Kreator

Outcast (Deluxe Edition)

  • Artist: Kreator
  • Album: Outcast (Deluxe Edition)
  • Label: Noise / Warner
  • Release: 2018-02-23
  • Medium:
  • Bewertung:0

Mit den vorangegangenen Alben „Renewal“ und „Cause For Conflict“ hatten sich Kreator fast alle Sympathien und den Erfolg, den sie sich in den Achtzigern hart erkämpft hatten, verspielt. Schwache Songs und halbgare Trendanbiederungen hatten nicht den erhofften Anschluss an die Mittneunziger-Elite gebracht, sondern die Band zur Randnotiz werden lassen. Umso verwunderlicher, daß Kreator sich mit ihrem achten Studioalbum „Outcast“ nicht nur weiter denn je vom Thrash Metal entfernen, sondern auch ihr bestes Album seit mindestens „Coma Of Souls“ abliefern sollten.

Schon der Opener ‚Leave This World Behind‘ machte deutlich, wo der Hase lief. Geradezu poppig anmutende Grooves, an Mittneunziger Megadeth erinnernde Gitarren, Industrialsamples und eine höchst eingängige, vom Gothic Rock beeinflusste Melodie – gar nicht viel anders als das, was die Kollegen von Paradise Lost im selben Jahr mit dem Meilenstein „One Second“ abliefern sollten. Und vor allem: Mille klang endlich nicht mehr nach NYHC, sondern so angepisst-hysterisch wie früher, was sowohl einen reizvollen Kontrast zur melodischen Komposition als auch ein gutes Stück „altes Kreator-Feeling“ zurückbrachte. Der Knackpunkt ist freilich das Wort „melodisch“: „Outcast“ ist das erste Kreator-Album, bei dem der Gesang und die Melodien im Vordergrund des Songs stehen statt, wie bislang, die Riffs. Auch wenn wie üblich Mille fast alle Songs komponiert hatte, war dennoch auch die Handschrift des jüngsten Neuzugangs im Bandlager klar herauszuhören: dank Ex-Coroner-Gitarrist Tommy Vetterli war auch die Gitarrenarbeit so abwechslungsreich ausgefallen wie selten zuvor. Auch wenn „Outcast“ für Thrash-Fans womöglich noch schwerer zu verdauen ist als die beiden Vorgänger, liefert die Band hier endlich wieder die Qualitätsarbeit ab, die bis „Coma Of Souls“ Trademark der Band war. Egal, ob das auch heute noch regelmäßig gespielte ‚Phobia‘, das getragene ‚Black Sunrise‘ oder das thrashige Schmankerl ‚Against The Rest‘, „Outcast“ kennt nicht einen Ausfall, dafür aber eine ganze Menge Höhepunkte. Nach langem Suchen hatte Mille endlich eine neue Richtung gefunden, in der Kreator sich wohlfühlten und ihre Stärken ausspielen konnten.

Hier gibt’s als Bonusmaterial gleich ne komplette CD mit dem vierzigminütigen Festivalauftritt vom Dynamo 1998. Das ist natürlich schon einmal hochinteressant, weil diese neun Songs (plus zwei Intros) die bislang einzigen offiziellen Liveaufnahmen des Vetterli-Lineups darstellen. Zwar muss man sich den Bass bisweilen eher hinzudenken (vermutlich handelt es sich um einen Soundboard-Mitschnitt), und mit ‚Pleasure To Kill‘ und ‚Extreme Aggression‘ sind nur zwei Achtziger-Klassiker vertreten. Das wird aber mit feisten Versionen von selten gespielten Songs wie ‚Whatever It May Take‘, ‚Terror Zone‘, ‚Lost‘, ‚Renewal‘ und ‚Leave This World Behind‘ ausgeglichen.

So oder so, „Outcast“ ist eines der essenziellsten Kreator-Alben. Mit „Outcast“ begann Mille, die Melodien in den Vordergrund zu stellen, was auch bei der vier Jahre später anstehenden musikalischen Rückkehr ins Thrash-Lager prägend bleiben sollte. Anders ausgedrückt: die modernen Kreator beginnen hier, und die Band sollte ab „Outcast“ nie mehr ein schwaches Album veröffentlichen.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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