Schlagwort: Grindcore

CARCASS – Brit-Grinder laden ein in ,Kelly’s Meat Emporium‘

Die altgedienten, britischen Melodic Death Metal Goregrinder von Carcass laden uns in eine weitere Runde in ihre Welt aus Gore und tiefschwarzem Humor ein. Was sie schon mit EP „Despicable“ im Herbst letzten Jahres angedeuten haben, setzen sie am 17. September in die Tat um: Das zweite vollständige Album seit dem Comeback wird „Torn Arteries“…

LOCK UP – ,Inside Cthulhu’s Eye‘ ist kein Zuckerschlecken

Lock Up band pic

Shane Emburys Grindcore-Kapelle Lock Up hat sich nicht nur mit At The Gates-Shouter Thomas Lindberg eine zweite Röhre neben Kevin Sharp ins Haus geholt und veröffentlicht „Play fast or die – Live in Japan“ zum ersten Mal auf Vinyl, sondern es gibt obendrein noch eine 7″-Single mit zwei neuen Songs und einer Cover-Version von ,Radiation…

United In Chaos

 

Wunderbar, wenn es Bands gibt, die mit ihrem Debutalbum gleich solch einen Impact haben, dass ein Meteor dagegen Kinderkram ist. Summoning The Lich aus dem eher beschaulichen Missouri hauen mit ihrem Debutalbum „United In Chaos“ ein Werk heraus, das vermutlich Ende des Jahres 2021 als ein Referenzwerk für dieses Kalenderjahr gelten wird.

Klänge wie die von Summoning The Lich durften wir auf diesem Niveau zum letzten Mal auf Cattle Decapitation’s „Death Atlas“ genießen. Das ist eine unglaublich brachiale Mischung aus Death Metal, Grindcore, Black Metal-Gekeife und faszinierenden Harmonien und Melodien. Produktion und Spiel der Instrumente sind brutal und durchdringend, der technische Anspruch ist im allerhöchsten Bereich. Im Gegensatz aber zum Beispiel zu Rings Of Saturn herrscht hier eine Geradlinigkeit vor, die für diese Art von höchst technischem, extremen Metal eher selten ist. Refrain und Melodie von „Demon Of The Snow“ könnte, wenn man all den brutalen Anstrich wegräumt und nur die Melodie sieht fast aus einem Kinderlied stammen, so genial eingängig ist das. Und das ist kein Einzelfall – während die Songs selbst technisch durch und durch höchst anspruchsvoll sind, werden in diesem Anspruch versteckt dann in den Refrains Pfeif-Alongs genutzt, die von genialer Einfachheit sind. Dadurch entsteht in den Songs eine äußerst spannende Dynamik.

Textlich finden sich die technischen Bands ja gern eher in der philosophisch-tiefgründigen Abteilung wieder, in der über die Dekadenz der menschlichen Rasse oder die Unzulänglichkeit des menschlichen Daseins reflektiert wird. Nicht so bei Summoning The Lich – hier ist Fantasy Roleplay angsagt…. Wer einmal in einer Dungeons & Dragons – Kampagne gegen einen beschworenen Lich gekämpft hat weiß, dass das eines der cooleren Monster ist, und genau darum geht es hier.

Wir haben hier also Technical Fantasy Grindcore Metal? Ja, wenn man denn eine Schublade braucht. Um die schert sich die Band selbst wenig.

Wer auf solch technisch hohem Niveau solche Melodien schreibt und solch ein Riffing abliefert wird nicht lange brauchen, um sich ganz oben an der Spitze wiederzufinden. Neben dem überragenden „Demon Of The Snow“ bieten sich auch noch „Hymns Of The Witches Of The West“ und „The Lure Of The Necromancer“ als Anspieltipps an. Irgendwer hatte neulich mal eine Liste von Alben veröffentlicht, auf denen es ausschließlich Hits gibt und nicht einen Ausfall. „United In Chaos“ gehört auf jeden Fall auf diese Liste.

Es wird schwer werden, in 2021 dieses Album in der Combo Brutalität und Melodie zu toppen. Ganz ganz stark.

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Bandlabel: Prosthetic Records

Socioclast

In ungewöhnlichen Zeiten wie den derzeitigen, die nur schwer in das bisherige Leben einzuordnen sind, fahren die Emotionen Achterbahn. Melancholie, Hyperaktivität, Resignation, Kreativität und eine gehörige Portion Wut geben sich die Klinke in die Hand, manchmal sogar mehrmals am Tag. Um die Rage auch in seiner Explosivität voll auskosten zu können und sie trotzdem schnell wieder in den Griff zu kriegen, sind den Mutigen Socioclast aus Kalifornien ans Herz zu legen. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum (Carbonized Records) bietet 15 knackige Wutausbrüche.

Der längste Song ist satte 2:50 Minuten lang, der kürzeste sparsame 35 Sekunden. Dem entsprechend erstreckt die musikalische Spanne von straighten Grindcore-Gebolze bis zu schmerzerfüllten Slow-Motion-Walzen. Der Ansatz des extremen Trios ist metallischer Natur mit überraschenden Tempowechseln und Breaks, aber trotzdem immer geradeaus. Sie hauen nicht so heftig auf die Kacke wie die Texanischen Grind-Cowboys Kill the Klient, von der Strukturiertheit der legendären Terrorizer sind Socioclast aber ebenfalls weit entfernt. Meist growlt sich Colin Tarvin durch die Songs, hin und wieder kreischt er, die zehn Saiten sind mächtig herunter gestimmt und überraschender Weise scheppern die Drums wenig, sondern warten mit einem durchaus differenzierten Sound auf. Besonders originell sind Socioclast nicht, dafür legen sie eine hohe Dosis Durchschlagskraft an den Tag.

Nach 17 Minuten ist das Inferno dann auch vorbei, wobei der fast dreiminütige Rausschmeißer ,Concrete and Steel‘ schon eine echte Grind-Perle ist. Socioclasts Erstlingswerk ist die Begleitmusik für den Tobsuchtsanfall zwischendurch, in der Mittagspause, beim Anstehen vor der Post oder beim der Entgegennahmen der Entscheidungen des Corona-Kabinetts.

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Neues aus dem Halluzinogenozinozän

16 Monate ist „Verk Ferever“, der letzte Streich der immer umtriebigen Metal-Kabarettisten aus Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland des neuen CDU-Ober-Onkels Armin Laschet, alt. Lockdown, Social Distancing und allgemeine Vereinsamung haben es möglich gemacht, 31 Minuten Japanische Kampfhörspiele liegen zur Diskussion auf dem Tisch. Die unwirtliche Zeit hat aber auch dafür gesorgt, dass „Neues aus dem Halluzinogenozinozän“ (Bastardized Recordings) ein klein wenig sehr anders geworden ist.

Mit dem Mantra „Sehr gut, sehr gut – Ja!“ starten die JaKas in den ,Schweinetransport‘, der sich überraschend wütend gebärdet. Ist ja auch ein unmenschliches Thema. Am Nörgeln, Ätzen und dreckige Finger in Wunden legen waren sie ja schon immer sehr gerne, aber so auf die Kacke – textlich und musikalisch – haben sie lange nicht gehauen. Ihren typisch break-lastigen mit Gedudel angereicherten und an Wiederholungen nicht geizenden Metal pimpen sie mit Hip Hop und … viel Elektronik. Wenn alles auf einmal auf einen einkracht, macht das Wirrwarr sogar Spaß. Es nervt aber auch, vor allem diese ständigen 8-Bit-Melodien im Hintergrund.

„Halt deine Schnauze“

Werden die vier monotonen, aber auch eigenwilligen Instrumentalstücke addiert und dann von der Gesamtspieldauer subtrahiert, dann bleiben gerade mal 22 Minuten JaKa in Reinform. Diese 22 Minuten sind dafür auf gewohntem JaKa-Niveau, was heißen soll breakig, groovig, manisch und wild. Auf einem 40- oder gar 45-minütigen Tonträger hätten die avantgardistischen Einlassungen ihren Platz gefunden, so dienen sie als Bremsen. Bei allem Schnickschnack sind Songs wie ,Drohnenangriff auf unsere Werte’ und ,Lass deinen Müll auf dem Festivalgelände liegen’ nicht nur wegen der genialen Namen schon coole Baller-Songs. Kurzweilig sind auch wieder die Lästereien über unsere sogenannte Zivilisation und ihre speziellen Ausprägungen. Mit anderen Worten: Spießer-Alarm!

Die Japanischen Kampfhörspiele sind halt wie als Fleischfresser, die für einen Veganer kochen müssen: interessante Interpretationen und unterschiedlichste Zutaten treffen auf die ein oder andere Fehlleistung auf dem Teller. Wer ausschließlich Bock auf Schnitzel mit Pommes hat oder bunten Salat mit Räuchertofu, wird mit „Neues aus dem Halluzinogenozinozän“ nicht glücklich. Insgesamt ist aber recht wenig Musik auf dem Teller. Vorspeise, Zwischenmahlzeit, Nachtisch, oder was jetzt?

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BESTA – Song für die Hardcore Help Foundation

Besta_Band

Die portugiesischen Grinder Besta spenden den Erlös ihres neuen Songs ,Dissector‘ der Hardcore Help Foundation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen in Not zu helfen. Unter deren Projekten befinden sich unter anderem Hilfe für Obdachlose, sauberes Wasser und Unterstützung für Krankenhäuser in Afrika. Den Song könnt ihr auf der Bandcamp-Seite von Besta herunterladen,…

Surge

Genug von all dem Prog Metal und Metal Dinosaurier Maintream! Hier kommt was in die Fresse! Genau das, was wir derzeit ganz dringend brauchen, um uns wieder gewahr zu werden, dass wir Menschen nicht nur Teil des Problems sind, sondern sein Ursprung! Der Unmut und die Wut schwillt überall an. Schuld sind die anderen! Blödsinn! Das Grind-Quintett aus Lissabon Bas Rotten erinnert uns mit ihrem Debütalbum „Surge“ (Raging Planet/To Live A Lie Records) nicht mit einem sanften Tip auf die Schulter daran, sondern auf die direkte Art, mit einem Frontalangriff.

Ist der Opener ,Blow‘ nur als Warnung für die kommenden 21 Minuten zu verstehen, dann ist schnell klar, Bas Rotten labern nicht rum, sondern lassen ihrer Wut freien Lauf. Kein Song ist über zwei Minuten lang, in der Tat sind die wenigsten über 100 Sekunden, aufgelockert durch Samples. Aber die drei Joaos, Eduardo und Rui sind keine reine Grindcore-Kapelle, sondern eine Mischung aus den extremen Untergrund-Genres Powerviolence, Thrashcore und Fastcore. Hauptsache schnell, direkt und wütend. Egal ob jenseits der Schallgrenze oder psychotisch sludgig, Bas Rotten sind über die Maßen zornig unterwegs.

Den Adrenalin-Level halten sie über die 17 Songs hoch und schaffen dabei sogar, ein Mindestmal an Abwechslung feil zu bieten. Manchmal gehen die Portugiesen ziemlich wild zur Sache was ihre Solos angeht. Daher sind sie der italienischen Schule um die Grind-Helden Cripple Bastards näher als den gradlinigen britischen oder amerikanischen Kollegen. Allein schon aufgrund der heiser aggressiven Vocals überwiegt der Punk-Faktor die Metal-Kanten. Überkandidelte Growls oder computerisierte Effekte sind nicht die Sache des Fünfers. Trotzdem peitschen die metallischen Einschübe den Orkan auf, drehen ihn von Stärke 8 auf 9. Den Spielraum zum lupenreinen Orkan lassen sie unberührt, was auch gut so ist, da dies Platz für eine Weiterentwicklung lässt.

Wer den Glockenschlag des jüngsten Gerichts noch nicht gehört hat und den Spinnern da draußen mal die Meinung sagen möchte, der bekommt mit „Surge“ die notwendige Unterstützung geliefert. Sinnbildlich dafür steht das gemalte Artwork zweier Boxer im In-Fight. Traut euch den Querdenken in die Quere zu kommen!

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Kennt ihr schon … UTILITARIAN?

Utilitarian Band Pic

In der 90ern war die britische Punk/Hardcore-Szene eine der lebendigsten überhaupt. Vor allem war sie politisch wie kaum eine andere. Die Anarcho-Punks von Conflict stehen, wie die Crust-Institutionen Doom und Extreme Noise Terror und natürlich die Ur-Grinder Napaln Death stellvertretend für diese Zeit. Es ist ruhiger geworden, obwohl die genannten Bands noch immer ihre Kreise…

NAILS – 10 Jahre „Unsilent Death“, Lärm in Perfektion

Nails

Das kalifornische Oxnard hat nicht nur große Hardcore-Kaliber wie Rich Kids On LSD (aka RKL), Ill Repute oder Dr. Know hervorgebracht. Auch die Grinder Nails haben 2010 ihren Fußabdruck in Form von zehn Songs auf einem Mini-Album namens „Unsilent Death“ hinterlassen. Der gnadenlose Wirbelsturm wird jetzt dank Southern Lord zusammen mit fünf, teilweise bisher unveröffentlichten…

Stay Angry

Bereits das Debütalbum „Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ der drei Sheffielder Anarcho-Punks war eine Frischzellenkur für die überalterte britische Polit-Punk-Szene. Utilitarian verbinden all das Gute von Bands wie Conflict und Napalm Death: Energie, Wut, Aussage und Frische. Dies gilt auch für die neue EP „Stay Angry“ (DIY), deren Titel die Marschrichtung der fünf Songs vorgibt.

Der metallische Punk des Trios ist genau das, was die Schublade aussagt, wütender Punk mit einer Metal-Kante, die nie die Oberhand übernimmt, sondern die Kraft der Songs unterstützt. Alteingefleischte Cruties und Anarchos werden ebenso ihre Freude an der Performance Utilitarians haben, wie junge Grinder und Thrasher. Besonders sticht das fast sechsminütige ,Anarchy (Justice Without Order)‘ mit seinem langen Instrumental-Part hervor. Der Song verbindet sämtliche musikalische Einflüsse der Band zu einem Monster-Song. Es hätten auch drei oder sogar vier Stücke daraus entstehen können, aber dann wäre er nicht einmal halb so massiv und vernichtend. Die ähnlich lange Antwort ,ACAB (Order Without Justice)‘ fällt dagegen nicht so auf den Punkt gebracht aus. Hier wären zwei Songs angebracht gewesen. Als Sahnehaube präsentieren Utilitarian noch zwei Cover-Songs, die, wie schon auf ihrem Debüt, wirklich gelungen sind. Dooms ,Police Bastard‘ erstrahlt in einer Grindcore-Version und ,Police Truck‘ von Dead Kennedys wurde noch nie so wütend vorgetragen, kommt aber nicht an ,Nazi Punks Fuck Off!‘ der Birminghamer Helden heran.

Die letzten Jahre über haben die alten Recken die schwarze-rote Fahne der englischen Polit-Punk-Szene hoch gehalten. Doch mit Utilitarian steht der Nachwuchs angriffslustig bereit. So frisch und engagiert wie damals die Gründungsväter, dabei kein bisschen grün hinter den Ohren, sind sie der dringend nötige Tritt in der Arsch der apathischen Punk-Szene auf der Insel.

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