Schlagwort: Indierock

Kennt Ihr schon… YOUTH OKAY?

Es kostet einiges an Kraft, Ausdauer und vor allen Dingen Mut, die alte Band aufzulösen und mit der frisch gegründeten Band einen kompletten Neustart hinzulegen – trotz erster Aufnahmen für ein Album. Ganz besonders wenn man es mit der alten Band bei über 300 Konzerten zu einer ordentlichen Fanbase gebracht hat. Wir haben bei Youth…

VON DISCO UND PAVIANEN – Christinas Highlights 2019

Bevor ich mich unter dem Tannenbaum mit Plätzchen und Lebkuchen mäste um anschließend dem Jahr 2020 entgegenzurollen, haue ich noch schnell meine Highlights aus 2019 raus. Es wird teils skurril, teils kitschig, und ein bisschen verdientes Eigenlob ist auch dabei – so viel sei verraten. Platz 5: Royal Republic, „Club Majesty“ „I’m a fire-fireman and…

Let Me Know When You Give Up

Auch wenn in letzter Zeit Akustik-Alben von ehemaligen Punk- und Hardcore-Sängern wie Pilze aus dem musikalischen Boden sprießen, ist es doch erstaunlich, dass Joey Cape nun schon sein viertes Werk dieser Machart dem Publikum vorstellt. Diesmal ist es zwar keine reine Akustikplatte geworden, sondern vielmehr eine Lagwagon umspinnende Werkschau.

So startet der Titeltrack „Let Me Know Whey You Give Up“ zwar nahezu gänzlich auf Joey Cape‘s Stimme reduziert, dieses außergewöhnlich scharf klingende, herausstechende und prägnante Organ, nur um zwei Minuten später mit E-Gitarren-Unterstützung loszubrettern. Überhaupt sind diese Stilbrüche auf „Let Me Know Whey You Give Up“ zu einer Lieblingsbeschäftigung des Sängers geworden. Ähnlich verhält sich nämlich auch das folgende „I Know How To Run“. Bei „Fighting Atrophy“ hingegen versucht Joey Cape erst gar nicht mehr, Lagwagon aus den Gehörgängen zu verdrängen, der Song würde sich auch auf der nächsten Lagwagon Platte sehr wohl fühlen. Man fragt sich, ob man Joey Cape‘s vierte Platte als Öffnung oder doch eher das Gegenteil davon betrachten soll. Trotzdem füttert der Sänger seine Hörerschaft mit Texten, die aus dem Blickwinkel eines messerscharfen Chronisten geschrieben sind, der unsere Zeit mit dem Skalpell seziert. Also mindestens. Versöhnliche Töne schlägt Joey Cape mit „The Love Of My Life“ an. Sämtliche Regler stehen auf positiv, und das treffsichere Melodiegespür braucht hier keine extra Erwähnung.

„Let Me Know Whey You Give Up“ lässt den Hörer ein wenig zerrissen zurück. Die Öffnung für neue Einflüsse erweitert klar das musikalische Spektrum, kann aber nicht so ganz an den Zauber anknüpfen, den Joey Cape allein mit der Akustikklampfe zu entfalten vermag.

Club Majesty

Wer das Disco Inferno der 70er Jahre qua leicht verspäteter Geburt nicht live miterleben konnte hat nun die Gelegenheit, dem mutmaßlichen Revival beizuwohnen: Royal Republic graben die Glitzer-Jacketts und Disco-Kugeln aus, um auf ihrem neuen Album ‚Club Majesty‘ (Nuclear Blast) den schillernden Rausch einer durchtanzten Nacht exzessiv zu feiern.

Akustisch mutet das Ganze so an, als hätten Franz Ferdinand im Duracell-Häschen-Modus fatalerweise einen Dance Battle mit Howlin‘ Pelle Almqvist von The Hives angezettelt. Klingt abgefahren, ist es auch, aber auf die allerbeste Art und Weise. Royal Republic übertreiben es mit den Anleihen aus Glamrock – The Sweet lassen bei ‚Like A Lover Like You‘ lieb grüßen – und Disco dermaßen, dass es schon wieder cool ist. Und zwar saucool.

Die vier Schweden feiern Boogie Nights und Disco Lights (‚Can’t Fight The Disco‘) und besingen mehr als einmal die erotischen Spannungen zwischen Männlein und Weiblein, so zu hören im frech-frivolen ‚Under Cover‘ oder im 80er-verliebten ‚Anna Leigh‘. Dabei beherrschen sie die Klaviatur des Indierock ebenso meisterlich wie die eingängigen Beats der 70er. Royal Republic kreieren einen schweißtreibenden musikalischen Bastard, der die Hörerschaft nach allen Regeln der Kunst durch die Mangel dreht und am Ende mit Verachtung auskotzt – nur, damit man sich für diese Tour de Force auch noch demütig und beseelt bedankt.

Ausflippen, abgehen, den inneren John Travolta gepflegt von der Leine lassen – dafür ist ‚Club Majesty‘ der perfekte Soundtrack. Anspruchsvolle Gemüter sollten besser einen Bogen um die Scheibe machen, denn Intellektuelles oder Politisches haben Royal Republic nicht auf der Agenda, Hedonismus ist die Direktive. Bis die Glitzer-Jacketts vor lauter Extase in Fetzen am Leib hängen.

https://www.royalrepublic.net/

www.nuclearblast.de

www.starkult.de

KETTCAR veröffentlichen gemeinsamen Song mit Schorsch Kamerun, sookee, Bela B, Felix Brummer u.a.

Erst am Dienstag hatten Kettcar überraschend ihre neue EP ‚Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)‘ angekündigt und die Single ‚Palo Alto‘ veröffentlicht. Nun legt die Hamburger Band unterstützt von zehn (!) GastsängerInnen mit ‚Scheine in den Graben‘ nach. Darin hinterfragen Kettcar gemeinsam mit ihren Gästen den Slogan ‚Tue Gutes und rede darüber‘. Das…

MO LOWDA AND THE HUMBLE – Tourdaten der Indie-Rocker

Dynamischen Alternative- und Indie-Rock bietet das Trio Mo Lowda And The Humble aus der US-Metropole Philadelphia. Das aktuelle Album haben wir euch letztes Jahre bereits im Review nahegelegt, jetzt gibt es endlich die Gelegenheit, die überraschende und groovende Musik der Band live zu erleben. Wir haben die Tourdaten: 19.03.2019   D   Hamburg, Markthalle/Marx 20.03.2019   D   Bonn,…

Fever

„Wenn du jemanden liebst, lass ihn gehen, wenn er zurück kommt ist er dein, wenn nicht, hat er dich nie geliebt.“

Ähnliches trifft auch auf die Entstehungsgeschichte des vierten Albums von Balthazar zu. Die beiden Frontmänner hegten eigene Interessen im Songwriting, worauf eine Bandpause veranlasst und Soloprojekte gestartet wurden. Während Maarten Devoldere mit seiner Lou-Reed-Stimme unter dem Pseudonym Warhaus zwei Platten Richtung minimalistischem Indie-Rock rausbrachte, bewegte sich Jinte Deprez als J. Bernardt auf der souligen R&B-Ebene.

Und so kam es, dass nach drei Jahren der Trennung die erfrischende Einsicht kam, dass  man als alleiniger Frontmann und Taktgeber „der Einzige mit der Verantwortung [ist]. Es ist nicht so einfach, alles alleine zu machen“. Die Energie der neu entdeckten Sounds wollten Devoldere und Deprez nun bündeln – in Fever.

Raus kam ein Mix aus teils Dance-Indie-, teils lässigen R&B-Beats, tollen psychedelischen bis hin zu arabisch angehauchten Geigensoli, Background-Vocals und Rhythmen, wie sie bei Foster The People vorkommen und einer Bandbreite an verschiedenen Stimmungen innerhalb dieser elf Tracks. Mit Wrong Faces, Whatchu Doin’ oder I’m Never Gonna Let You Down folgen sie den Spuren von Chet Faker. Der Titeltrack Fever gleich zu Beginn überrascht auf positive Art mit größtenteils instrumentalen Parts, welche genug Freiraum für die Ideen der einzelnen Instrumente bietet. Zwar ist nicht jeder Song ein Hit – Grapefruit klingt wie eine anstrengende Mischung aus Kylie Minogues Can’t Get You Out Of My Head und Dare von den Gorillaz. Doch macht es am Ende die gesamte Konstellation des Albums wieder wett, sodass die Vermengung der beiden belgischen Kreativköpfe zu einem gelungenen Mix aus R&B und Indie-Rock führt.

BLOOD RED SHOES kündigen neue Tourdaten für den Herbst 2019 an

Nach der restlos ausverkauften Club-Tour Anfang Februar kehren die Blood Red Shoes im Herbst für eine weitere Headliner-Tour nach Deutschland zurück, um ihr gerade erschienenes Album „Get Tragic“ (VÖ: 25.01.2019) live vorzustellen. Vorab wird die Band im Sommer ebenfalls beim Way Back When sowie Deichbrand Festival live zu sehen sein. Blood Red Shoes – live…

KINGSBOROUGH kommen im Herbst auf Tour

Letzten Herbst ist das Album „1544“ des kalifornischen Quintetts Kingsborough erschienen, das wir euch in unserer Rezension schon ans Herz gelegt haben. Auch wenn die Scheibe bei uns leider nur über Import oder als Download verfügbar ist, Kingsborough sind auf jeden Fall eine spannende Band für alle, die abwechslungsreichen und handgemachten Classic-Rock mit starken Vocals…

Creatures

Es ist schon rund ein halbes Jahr her, dass dritte Album der amerikanischen Rockband Mo Lowda And The Humble erschienen ist, aber wir wetten, dass es eine Menge unserer Leser gibt, denen Band und „Creatures“, so der Albumtitel, (noch) nichts sagen. In den USA spielte die Band diesen Sommer auf 10 Festivals und sorgte für ausverkaufte Shows nicht nur in ihrer Heimatstadt.

Das Trio aus der US-Metropole Philadelphia legt mit „Creatures“ ein leider nur eine gute halbe Stunde langes, aber dafür durch die Bank weg spannendes und abwechslungsreiches Album vor, das von dynamischem Alternative- und Indie-Rock dominiert wird. In eine Schublade sperren kann man die Musik der drei kernigen Typen nicht wirklich: Ein wenig retro, aber nicht zu oldschool, immer überraschend und gefühlvoll gespielt ist es, als würden Portugal. The Man gemeinsam mit Go Go Berlin und Led Zeppelin eine streckenweise sehr funkige Jam-Session abhalten und dabei intelligente, überwiegend nachdenklich-melancholische Texte abliefern.

Gitarrist und Sänger Jordan Caiola überzeugt mit seiner prägnanten Stimme und sorgt bei Anspieltipps wie ‚Card Shark‘ oder ‚Shells‘ für viel Atmosphäre. Die beiden titelgebenden Songs ‚Creature I‘ und Creature II‘ bilden dabei kleine und rein instrumentale Ruhepausen, eingespielt ganz allein vom Bassisten und Keyboarder Jeff Lucci, ein wenig anders als der Rest mit den elektronischen Klängen, aber irgendwie auch passend zu diesen „Kreaturen“. Mo Lowda And The Humble liefern ein durchweg spannendes und vor allen Dingen sehr stimmungsvolles Album ab, das geschickt auf dem Grat zwischen anspruchsvollem Indie-Rock und massenkomtatibler, stampfender Unterhaltungsmusik für den nächsten Kneipenabend balanciert. Und das machen die Amerikaner sehr gut.

Aprospos Kneipen- oder Clubabend: Wem „Creatures“ nicht reicht und wer jetzt Mo Lowda And The Humble unbedingt mal live sehen möchte, hat nächstes Jahr die Gelegenheit dazu: Eine Europatour wird derzeit geplant.