Brett Ellis

The Warriors Before Me

Brett Ellis gehört eindeutig zu der Spezies „kauziger Geselle“. Das beginnt schon bei seiner optischen Präsentation irgendwo zwischen Uli Jon Roth, Jack Sparrow und Jack Black und endet bei seiner Mucke. Die ist eigentlich klassicher Power-Trio-Bluesrock aus der Hendrix-Schule, aber, deutlich heavier und, ähem, mit mehr Gitarren. Will sagen, mehr Gitarrensoli. Eigentlich, hauptsächlich lange Jams mit viel Gitarrengegniedel. Und nicht etwa im Sinne von Vai oder Satriani. Ungewöhnliche Harmoniefolgen oder Tonleitern können Ellis nämlich mal kreuzweise. Er spielt einfach nur gerne. Viel und lang. Und laut.

Ein bescheidenes Ego passt da freilich überhaupt nicht ins Bild. Deswegen heißt sein aktuelles Album auch „The Warriors Before Me“ – hier wird nämlich den Künstlern Tribut gezollt, die Ihrer Großartigkeit Brett Ellis den Weg geebnet haben. Diese Großkotzigkeit im Albumtitel kommt aber entschieden augenzwinkernd und somit wieder irgendwo sympathisch daher, anders als zum Beispiel beim selbsternannten Bluesbotschafter Numero Uno. Tatsächlich ist „The Warriors Before Me“ nämlich ein ziemlich cooles Partyscheibchen geworden. Die vertretenen Covers sind mit Ausnahme von ‚Whole Lotta Rosie‘ (AC/DC), ‚Neighbor Neighbor‘ (ZZ Top), ‚Road Fever‘ (Foghat) und ‚Supernaut‘ (Black Sabbath) allesamt eher im obskuren Bereich angesiedelt. Klar, Bands und Musiker wie Robin Trower, Gary Moore, UFO, Van Halen und Scorpions kennt jeder, aber außer harten Fans kann vermutlich kaum jemand Titel wie ‚Bad News‘, ‚Living And Dying‘ und ‚Outta Love Again‘ spontan und ohne Blick in die Plattensammlung ihren Originalinterpreten zuordnen.

Ellis schafft es dabei erfreulicherweise, von WahWah-getriebenem Heavy-Blues zu authentischem Neoklassik-Geschredde zu wechseln, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Man könnte nun argumentieren, daß das volle Entertainment-Potenzial von Ellis und Band live mit Sicherheit nochmal ein gutes Stück besser zur Geltung kommt als auf der ehrlich zugegeben nur mitteltoll produzierten Studioscheibe, aber Spaß transportiert „The Warriors Before Me“ dennoch nicht zu knapp. Und den Originalen wird auf überzeugende, enthusiastisch-ekstatische Weise Tribut gezollt. Klar, man sollte zum Genuß der Scheibe keine Allergie gegen ausgedehnte Gitarrenorgien haben und offen gesagt auch keine großartigen musikalischen Offenbarungen erwarten, aber als rotzig-deftiger Soundtrack für die nächste Ü50-Party mit Hang zur moralischen Entgleisung ist „The Warriors Before Me“ schwer zu schlagen.

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SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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