Verwirrt ist gar kein Ausdruck – Heaven Shall Burn und Parkway Drive in Berlin

Es ist erstaunlich wie festgefahren und konservativ der Ablauf eines durchschnittlichen Rock-Musik-Konzerts doch ist. Und es ist fast erschreckend wie wenig man so etwas bemerkt, wenn man nicht, wie am vergangenen Dienstag, so eindrucksvoll darauf hingewiesen wird. Denn mit Heaven Shall Burn und Parkway Drive taten sich scheinbar die richtigen zwei Bands zusammen, um ein Konzert zu spielen, das dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben wird...


Vorband Eins, Vorband Zwei, Co-Headliner, dann Headliner. Dazwischen Umbaupausen. So, denkt man, läuft ein Metal-Konzert ab. Northlane und Carnifex hielten sich tatsächlich auch so weit an diesen Ablauf, spielten ihre Sets, machten Stimmung für die Headliner und verschwanden dann samt ihrem Equipment von der Bühne. Doch trotzdem im Vorhinein angekündigt wurde, dass die beiden Headliner auf dieser Tour vor haben sich in der Reihenfolge abzuwechseln, ging zumindest ich zunächst eher davon aus, dass der letzte Headliner Slot des Abends zu jedem Termin gewechselt wird und nicht davon, dass mitten im Set ein fliegender Wechsel stattfindet. Doch genau das war tatsächlich der Fall.
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Nach einem pompösen Start mit Papierschnipsel-Pyro covern Parkway Drive mitten im Set ‚The Weapon They Fear‘ von Heaven Shall Burn. Erst mal nichts besonderes, viele Bands, die zusammen touren covern sich gegenseitig aus Spaß. du denkst dir nichts dabei. du stehst im Publikum, die Lightshow war den ganzen Abend schon nicht so besonders hell. Der Lichttechniker spielt viel mit Gegenlicht und Stroboskopen, alles blendet irgendwie, du kannst die Musiker auf der Bühne kaum erkennen. Als nächstes hörst du die Worte ‚See! Them! Die!‘ – Ein Gewitter bricht los, ‚Voice Of The Voiceless‘ ertönt. ‚Cool,‘ denkst du dir, ’noch ein HSB-Cover!‘ Vielleicht im Laufe des Songs, vielleicht auch erst beim Nächsten stutzt du auf einmal. ‚Moment – war die Ansage grade nicht auf deutsch?‘ Und dann merkst du, dass gar nicht mehr Parkway Drive spielen, sondern schon der vergangene Song von Heaven Shall Burn dargeboten wurde.
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Klar, dieses ‚See! Them! Die!‘ kann auch nur einer so brüllen, wie du es eben gehört hast. Die haben dich verdammt nochmal übers Ohr gehauen! Na gut, Spaß gemacht hat es ja schon. Und irgendwie ist es auch lustig. Es sei ihnen verziehen. Zunächst folgen einige weitere Songs, dann passiert dasselbe wieder. ‚Hä? Ist der Song nicht von Parkway Drive?‘ denkst du mitten im Moshpit, den Fuß deines Vordermanns hinter den Ohren und mit den Armen einen viel zu schweren Crowd-Surfer stützend. Haben die schon wieder gewechselt. Krasse Sache, das.

Insgesamt wunderst du dich, wie man sowas organisieren kann. Wenn du im Publikum bist und am Headbangen oder im Moshpit beim Moshen, hast du keine Chance irgendein System in diesem Chaos zu erkennen, aber es läuft scheinbar ohne Probleme. Und wenn es Probleme gibt, dann merkt das nur, wer den geplanten Ablauf kennt.
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Müsste ich jetzt für jede Band die spielte Stärken und Schwächen ihres Auftritts aufzeigen, könnte ich das allenfalls bei Northlane und Carnifex. Parkway Drive und Heaven Shall Burn kann man tatsächlich nur als Einheit betrachten, denn wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich keinen blassen Schimmer, wie oft die Bands sich eigentlich abgewechselt haben. Auch anhand der gespielten Lieder, so man denn alle mitbekommen hat, kann man durch diesen Cover-Trick nicht genau sagen, wer genau den Song jetzt eigentlich gespielt hat.
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Aber eigentlich muss man das auch gar nicht, denn diese Show war einfach nur der absolute Hammer. Heaven Shall Drive oder Parkway Burn – die beiden Bands haben einfach so viel Druck gemacht, solch eine Party geschmissen, bei der einfach alles gestimmt hat, inklusive dem Mega-Circle-Pit, dass ich, auch wenn das nicht so besonders inhaltsvoll klingen mag, einfach nur die Daumen hochhalten und grinsen kann.

Ich habe vollkommen den Überblick über dieses Konzert verloren, aber irgendwie war alles geil.

Die Foto-Galerie zum Konzert gibts im Übrigen auf Facebook!

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