Schlagwort: Grindcore

CATTLE DECAPITATION headlinen die europäische ‚Hell On Earth‘ Tour

Die neueste Ausgabe der „Hell On Earth“-Tour bringt die vermutlich bislang derbste Bandzusammenstellung in der Geschichte der Knüppelreise – mit Cattle Decapitation, den US-Death-Urgesteinen Broken Hope, den Italienern Hideous Divinity und den Grindcore-Newcomern Gloryhole Guillotine gibt es jede Menge feinen Stoff für alle Extrem-Metaller. Cattle Decapitations Sänger Travis Ryan: „Wir freuen uns darauf, nach Europa…

A Dirty Mind Is A Joy Forever

Um Tod, Splatter und die dunklen Seiten des Lebens geht es im Todesmetal mehr als genug, um das Üble am und im Menschen. Und dann gibt es Sleaze-Bands wie Steel Panther, die sich mit eindeutig zweideutigen Texten musikalisch der schönsten Nebensache der Welt widmen. Die Schnittmenge dieser beiden musikalischen Richtungen gibt es ebenfalls und nennt sich dann Pornogrind. Dead, die mit „A Dirty Mind Is A Joy Forever“ ihr viertes Studio-Album (neben etlichen EP’s, Live- und Split-Singles) vorlegen, gelten als eine Art Wegbereiter für diese satirisch-überzeichnete Spielart des Grindcore. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, wer aber derbes Geknüppel genauso wie derben schwarzen Humor mag und vielleicht noch ein bisschen punkig angehaucht ist, dem dürfte Dead zwischen heftigem Gemoshe und Gerumpel möglicherweise den einen oder anderen fetten Grinser entlocken.

Musikalisch stark von Carcass und Pungent Stench geprägt, wird ausgiebig dem Sex in diversen Spielarten, dem Alkohol und den eigenen Ausscheidungen gefrönt. Und natürlich dem unterirdisch-geilen Gerumpel von Gitarre, Bass, Schlagzeug und künstlich verfremdeter Stimmbänder. Dabei tragen die Songs so illustre Namen wie ‚Snakey Brown‘, ‚Risking the Beer-MILF‘ oder ‚JSTNTHRFCKNGHNGVR‘. Wer das nicht witzig oder gar geschmacklos (das ist es!) findet, der ist hier fehl am Platz. Die Texte sind zum Schlapplachen (gut, man muß mitlesen, verstehen kann man das Gegrunze kaum) und die Illustrationen aus Erotikfilmen der 70er und dem fränkischen Schweinestall der Nürnberger ebenfalls schmierig-schlecht. Die Mucke zwischen Grindcore und Death-Metal geht richtig gut ab und die Produktion ist ebenfalls echter Underground. Also: Hirn und Gewissen ausschalten, Bier her, Kleider runter und los geht der Spaß.

Misanthropy

Am späten Nachmittag unserer Zivilisation, an dem die Sonne bereits beginnt, unterzugehen, finden sich vier Holländer von Teethgrinder zusammen, um der Endzeit mit „Misanthropy“ (Lifeforce Records) den gebührenden Sound zu verpassen. Zwölf überheftige Lebewohls an den Haufen Müll, den wir Gesellschaft nennen, lassen die Grinder von der Kette. Wie Berserker gehen sie dabei zu Werke…

Apex Predator – Easy Meat

Ein Album mit vierzehn Titeln, das im MP3-Format knappe fünfzig Megabyte umfasst, ist entweder nach allen Regeln der Kunst totkomprimiert, sodass das Hören statt Emotionen maximal Ohrenkrebs hervorruft oder von Napalm Death.

Jener Band, die mit ihrem 1,38 Sekunden langen Titel ‚You Suffer‘ bewies, wie effizient man dem Publikum tatsächlich die Gesichtszüge verbeulen kann. Auch wenn der durchschnittliche Napalm Death-Song durchaus länger währt, ist die Effizienz doch der geheime Steckenpferd der sonst eher anarchistischen britischen Oldschool-Grindcorer – keine Note ist nutzlos, jedes Riff sitzt und die Lieder sind genau so lang, wie sie sein müssen, um die Aussage zu transportieren. Nun könnte man meinen, dass die Aussage folgerichtig nicht besonders umfangreich sein kann, bei einer durchschnittlichen Songdauer von knappen zwei Minuten. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, Napalm Death zeigen lediglich, wie viel unnütze Ästhetik manch anderer Interpret in seiner Musik akkumuliert, ohne am Schluss irgendetwas von Belang gesagt zu haben. Und bekanntermaßen ist Ästhetik ja subjektiv.

So subjektiv, dass dem Kenner die besondere Ästhetik des neuen Napalm Death Albums schon von Anfang an auffallen wird.

‚Some of The Sounds that Napalm Death uses are deliberately designed to annoy people, no question!‘

, sagt Sänger Barney. Und genau diese Belästigung ist es, die Freunde des extremen Metals so mögen und die auch dieses Album dominiert. Auch wenn in Nuancen sicherlich die beabsichtigten Einflüsse von Public Image Ltd, Killing Joke oder Swans wahrnehmbar sind, ist es der effiziente Krach, der dem Napalm Death-Hörer die Endorphine um die Ohren schießen lässt.

Parallel dazu lässt schon der Titel ‚Apex Predator – Easy Meat‘ den Biologen oder aber wikipedia-affinen Metaller schmunzeln. Der Spitzenprädator zeichnet sich in der Nahrungskette dadurch aus, dass er ganz am Ende steht, also dort, wo er selber alles, aber nichts ihn fressen wird. Easy Meat halt.

Was auf den ersten Blick ironisch erscheinen mag, ist genauer betrachtet wohl doch eher von Zynismus geprägt. Der Apex Predator an der Spitze der Nahrungskette symbolisiert die entwickelten westlichen Länder, die für ihr ‚Easy Meat‘, sprich billige Importwaren, Kleidung aus Bangladesch oder ähnliches, prekäre Arbeitsverhältnisse in den untergeordneten Entwicklungsländern in Kauf nehmen, gleichzeitig aber auf heuchlerische Weise den gesellschaftlichen Konsens vertreten, dass die Sklaverei, die zum Beispiel in Textilfabriken in Bangladesch vorherrscht, schon lange der Vergangenheit angehöre. So jedenfalls sieht Barney die Situation, weshalb sich der lyrische rote Faden durch diese Thematik zieht und rund um das Thema Sklaverei im modernen Kapitalismus diverse soziale Mißstände anprangert.

‚Apex Predator – Easy Meat‘ ist ein wunderbar gelungenes Album, dass nicht nur mit dem für Napalm Death so elementaren Krach aufwarten, sondern mit ‚Hierarchies‘ tatsächlich auch einen fast hymnischen Eindruck vermittelt – und wenn Barney sich darüber Gedanken macht, dass man ihn nebst seiner Band irgendwann als alte Säcke abstempeln könnte, so sei ihm versichert, dass es bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch einiger Napalm Death-Alben bedarf.

NAPALM DEATH – Infos und Stream vom neuen Album

Die Grindcore-Legenden von Napalm Death veröffentlichen in zwei Wochen ihr neues, sechzehntes Studioalbum „Apex Predator – Easy Meat“ via Century Media Records. Neben dem derben Album-Cover des Dänen Frode Sylthe (wer findet den Finger?) haben wir natürlich auch die Trackliste für Euch. Außerdem streamen die Kollegen vom Metal Hammer einen der Songs vom neuen Album…

Surgical Remission/Surplus Steel

Was soll man hierzu sagen? Es scheint tatsächlich eher wie ein Spaßprojekt der Herren Steer, Walker, Ash und Wilding. Nicht, dass es qualitativ schlechter wäre – aber dafür, dass Album und EP fast auf den selben Namen hören, ist die Stildifferenz schon sehr ausgeprägt. Wie meinen?

Nun ja, ‚Surgical Steel‘ hieß das letzte Album der Südwest-Britischen mittlerweile Death/Thrash-Kombo – und wie sich das für eine ‚mittlerweile Death-Thrash-Kombo‘ gehört, klang das erste Album nach einigen Jahren sehr death/thrashig. Vastehste?

Problem – oder, weniger Problem als vielmehr verwirrend ist, dass die kurz darauf folgende EP ‚Surgical Remission/Surplus Steel‘ schon wieder eine neue Richtung einschlägt. Wie gesagt, keineswegs minderwertiger, viel mehr überraschend, wandern die fünf Lieder der EP eher in die melodische, teilweise Hard-Rock-Ecke, als dort zu verweilen, wo der kommode Fan seine Lieblings-Band Carcass nach Überbrückung der langen Schaffenspause letztendlich einzuordnen wusste.

Allerdings, dem open-minded Hau-Druff-Musik-Fan wird diese EP so oder so imponieren und selbst die hartgesottenen Trve-Polizisten werden spätestens beim vorletzten Track ‚Lifestock Marketplace‘ das Fuß-Zuck-Syndrom bekommen, welches sich schon im Laufe der ersten paar Takte zu einer Art Stockholm-Syndrom entwickelt, sodass selbst die trvesten der Trven in ihrem Inneren gar nicht anders können werden, als diesen Track, mit seinen synkopischen Riffs, dem geilen Solo und dem halb gescreamten, halb geshouteten Refrain zu verehren;

‚Baby, you know that you were born to lose…‘

Carcass jedenfalls haben mit dieser EP lediglich gewonnen. Saugeile Sache, von Anfang bis Ende. Und das ist nicht übertrieben!

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Surgical Steel

Kaum eine Untergrundszene war in der zweiten Hälfte der 80er Jahre so lebendig und innovativ wie die auf der Insel, die nur dann zu Europa gehören möchte, wenn es für sie von Vorteil ist. Was hat allein Napalm Death für einen Stammbaum: Carcass, Cathedral, Godflesh, Ripcord, Scorn, Uunseen Terror und viele mehr zählen zu den…

Utilitarian

Über 30 Jahre erklärter „Feind der Musikindustrie“ zu sein, ist ein Grund zu feiern, sollte man meinen. Aber wer die englischen Polit-Grinder Napalm Death kennt, weiß, dass für sie die Welt noch lange nicht in Ordnung ist und es noch viele Denkanstöße zu verteilen gibt. Napalm Death interessieren sich nicht für Lorbeeren oder Preise, für sie zählt nur die Musik – in Verbindung mit einer Aussage.
Utilitarismus ist die Lehre, Handlungen nach dem Nützlichkeitsprinzip zu bewerten. Ziel des Utilitarismus im gesellschaftlichen Kontext ist das größtmögliche Glück für alle, aber auch des Einzelnen. Also, erst Nachdenken und dann Handeln, was besonders für Napalm Death gilt, die mit Scheinmoral und Heuchelei noch nie etwas am Hut hatten.

Selbst ein großer Fan der englischen Lärm-Institution wird überrascht und sprachlos den ersten Durchgang von „Utilitarian“ hinnehmen. Das ist definitiv Napalm Death, aber irgendwie anders. Schon das bombastische Intro wirkt zuerst befremdlich, doch dann gibt es gewohntes Geknüppel, in welchem sich Barney und Gitarrist Mitch herrliche Wortduelle liefern Barney wirkt vielseitiger als sonst, er brüllt nicht nur guttural, sondern bringt auch tiefe Growls und Hardcore-mäßigen Sprechgesang ein. Selbst Shane Embury mischt sich in den mächtigen Wortschwall ein.

Grindcore allein ist nicht genug!

Wild wird es mit dem psychotischen „Everyday Pox“, in dem, wie schon bei Painkiller, John Zorn ganz zufällig Noten aneinanderreiht, die nicht zu passen scheinen. Neben dem Napalm Death-typischen Grindcore schafft sich die Band mit ungewohnten Einflüssen wie Noiserock, orchestralen Chören, Keyboards (zur Hölle damit!), Hardcore-(Cryptic Slaughter-mäßigen) und Industrial-(Fear Factory.mäßigen)Vocals und bombastischen Intros ein neues Gesicht. Das ist kein Facelift! Sondern Reife, Souveränität und noch mehr Wut, die die bekannte Visage inzwischen ausstrahlt. Kein Thema ist dem lauten Quartett zu heiß, keine Meinung zu unbequem, so lange sie ehrlich ist und dem Ziel dient, Aufmerksamkeit für das Thema zu schüren, welches ihnen unter den Nägeln brennt. 

Napalm Death spielen in ihrer eigenen Liga, die nicht durch die profitgeile Industrie und kriminelle Zocker korrumpiert wurde und auch nicht wird. Trotz der vielen Nebenprojekte ist die altehrwürdige Combo so perfekt aufeinander eingespielt, dass trotz aller Ideen und Egos immer wieder eindeutige Napalm Death-Songs zum Vorschein kommen. Nur mit „Utilitarian“ sind sie so sehr an die Grenzen ihrer Identität gegangen, wie noch nie. Napalm Death bleiben Napalm Death bleiben einfach Napalm Death.

Homepage von Napalm Death

Homepage von Century Media

Luxusvernichtung

Auf dem Weg zur großen Freiheit ist die Gründung des eigenen Labels ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das sahen die Grinder der Japanische Kampfhörspiele ebenso und riefen Unundeux ins Leben. Inzwischen liegt die 01 und die 02 vor: Die 01 ist die eigene neue Kreation und die 02 die neue Scheibe der Hamburger Eisenvater.

Die drei mageren Songs auf der Spilt mit Eisenvater ließen Böses erahnen. Haben die Japanische Kampfhörspiele den Biss verloren? Kein bißchen! Satte 54 mal belehren uns JaKa eines Besseren: Grindcore ist der Herr im Land! 54 Musikfetzen und Textfragmente ergeben Grindcore-Spaß allererster Güte. Ganze ZWEI Songs sind länger als eine Minute. Scheiß Balladen! Die restlichen Songs liegen meist unter 30 Sekunden. Auf den Punkt produziert, heißt nur die wirklich nötigsten Regler angefasst, rattern die Songs wie einen Maschinengewehr los. Inhaltlich fassen sich JaKa ebenso kurz. Ein Beispiel: ,al quaida droht mit anschlag – oma hilde betreut auch ganztag’. Der Hit ist ganz klar ,Freitag’ mit diesem genialen Text: endlich freitag – endlich comedy – endlich lachen – nichts mehr machen – kopf bleibt aus – auch zuhaus! Fertig! Aus! Grandios! Noch genialer: Zum Abschluss gibt es eine musikalische Zusammenfassung der Songs ohne Worte.

Manchmal reichen einfach 19 Minuten, um aus dem Häuschen zu sein. Die letzte Scheibe von Maiden ist mit ihren über 70 Minuten stinklangweilig. Und noch mal das Ganze! Endlosschleife!

http://www.japanischekampfhoerspiele.de

http://unundeux.de/

Heirat aus Hass/Scheidung aus Spass

Welch ein Lärm bricht mit Poostew aus den Lautsprechern, Grindcore der ganz heftigen Sorte. Ohne Platz zum Atmen zu lassen, rasen sie durch die vier Lieder der Split-MCD namens „Heirat aus Hass/Scheidung aus Spass“ mit den Japanische Kampfhörspielen. In sechs Minuten sind Poostew fertig, womit sie fast 60 Prozent des Songmaterials für sich einnehmen. Poostew gehen wie die Kollegen technisch versiert zur Sache, lassen aber die Originalität ein wenig außer Acht. Nicht so schlimm, wäre da nicht der nervtötende Snare-Sound, der sich wie der Boden eines 20-Liter-Farbeimers anhört. Zum Glück fällt das bei dem Geprügel nicht so auf. Trotzdem sind Poostew nicht der Gewinner dieser Split-Veröffentlichung, sind aber wegen der Abwechslung unabdingbar.

In den acht Jahren des Bestehens der Japanische Kampfhörspiele sind aus den zwei Lärmfetischisten Christof und Klaus eine sechsköpfige Familie geworden. Immer wieder begeistern JaKa mit technischem als auch eingängigem Lärm. Ihre Songs sind kurz und prägnant und bleiben ausnahmslos im Gehör hängen. Wild drauf los prügeln ist nicht die Sache JaKas, sondern originelle Ideen in ihre Musik einzubauen, um ja nicht ein Teil der Masse zu sein ist ihr Ding. Auf der einen Seite möchte man sofort alles in Schutt und Asche legen, doch dann würde man die vielen kleinen Dinge, die JaKa ausmachen, nicht mitkriegen. Also den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen und konzentriert lauschen. Der wieder mal absolut großartige Sound erlaubt dies ohne weiteres. Nur so entfalten die Kompositionen ihr facettenreiches Licht.

http://www.japanischekampfhoerspiele.de

http://www.silentstagnationrecords.com/