Hauptwerk „Torn Arteries“ (Nuclear Blast) jeder Ansatz des Skalpells souverän an der richtigen Stelle sitzt.

Carcass haben seit ihrem Comeback ihr Können verfeinert. Sie gehen weiterhin messerscharf zur Sache, doch es sind die kleinen Feinheiten, die das zweite Album der neuen Zeitrechnung ausmachen. Besonders tut sich Daniel Wilding am Schlagzeug dabei hervor, aber ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Seine kreative Versiertheit an den Kesseln setzt er stets im Sinne des Songs ein, doch bei genauerem Hinhören erkennt man die vielen Spielereien, mit denen er seinen Job versieht. Ein weiteres Markenzeichen ist das melodiöse Solospiel Bill Steers, das er hin und wieder bis zur Grenze zur Karikatur auslebt. Und Jeff Walker röchelt wie immer mit genussvoller Aggressivität.

Thin Lizzy mit einer Knochensäge

Neben dem Carcass-typischen Melodic Death Metal mit Grindcore-Infusion sind heftige Rhythmen zu vernehmen, die jeder Hardcore-Kapelle gut zu Gesicht stehen würde. Auch stampfender Death Metal, der den Mannen mit Hörern und Trinkhörern gefallen dürfte, hat sich in das Repertoire der wichtigsten Band jenseits des Merseys seit den Beatles geschlichen. Steers Vorliebe für Hard Rock der 70er dringt ebenfalls öfter an das geneigte Ohr. Zusammen ergibt dies eine recht kreative und abwechslungsreiche Obduktion der gängigen Hörgewohnheiten, denn oft schrammen die Briten an die Grenze der schieren Übertreibung ihrer Ideen. Das Klatschen bei ,In God We Trust‘ ist einfach nur ein Kracher. Aber das macht Carcass aus, mehr Blut, mehr Gedärme, mehr Abszesse und mehr Decubitus.

Carcass sind eine Institution in Sachen königlich britischen Death Metal. Noch nie klang ein Album wie das davor, noch nie haben sich sich kopiert. „Torn Arteries“ ist mit Sicherheit das Album, das am nähesten an seinem Vorgänger heranreicht. Und doch ist es eigenständig geworden. Es geht nicht mehr so gnadenlos in die Vollen, es ist ein wenig altersmilde und macht gerade deshalb wieder so viel Spaß. Es wird nicht ihr Schwanengesang sein.

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West Side Horizons

Powerviolence? Was ist denn das jetzt schon wieder? Eine der superschnellen Spielarten des Punkrocks, im speziellen des Crustpunks und besitzt eine familiäre Nähe zum Thrash- und Fastcore, hat aber wenig mit Grindcore gemeinsam. So, jetzt wissen wir Bescheid. Eine der Vorzeige-Kapellen dieser Spielart sind die kalifornischen Despise You, die aus der Hochzeit des Subgenres in den 90er Jahren des vergangenen Millenniums – Spazz und Capitalist Casualities seien in dieser Stellen als weitere Eckpfeiler erwähnt – noch dabei sind. Auch bei Despise You gilt eine Split-Single mehr als ein vollständiges Album, weil allein der DIY-Gedanke, die Authentizität zählt. Mit „West Side Horizons“ lassen Tankcrimes den endlosen Kult um die Compilation von 1999 wieder aufleben, denn ein gutes Dutzend Mal ist diese bereits in allen möglichen Formaten wieder aufgelegt worden.

„West Side Horizons“ beheimatet inzwischen satte 62 Songs – darunter 16 bisher unveröffentlichte Kracher – in 45 Minuten, was rein mathematisch eine durchschnittliche Song-Dauer von 45 Sekunden pro Song bedeutet. Die Stücke pendeln aber zwischen 12 und 135 Sekunden, zwischen wilden Wuteruptionen und düster dahin kriechenden Depressionen. Wie typisch für Powerviolence-Granaten wechseln sich Blast-parts und kurze Midtempo-Bremsen abrupt miteinander ab. Intro, Übergänge, Samples oder längere Instrumentalpassagen überlassen sie gerne den Kollegen im metallischen Grindcore-Zunft. Alles wirkt sehr spontan. Allein die Wut und die Energie zählen.

California Powerviolence Massacre

Doch Despise You können auch kompromisslos geradeaus knüppeln. Markant ist auch das wütenden Gebrüll, das hin und wieder von weiblichen Gekreische des Feldes verwiesen wird. Kettensägen-Gitarren, hölzerne Drums und Staubsauger-Bass gehören selbstverständlich zur Ausstattung jeder Krach-Kombo des Genres, die etwas auf sich hält. Nur schaffen es Despise You, einem die Versatzstücke durchaus abwechslungsreich und mit größtmöglicher Wucht um die Ohren zu hauen. Sie malträtieren sogar Klassiker von Circle Jerks, Dirty Rotten Imbeciles (aka D.R.I.) und Possessed auf ihre eigene Art und Weise. Ihr Hauptthema ist in den meisten Fällen die kritische, soziale Situation in den kalifornischen Metropolen mit ihrer ausufernden Waffengewalt, ungebremsten Drogenmissbrauch, wachsender Obdachlosigkeit, illegale Einwanderung und dem stetigen sozialen Abstieg der Mittelschicht, sprich ein Land am Abgrund zum failed state.

Also, ihr Grinder, Crusties und Hardcorer: Falls ihr noch eine Antriebsquelle braucht und in den letzten 22 Jahren Despise You übersehen habt, dann ist jetzt Zeit, dies nachzuholen. „West Side Horizons“ bietet den perfekten Einstieg in dieses punkige DIY-Subgenre. Hier stimmt das Engagement, die Message und die Attitüde auf jeden Fall noch.

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CARCASS – Brit-Grinder laden ein in ,Kelly’s Meat Emporium‘

Die altgedienten, britischen Melodic Death Metal Goregrinder von Carcass laden uns in eine weitere Runde in ihre Welt aus Gore und tiefschwarzem Humor ein. Was sie schon mit EP „Despicable“ im Herbst letzten Jahres angedeuten haben, setzen sie am 17. September in die Tat um: Das zweite vollständige Album seit dem Comeback wird „Torn Arteries“…

LOCK UP – ,Inside Cthulhu’s Eye‘ ist kein Zuckerschlecken

Lock Up band pic

Shane Emburys Grindcore-Kapelle Lock Up hat sich nicht nur mit At The Gates-Shouter Thomas Lindberg eine zweite Röhre neben Kevin Sharp ins Haus geholt und veröffentlicht „Play fast or die – Live in Japan“ zum ersten Mal auf Vinyl, sondern es gibt obendrein noch eine 7″-Single mit zwei neuen Songs und einer Cover-Version von ,Radiation…

United In Chaos

 

Wunderbar, wenn es Bands gibt, die mit ihrem Debutalbum gleich solch einen Impact haben, dass ein Meteor dagegen Kinderkram ist. Summoning The Lich aus dem eher beschaulichen Missouri hauen mit ihrem Debutalbum „United In Chaos“ ein Werk heraus, das vermutlich Ende des Jahres 2021 als ein Referenzwerk für dieses Kalenderjahr gelten wird.

Klänge wie die von Summoning The Lich durften wir auf diesem Niveau zum letzten Mal auf Cattle Decapitation’s „Death Atlas“ genießen. Das ist eine unglaublich brachiale Mischung aus Death Metal, Grindcore, Black Metal-Gekeife und faszinierenden Harmonien und Melodien. Produktion und Spiel der Instrumente sind brutal und durchdringend, der technische Anspruch ist im allerhöchsten Bereich. Im Gegensatz aber zum Beispiel zu Rings Of Saturn herrscht hier eine Geradlinigkeit vor, die für diese Art von höchst technischem, extremen Metal eher selten ist. Refrain und Melodie von „Demon Of The Snow“ könnte, wenn man all den brutalen Anstrich wegräumt und nur die Melodie sieht fast aus einem Kinderlied stammen, so genial eingängig ist das. Und das ist kein Einzelfall – während die Songs selbst technisch durch und durch höchst anspruchsvoll sind, werden in diesem Anspruch versteckt dann in den Refrains Pfeif-Alongs genutzt, die von genialer Einfachheit sind. Dadurch entsteht in den Songs eine äußerst spannende Dynamik.

Textlich finden sich die technischen Bands ja gern eher in der philosophisch-tiefgründigen Abteilung wieder, in der über die Dekadenz der menschlichen Rasse oder die Unzulänglichkeit des menschlichen Daseins reflektiert wird. Nicht so bei Summoning The Lich – hier ist Fantasy Roleplay angsagt…. Wer einmal in einer Dungeons & Dragons – Kampagne gegen einen beschworenen Lich gekämpft hat weiß, dass das eines der cooleren Monster ist, und genau darum geht es hier.

Wir haben hier also Technical Fantasy Grindcore Metal? Ja, wenn man denn eine Schublade braucht. Um die schert sich die Band selbst wenig.

Wer auf solch technisch hohem Niveau solche Melodien schreibt und solch ein Riffing abliefert wird nicht lange brauchen, um sich ganz oben an der Spitze wiederzufinden. Neben dem überragenden „Demon Of The Snow“ bieten sich auch noch „Hymns Of The Witches Of The West“ und „The Lure Of The Necromancer“ als Anspieltipps an. Irgendwer hatte neulich mal eine Liste von Alben veröffentlicht, auf denen es ausschließlich Hits gibt und nicht einen Ausfall. „United In Chaos“ gehört auf jeden Fall auf diese Liste.

Es wird schwer werden, in 2021 dieses Album in der Combo Brutalität und Melodie zu toppen. Ganz ganz stark.

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Bandlabel: Prosthetic Records

Socioclast

In ungewöhnlichen Zeiten wie den derzeitigen, die nur schwer in das bisherige Leben einzuordnen sind, fahren die Emotionen Achterbahn. Melancholie, Hyperaktivität, Resignation, Kreativität und eine gehörige Portion Wut geben sich die Klinke in die Hand, manchmal sogar mehrmals am Tag. Um die Rage auch in seiner Explosivität voll auskosten zu können und sie trotzdem schnell wieder in den Griff zu kriegen, sind den Mutigen Socioclast aus Kalifornien ans Herz zu legen. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum (Carbonized Records) bietet 15 knackige Wutausbrüche.

Der längste Song ist satte 2:50 Minuten lang, der kürzeste sparsame 35 Sekunden. Dem entsprechend erstreckt die musikalische Spanne von straighten Grindcore-Gebolze bis zu schmerzerfüllten Slow-Motion-Walzen. Der Ansatz des extremen Trios ist metallischer Natur mit überraschenden Tempowechseln und Breaks, aber trotzdem immer geradeaus. Sie hauen nicht so heftig auf die Kacke wie die Texanischen Grind-Cowboys Kill the Klient, von der Strukturiertheit der legendären Terrorizer sind Socioclast aber ebenfalls weit entfernt. Meist growlt sich Colin Tarvin durch die Songs, hin und wieder kreischt er, die zehn Saiten sind mächtig herunter gestimmt und überraschender Weise scheppern die Drums wenig, sondern warten mit einem durchaus differenzierten Sound auf. Besonders originell sind Socioclast nicht, dafür legen sie eine hohe Dosis Durchschlagskraft an den Tag.

Nach 17 Minuten ist das Inferno dann auch vorbei, wobei der fast dreiminütige Rausschmeißer ,Concrete and Steel‘ schon eine echte Grind-Perle ist. Socioclasts Erstlingswerk ist die Begleitmusik für den Tobsuchtsanfall zwischendurch, in der Mittagspause, beim Anstehen vor der Post oder beim der Entgegennahmen der Entscheidungen des Corona-Kabinetts.

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