COOGANS BLUFF – Im Cadillac zu den Sternen

Musik außerhalb jeder Genreschublade in der gemütlichen Atmosphäre eines ausverkauften Clubs. Tanzende Fans und jeden Mege gute Laune zu Saxophon- und Trompeten-Sounds und funkig-fuzzigen Gitarren. Klingt nach einem tollen Abend? War es auch. Wir haben die Details in unserem Konzertbericht zu Coogans Bluff.

Coogans Bluff Oldenburg Konzert Live Musik Konzertfotografie 2020

Bei der Vielzahl von Stilen, welche Coogans Bluff bedienen, müsste das Publikum zahlreich und bunt gemischt sein, das am Valentinstag 2020 nach Oldenburg zum Konzert der Stoner-Rocker gekommen ist. Ist es auch. Der Club meldet „Ausverkauft“. Die Band bedient Progressive Rock, Funk, Fusion, Blues, Soul, Stoner, Psychedelic und Krautrock in einem ebenso wilden wie genialen Stilmix.

Das „Zentrum für Jugendkultur“ Cadillac ist gefüllt mit Rockern, Hipstern, Metalheads, aber auch sehr vielen „normalen“ Konzertgängern jeglichen Alters. Pünktlich um kurz nach halb neun geht es los mit dem Opener. Auf den letzten Terminen der Tour waren die Berliner Kollegen von Brother Grimm als Anheizer mit dabei, was gut passt, das Coogans-Bluff-Schlagzeuger Charlie Paschen auch bei Brother Grimm die Trommelstöcke in den Händen hat. Für das Oldenburger Konzert stehen jedoch Gran Duca aus Detmold auf dem Programm. Das 2013 gegründete Quartett nennt sein Genre Mud Rock und spielt eine elektrisierende Mischung aus Classic Rock, Stoner und leicht bluesig angehauchtem Hardrock und macht damit für 45 Minuten durchaus Laune. Die Aufforderungen der Band an das Publikum, „Dick Pics“ zu machen und Nacktfotos der Musiker zu kaufen, sorgen für einigen Spaß, der Frontmann übt sich im Posen, aber auch musikalisch können die Jungs überzeugen. So vergeht die Spielzeit wie im Flug, und Gran Duca dürfen sogar noch eine Zugabe spielen, bevor eine rund halbstündige Umbaupause für den Headliner folgt.

Um 21.50 Uhr ist es endlich soweit: Coogans Bluff starten das heutigen Konzert ihrer „Metronopolis Tour“. Passend zum neuen Album bildet das in oranges Licht getauchte Metronom des Plattencovers auch als Vorhang den Bühnenhintergrund. Auf einem Podest davor stehen Saxophonist Max Thum und Posaunist Stefan Meinking, die im weiteren Verlauf des Abends auch hin und wieder in den vorderen Bühnenteil wechseln und dort das Mellotron bedienen. In erster Reihe aufgestellt haben sich Willi Paschen an der Gitarre und Sänger und Bassist Clemens Marasus. In ihrer Mitte: Schlagzeuger Charlie Paschen mit seinem überschaubar kleinen Set, aus dem er aber wie ein Wirbelwind die maximale Drumpower herausholt.

Nach einem ausgedehnten instrumentalen Intro mit ‚The Turn Part I‘ greift Frontmann und Bassist Clemens Marasus zum Mikrofon. ‚Fly Me To The Stars‘ heißt der zweite Song des Gigs. Passt. Das Cadillac wird zum Raumschiff, das durch psychedelische Farbwirbel stürzt. Der spielfreudig dargebotene Retrosound wabert durch die unendlichen Weiten, Nebel quillt über die Bühne, rote Scheinwerfer lassen genauso viel im Schatten, wie sie ans Licht bringen. Die Atmosphäre passt absolut zur Musik, die mit ihrem Vintageansatz an Bands wie Captain Beefheart, King Zappa oder King Crimson erinnert, besonders wenn das Mellotron erklingt.

Was schon beim Album auffiel, bestätigt sich zum Glück auch live: Spielfreude und Instrumentenbeherrschung treffen auf ausgeklügelte Arrangements, die keine Parts zu sehr in den Vordergrund rücken. Gitarre und Bass bleiben auf einer Ebene mit den hervorragenden Bläsersätzen, die fast immer starke Akzente setzen. Wer hat schon mal bei einem Rockkonzert ein Posaunen-Solo gehört?

Fuzziger Heavyrock, Fusion, Jazz, Krautrock und Prog verschmelzen in psychedelischen Klangcollagen zu einem ganz eigenen Sound, wie ihn aktuell eigentlich nur Coogans Bluff abliefern können. Die schnellen, lauten Nummern lassen das Publikum dicht an dicht tanzen und schwitzen, ruhigere Nummer wie ‚Sincerely Yours‘ bieten kurze Verschnaufpausen. Ein wenig vermisst man längere Ansagen, diese beschränken sich auf „Danke!“ und „Schönen guten Abend!“ oder durchaus sympathische Kommentare, als ein Song nach wenigen Takten neu angespielt werden muss, weil die Gitarre verstimmt ist und das Publikum dennoch klatscht: „Ihr klatscht? Ihr seid ja anspruchslos!“

Die gebotene zweistündige Show ist aber durchaus anspruchsvoll, wird mit langem Applaus und einem ausgedehnten Zugabenteil belohnt und hinterlässt auf beiden Seiten der Bühne sehr zufriedene Gesichter.

Setlist Coogans Bluff, 14.02.2020, Cadillac Oldenburg:

The Turn Part 1
Flying To The Stars
Creatures Of The Light
Where No Man Has Gone Before
Gettin Dizzy
Sincerely Yours
Gadfly
Zephyr
Hit & Run
Hooray
Beefheart
No Need

Soft Focus
The Turn Part II
Heart Full
You & Me

Too Late

Fotos: Michael Buch

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Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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