Schlagwort: Grindcore

Katharsis

Kaum scheint in Finnland mal die Sonne, schon kommt ein ungehobeltes Punk-Trio daher und unternimmt alles, damit es wieder dunkel wird. Mustasuo lärmen, brüllen und schreien voller Inbrunst gegen das Licht an. Sie scheinen nicht nur ihren inneren Dämon bekämpfen zu wollen, sondern haben an ihrem freudlosen Handwerk auch noch Freude. Denn Helligkeit blendet und verblendet. Und das kann einem Punk nicht schmecken. Also holen sie mit „Katharsis“ (Off Records) zum Rund-um-Schlag aus, um sich den Frust von der Seele zu prügeln.

Mit einer rudimentären Mischung aus Screamo, Crust und Grindcore läuten Mustasuo das Ende der schöngeistigen Kultur ein. Holpriger D-Deat, wilde Blastbeats und Kettensägen-Riffs kämpfen im wahrsten Sinne des Wortes in dem Tornado eines ächzenden und kratzenden Sound gegen einander an. Das Szenario, das sich einem eröffnet, verdient nur eine Charakterisierung: pure Verzweiflung. Das heisere Geschrei ist kaum auszuhalten. Die musikalische Darbietung ist kalt und schmerzend. Jede Note tut weh. Sie trauen sich auch, Elemente von trostlosem Noise und walzendem Industrial in ihren ätzenden Cocktail einfließen zu lassen. Eine halbe Stunde lang strapazieren sie die Nerven des Zuhörers bis zum Zusammenbruch. Gefahrensucher-Musik trifft den Kern dieser Eruption am besten. „Katharsis“ hört man nicht einfach, man wagt es, wie ein Mutprobe. Shane Embury ist mit Sicherheit ein Fan dieser verrückten Finnen.

Mit ihrem Debütalbum stehen Mustasuo in der Tradition legendärer finnischer Bands, die sich nie um Trends oder die Hörgewohnheiten des Mainstreams geschert haben. Mustasuo atmen den Spirit von Bands wie Terveet Kädet und Rotten Sound und sind dabei doch so grundverschieden. Herrlich ist die Ruhe nach „Katharsis“. Aber es wird den Moment geben, da passen die zehn Songs, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

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Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People

„Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ – Der Titel dieses Albums klingt so sehr nach Anarcho-Punk aus dem Vereinigten Königreich, wie er in den 80ern von Bands wie Conflict gespielt wurde. Nicht so weit gefehlt! Der erste Eindruck, zudem auch das schwarz-weiße Cover-Artwork mit dem roten Anarchie-Zeichen zählt, trifft den Kern der Annahme. Allerdings sind die 14 Songs sind die 14 Songs auf dem Debüt des Sheffielder Punk-Trios Utilitarian zeitgemäßer.

Wütender Kreisch-Gesang in Verbindung mit einem metallischen Songwriting und knackigen Sound lassen das Herz eines jeden Polit-Punks höher schlagen. Schwarze Nietenkutte, Dreads, Dauerkarte zu jeder Demo in der Stadt, das Regal voll mit sämtlichen relevanten linken Polit-Bibeln und Napalm Death auf dem Plattenteller – Utilitarian blasen einen ihre Meinung mit nachhaltigem Druck und tiefer Überzeugung in die Fresse. Dabei verbinden sie souverän treibenden Hardcore, nach vor Wut schnaubenden Crust Punk und explosiven Grindcore. Nur Briten verstehen es, alles durcheinander zu spielen und trotzdem auf den Punkt zu kommen. Dieses Verständnis sorgt für ein Maximum an Abwechslung und extrem hohen Adrenalin-Faktor.

Anarcho Punk at it’s best anno 2020

Ob Klimawandel, Schuldenfalle, Konsum, Kapitalismus und der sinnlose Hass im Netz, Utilitarian gehen jedes aktuelle Thema an ohne dabei auf platte Parolen zurück zu greifen. Sie versuchen durchaus, differenziert ihre Gedanken rüber zu bringen. Im Grunde sind die eigenen Kompositionen gut genug, um für sich ein intensives Debütalbum zu markieren, aber die Version von Napalm Deaths ,Instinct Of Survival‘ und die geniale Interpretation von Woody Guthries ,All You Fascists‘ sind der Zuckerguss auf jeden Molotow Cocktail.

Utilitarian stehen für die Wiederbelebung diese Genres. „Fight War, Not Wars. Destroy Power, Not People“ steht zwar fest in der ehrwürdigen Tradition britischer Polit-Punk-Combos, musikalisch aber auf der Höhe der Zeit und mit einer aggressiven Durchschlagskraft, die dem Subgenre des Punks in den letzten Jahren abhanden gekommen ist. Selbstverständlich veröffentlicht das Trio seine Releases in Eigenregie, die ihr auf deren Bandcamp-Seite bestellen und herunterladen könnt.

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MEH SUFF 2019 – Schweizer Extreme-Metal-Festival grandioser Erfolg

Bereits vor vier Jahren berichteten wir erstmals begeistert vom Schweizerischen Meh Suff Festival. Obwohl in Zürich das ganze Jahr über Extreme-Metal-Clubshows und auch eine zweitägige Winter-Ausgabe veranstaltet werden, ist das Sommerfestival für die Macher und die zahlreichen Helfer der Kern und Höhepunkt des Jahres. Obwohl bereits erfolgreich im Metal-Festival-Underground etabliert, war das Outdoor-Festival im Grünen…

Verk Ferever

Ob das ,Hedonistic Pflichtgefühl‘ oder ,Unangeschnallt den Bullen reinfahren‘ – die spitzen Lästereien über Konsum und Zivilisation der Japanischen Kampfhörspiele gehen in die nächste Runde. Schließlich liefern wir unermüdlich Tag ein Tag aus eine Menge Zündstoff, über den man sich lustig machen kann. „Verk Ferever“ (Bastardized Recordings) ist die Essenz dieser ätzenden Lästerei.

Dankend nehmen die Extrem-Kabarettisten von den JaKas unsere Vorlagen an und verhunzen diese mit dem ihnen ureigenen Extreme Metal garniert, mit Grindcore-Einlagen, jazzigen Tüts, Breakcore, Industrial oder Deathcore mit Low-Rider-Percussion. Bei all dem ganzen ausufernden Gekreuze und Gegengekreuze geben sich Christoph Kather und Co. keine Blöße. Gekonnt und auch nach so vielen Jahren immer noch erfrischend anders kommen die JaKas rüber. Dazu gesellen sich noch die gewohnt wilden Breaks. Und die slayerischen Solos. Unter den 15 Songs – inklusive eines eigenwillig experimentellen Bonus-Tracks – ist für jeden Geschmack eine launische Ohrfeige dabei. Zu keinem Zeitpunkt während der 33 Minuten kommt Langeweile auf. Jede Sekunde ist mit frickeligem Leben gefüllt. „Verk Ferever“ ist der vertonte Nervenzusammenbruch, den wir uns wahrlich verdient haben. Besonders tut sich dabei der Titeltrack hervor, der über neun Minuten lang tempolos dahin walzt, um einem mit freejazzigen Bläsereinsätzen den endgültigen Knock-out zu verpassen.

Das elfte Album der Japanischen Kampfhörspiele macht mal wieder so richtig Spaß, regt zur Selbstreflexion an und prügelt einem ein Schmunzeln in die Fresse. Mission erfüllt, meine Herren.

https://www.japanischekampfhoerspiele.de/

https://japanischekampfhorspiele.bandcamp.com/

http://www.bastardizedrecordings.de/

STRIGOI – Vallenfyre reloaded?

STRIGOI ersetzt VALLENFYRE Greg Mackintosh, üblicherweise Gitarrist von Paradise Lost, hatte die vielbeachtete Vallenfyre als Zweitband. In dieser Death/Grind-Combo, die die Extreme der Interpretation von „Crust“ bis zum Anschlag hin ausgereizt hat, hat er über Jahre hinweg den Tod seines Vaters verarbeitet. Nun sind Vallenfyre Geschichte, auf eine Zweitband möcht Mackintosh jedoch nicht verzichten. In…

BADEN IN BLUT FESTIVAL – Endspurt für den Vorverkauf!

Nur noch zwei Wochen, dann steigt das beste Metal-Open-Air im Südwesten: Das Baden in Blut in Weil am Rhein. Dieses Jahr gibt es mit einer Warm-Up-Show am Freitag erstmals ein zweitägiges Blutbad im französisch-schweizerisch-deutschen Dreiländereck. Zudem als Neuerung in diesem Jahr: Wer nach zig Live-Bands noch nicht genug im Blut gebadet hat, kann nach dem…

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – Neues Album kommt im August

Japanische Kampfhörspiele haben „Keinen Bock mehr“. Aber seht selber. Und das bis in den August hinein, denn dann wird das neue Album „Verk Ferever“ auf Bastardized Recordings erscheinen. Hier noch Text und Statement zugleich (JaKa eben): Keinen Bock mehr auf komplexe Gedankengänge,nachzudenken über die Zusammenhänge,weder über das große Ganze noch über die Details,warum was wie…

Extreme-Metal-Festival MEH SUFF mit Vorverkaufsrekord – AMORPHIS, AT THE GATES, WATAIN u.a.

Dank dem bereits sehr attraktiven Line-Up, das noch lange nicht vollständig ist, ist dem Schweizer Extreme-Metal-Festival ein Vorverkaufsrekord gelungen. Sprich: Die Tickets gehen weg wie Schweizer Semmeli. Das äusserst sympathische Festival, von dem wir für euch 2015 schon einmal berichteten, findet am ersten Septemberwochenende in Hüttikon statt. Der kleine Ort liegt zwischen der Stadt Zürich…

BADEN IN BLUT FESTIVAL erstmals zweitägig – WINTERSUN, SODOM und ABORTED Headliner

Das südbadische Metal-Sommerfestival Baden in Blut hat kürzlich sein Lineup komplettiert. Dieses Jahr gibt es mit einer Warm-Up-Show am Freitag erstmals ein zweitägiges Blutbad im französisch-schweizerisch-deutschen Dreiländereck. Wer noch nie beim wohl symbadischsten Metalfest südlich des Main war, sollte sich in unserem Bericht vom letzten Jahr oder im unten eingebetteten Festivalvideo Appetit holen. Er wird…

The Infinite Mirror of Millennial Narcissism

Mick Kenney + Shane Embury = 16 Minuten Grindcore. Dieser Gleichung gibt es eigentlich nichts hinzufügen. Vielleicht ist kurz die ungestüm bombastische Herangehensweise von Born To Murder The World zu erwähnen, die einen schon etwas Angst einflößen kann.

Die zehn Songs ballern einem sämtliche unnützen Gedanken zwischen den Ohren ins Nirvana, wobei einem die beiden kurzen Intros keine Atempausen verschaffen. Dazu kommt noch eine gnadenlos unmenschliche Industrial-Kante, die einem in Verbindung mit den tödlichen Breaks und dem blanken Entsetzen beim Wiedereinsetzung des Lärms den Rest gibt. Inhaltlich sezieren die beiden alten Weggefährten den Überbau unserer Zivilisation, wobei sie in der Kürze der Zeit nicht tiefgreifend analysieren können, sondern Gedanken anstoßen, die es durchaus Wert sind, weitergedacht zu werden. Interessant ist noch zu wissen, dass „The Infinite Mirror of Millennial Narcissism“ auf den neuen Label von Mr. Embury Extrinsic Recordings veröffentlicht wurde. Das wiederum lässt tief blicken in Verbindung mit dem Bandmanen Born To Murder The World und dem mehr als schwerverdaulichen Albumtitel. Der äußere Zwang sich mit den Gedanken die unsere Welt beherrschen auseinanderzusetzen, scheint groß zu sein.

Trotzdem ist dieses Erstlingswerk kein Highlight, eher eine Fingerübung, in der Historie Emburys (Napalm Death) und Kenneys (Anaal Nathrakh). Diese kurze, aber extreme Erfahrung verkürzt die Wartezeiten zwischen den Releases der Hauptbands der beiden Herren auf adäquate Art und Weise. Nicht mehr und nicht weniger.

https://borntomurdertheworld.bandcamp.com/