Schlagwort: Indierock

GEBHARDT – Geb Heart

Geb Heart (Apollon Records), das Soloalbum des ehemaligen Motorpsycho Drummers Håkon Gebhardt, hat durchaus ein paar Überraschungen auf Lager. Bei Motorpsycho denken wir natürlich an heavy psychedelic Rock, daher die erste Überraschung gleich beim instrumentalen Opener ‚March Of The Tortoise‘: Sofort sind die Bilder im Kopfkino aktiv. Da ist sie tatsächlich, die Schildkröte, die mit…

NOISEHAUSEN FESTIVAL – Feiert seinen Geburtstag

Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause kehrt das Noisehausen Festival in die bayerische Festivallandschaft zurück. Und wie: Ausgedehnt auf zwei Tage, mit einem Headlinerpaket der Extraklasse, aber auch einem Line Up, welches das Publikum bis zum letzten Nachwuchskünstler in Freudentaumel versetzt. Als Location hat sich der Umzug 2019 in das Bauer-Rondell bewährt, und so steigt das…

PABST – Dritte Single zum dritten Album ist da

Die Berliner Indie-Rocker Pabst veröffentlichen im Spätsommer ihr drittes Album „Crushed By The Weight Of The World“. Mit „No Future? No Thanks!“ erscheint daraus nun die bereits dritte Single des Trios um Frontmann Erik Heise. Live haben die Jungs bereits Kollegen wie Drangsal oder die Leoniden supportet und schon weit über 100 Gigs gespielt. In…

NEUFUNDLAND – Corona-Auszeit beendet

Neufundland liegt -zumindest musikalisch gesehen- nicht in Kanada, sondern in Köln. Dort leben und musizieren die Indie-Rocker rund um Frontmann Fabian Langer seit fast zehn Jahren gemeinsam. Mit Pandemiebeginn haben die Jungs sich aber komplett aus dem Spiel genommen und seit mehr als zwei Jahren gab es nichts mehr von ihnen zu hören. Nun sind…

JUPITER JONES – Erstes Club-Konzert nach der Reunion

Das Gleis 22 in Münster wurde viele Jahre in Folge zum besten Club Deutschlands gekürt, und nun will dessen Team nach der langen Pause wieder an alte Erfolge anknüpfen. Heute steht dafür eine besondere Attraktion auf dem Programm: Die wiedervereinigten Jupiter Jones spielen ihre allererste Hallen-Show seit ihrer Auflösung 2018. Zwar ist die Truppe zum…

Typhoons

„Disco Disco good good“ ist ein Running Gag aus dem Film „Leg dich nicht mit Zohan an“ mit Adam Sandler. Was dies mit Royal Blood zu tun hat? Beim Hören ihrer neuen Scheibe „Typhoons“ (Black Mammoth) könnten glatt Gedanken aufkommen, dass die Band den Film zu oft gesehen und den Slogan zu ernst genommen hat.

Aber einmal von vorne: Wo soll es mit einer Band hingehen, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt im Jahr 2014 gleich auf Platz 1 der britischen Charts schoss und über die der über alles erhabene Dave Grohl sagte, es sei seine neue Lieblingsband? Der 2017er Nachfolger „How Did We Get So Dark?“ knüpfte nahtlos daran an und auch in Deutschland kam spätestens jetzt ein kleiner Hype auf. Allerdings stellte sich gleichzeitig die Frage, wie der weitere musikalische Weg aussehen könnte. Denn das Duo besteht nur aus Schlagzeuger Ben Thatcher und Bassist Mike Kerr, der seinen Bass durch sämtliche Effektgeräte jagt, um eine Gitarre zu imitieren und gleichzeitig durch Loops verschiedene Soundspuren erzeugt. Eine musikalische Limitierung ist dadurch vorbestimmt.

Die Antwort auf diese Problematik bietet „Typhoons“, auf der der Slogan aus besagtem Film zum Tragen kommt. Denn Royal Blood haben ihren Alternative-Rock mal eben mit Daft Punk kombiniert und damit endgültig discotauglich gemacht. Elektroeinflüsse und Synthesizer werden zu einem gleichwertigen neuen Element. Ob das den Gitarren Freund*innnen gefällt oder nicht, ist den Engländern egal. Songs wie „Limbo“, „Typhoons“, „Trouble’s Coming“ oder der von Queens-of-the-Stone-Age-Mastermind Josh Homme produzierte Überhit „Boilermaker“ zerren jeden unweigerlich auf die Tanzfläche, sobald die Discos wieder öffnen dürfen. Allerdings, und das ist jetzt der Nachteil, trägt die Idee nicht über die kompletten elf Tracks. Vor allem hinten raus wirkt es so, als würde zwanghaft auf das neue Konzept gepocht werden, ohne auf die eigentliche Songidee zu achten.

Royal Blood haben es auf „Typhoons“ erfolgreich geschafft ihre Musik in eine Richtung weiterzuentwickeln, mit der vorher nicht zu rechnen war. Ob der Ausflug in die Discowelt nur ein „Disco Break“ wie in „Leg dich nicht mit Zohan an“ ist oder in die Zukunft weißt, wird spannend zu beobachten sein. Die Auflösung von Daft Punk hat jedenfalls eine noch zu besetzende Lücke hinterlassen….

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The Seed, The Vessel, The Roots And All

Es ist die Ironie dieser Zeit: New Pagans haben im vergangenen Jahr den Northern Ireland Music Prize als bester Live-Act entgegengenommen. Und können nun, da sie ihr Debütalbum veröffentlichen, nicht live spielen. Man darf aber zuversichtlich sein, dass eine Tour angesetzt wird, sobald dies möglich sein wird. Denn Frontfrau Lyndsey McDougall hat einen langen Atem. Schon als Kunststudentin wollte sie Anfang des Jahrtausends in einer Band singen. Damals hat sie nicht die richtigen Mitstreiter*innen gefunden. Und so hat es gut ein Jahrzehnt gedauert, bis sie die New Pagans zusammenbrachte.

Deren Erstling also, „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ (Big Scary Monsters), gibt zunächst einmal eine gute musikalische Kulisse ab. Von dem Album geht ein angenehm positiver Kick aus. Die weiblichen Vocals sind expressiv, die Riffs mitunter hypnotisch. McDougall benennt ihre Einflüsse mit 90er-Jahre-Held*innen wie den Pixies oder The Smashing Pumpkins. Die Songs der Band erinnern aber vor allem an den Britrock besagter Dekade. Bands wie Sleeper krauchen da aus längst archivierten Erinnerungsschichten hervor.

In dieser Hinsicht holt „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ also durchaus eine mittelalte Hörerschaft ab. New Pagans legen aber auch großen Wert auf ihre Botschaften. Und da wird es speziell. Die elf Songs bestehen aus einer eher heiklen Kombination von netten Melodien, aufbäumender Dynamik, skeptischer Zurückweisung und unbedingtem Empowerment. Das, worüber gesungen wird, erinnert stark an Teenagerleiden. Aber diesem Alter sind die fünf Musiker*innen schon längst entwachsen. Ihr Einstehen für feministische Themen in allen Ehren, in den Lyrics jedoch beschäftigen sie sich vor allem mit sich selbst. Im Ergebnis haben wir es mit verkopften, leicht paranoiden, oft entrückten und manchmal einfach unverständlichen Texten zu tun. Als Hörer*in muss man sich dem schon sehr nahe fühlen, um sich da wirklich reinzuknien.

Im Endeffekt wendet sich „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ an eine ziemlich eng gefasste Zielgruppe. McDougall arbeitet viel mit Abgrenzung – bis zu einem Grad, den man eigentlich nur Teenagern verzeihen würde. Zeilen wir „Christian boys are the worst I know“ mögen im archaisch geprägten, katholischen Nordirland ihre Berechtigung haben. Einer Frau Mitte Dreißig mit derart emanzipatorischen und inklusiven Ansprüchen sollte man heutzutage aber schon zutrauen können, ein paar Schritte weiter zu sein.

Wer sich auf diese Rhetorik einlassen kann, wird sich sehr wahrscheinlich als Teil eines ausgewählten Kreises fühlen. Menschen, die anhaltend damit kämpfen, ihren Platz im Leben zu finden, sich meist unverstanden und eigentlich nur im engsten Kreis ihrer Peergroup aufgehoben fühlen, finden in New Pagans sicher ein paar gute Freunde mehr.

 

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Fleet Union

KAPELLE PETRA – Erste von vier Jahreszeiten-EPs erscheint am 19. März

Fast wie Vivaldi: Angelehnt an den italienischen Komponisten veröffentlicht die deutschsprachige Indie-Rock-Band Kapelle Petra aus Hamm in Westfalen in diesem Jahr insgesamt vier EPs, welche unter dem Thema „Die Vier Jahreszeiten” zusammengefasst werden. Ein Konzept, das sich musikalisch, inhaltlich und auch hinsichtlich der Veröffentlichungs-Zyklen im weitesten Sinne mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter befasst. Jeweils…

CITIZEN – Post-Punker mit neuem Song und neuer Platte

Die aus dem amerikanischen Toldeo stammende Post-Punk-Band Citizen hat für den 26. März 2021 ein neues Studioalbum namens „Life in Your Glass World“ angekündigt. Als ersten Appetithappen hat die Gruppe, die nach dem Austritt von Gitarrist Ryland Oehlers nur noch als Trio fungiert, das Lied „I Want to Kill Your“ veröffentlicht. Dieses ist musikalisch deutlich…

GO GO BERLIN – Alternativ-Rocker mit Single und EP

Unter dem Titel „Lyfe“ werden Go Go Berlin am 13.11.2020 eine neue EP herausbringen. Den ersten Track daraus haben die dänischen Alternative-Rocker mit „I Never Meant To“ nun herausgebracht. Das dazugehörige Video ist von der Corona-Pandemie beeinflusst. Während es derzeit viele Livestreams gibt, wollte die Band ganz bewusst ein hochklassiges und aufwendiges Performance-Video produzieren. Mit…