TORA TORA – Let’s go to Memphis in the meantime…

Das Albumcomeback der Hardrocker Tora Tora war eine der willkommensten Überraschungen des noch jungen Jahres 2019. "Bastards Of Beale" zeigt die Band zwar merklich gereift und vielleicht bodenständiger als je zuvor, aber auch absolut und ohne Zweifel mit hohem Wiedererkennungswert. Sänger Anthony Corder hat sich Zeit genommen, uns über das Comeback und die History der Band zu sprechen.

WS: Hallo, Anthony! Laut Wikipedia habt Ihr Euch bereits vor dreizehn Jahren wieder zusammengefunden! Was habt Ihr die ganze Zeit gemacht?

Anthony: Wir haben gelegentlich ein paar Shows gespielt, hauptsächlich, weil wir einfach wieder Zeit miteinander verbringen wollten! Wir waren ja alle über die ganzen Jahre in irgendeiner Form kreativ tätig geblieben, und ich habe ganz persönlich auch immer gehofft, dass wir wieder Songs schreiben und aufnehmen würden. Ich glaube, Frontiers (das aktuelle Label der Band) kamen dann genau zur richtigen Zeit auf uns zu. Es war, als hätten die Sterne richtig gestanden, und wir haben es tatsächlich alle hinbekommen, diesen Prozess in unsere privaten und professionellen Leben unterzubringen! Sie haben uns im Sommer 2017 kontaktiert, uns gefiel die Idee, mit ihnen zusammenzuarbeiten und so unterschrieben wir den Plattenvertrag im November 2017. Es ging also alles sehr schnell.

WS: Was mir besonders an dem Album gefällt, ist, dass es keine Angestalten macht, irgendwie kommerziell oder modern zu klingen, wenn überhaupt, betont es Eure Blues- und Boogie-Wurzeln noch mehr. Wart Ihr in Versuchung, ein Album zu machen, dass die „Rock Of Ages“-Nostalgie bedient oder war klar, dass es eher mit einer gewissen „Fuck you“-Einstellung passieren würde?

Anthony: Wir waren uns über die Ausrichtung des Albums absolut im Klaren. Ich weiß nicht, ob das ein bewusstes „Fuck You“ an irgendjemand Spezielles war, es passierte eher organisch. Wir hatten klare Limits in Sachen Zeit und Budget. Deshalb wollten wir so gut vorbereitet und effizient wie möglich sein, wie es nur ging, wenn wir ins Studio gehen. Wir haben deshalb jede Menge Arbeit in die Vorproduktion gesteckt, dann gingen wir mit Jeff Powell ins Studio und mussten nur noch „Aufnahme“ drücken! Jeff ist ein alter Freund von uns, er war schon Produktionsassistent auf „Wild America“ (das zweite Album der Band von 1992, Anm. d. Red.), und er kennt unseren Sound und auch jeden von uns ganz individuell. Der ganze Aufnahmeprozess fühlte sich also an, wie mit der Familie abzuhängen und Jeff sorgte für enorm angenehme Atmosphere. Wir denken, dass es ein gutes Bild dessen abgibt, was Du bekommst, wenn Du uns live hörst.

WS: In den Achtzigern wurdet Ihr oft mit der Glam-Metal-Welle in einen Topf geworfen, obwohl Ihr da, ähnlich wie Tesla, nur bedingt dazu passtet. Das Ganze brachte Euch aber unter Anderem auch ein paar veritable Hits und regelmäßiges Airplay auf MTV. Wie seht Ihr die Sache mit Abstand?

Anthony: Ich fand das gut, denn wir waren ja auch alle selbst Fans der Bands dieser Ära. Wir waren wirklich vorrangig Fans, die dann irgendwann die Chance bekamen, selbst im Business mitzuspielen. Ich denke, wir hatten einfach einen anderen Sound wegen unserer geographischen Herkunft, das hat uns geholfen, uns von anderen Bands zu unterscheiden, und ich bin tierisch stolz, zu der Musikszene von Memphis dazuzugehören! Ja, und MTV war natürlich ein unglaubliches Outlet. Wir tourten knapp zwei Jahre nur mit unserem ersten Album!

WS: Wo wir gerade vom Memphis sprachen, Ihr habt das Album in den legendären Sam Phillips Studios aufgenommen. Hat das die Attitude des Albums beeinflusst und, ähem, war das nicht schweineteuer?

Anthony: Sam Phillips Recording hatte einen enormen Einfluss auf die Aufnahmen! Es sieht dort immer noch aus wie in den Sechzigern. Es war wirklich eine enorme Inspiration, nicht nur für die Aufnahmen, sondern ganz speziell für einen Song: Keith (Douglas, Gitarrist, Anm. d.Red.) las einen Artikel über Sam Phillips, indem Sam die ‚lights up the river‘ erwähnte. Er meinte damit die Lichter der Stadt, die von den ländlichen Gegenden aus zu sehen waren und eine Art Hoffnung auf ein besseres Leben symbolisierten. Das hat uns zu dem gleichnamigen Song inspiriert, und es war natürlich wunderbar, einen von Sam inspirierten Song in seinem Studio aufzunehmen. Wir dachten immer an die ganzen Menschen, die vor uns schon dort aufgenommen hatten und waren entsprechend aufgeregt, dort zu sein! Selbst in unserem Prozess des Live-Einspielens… ich durfte zum Singen an einem geheimen, ganz besonderen Platz stehen, den keiner fotografieren darf, man bekommt ihn nur zu sehen, wenn man von jemandem ganz privat dorthin geführt wird! Ich war regelrecht ekstatisch und natürlich hochinspiriert bei den Vocal-Aufnahmen. Das Budget – wir waren in der Lage, alles wie geplant zu unserem Budget fertigzustellen. Wir kannten da so einen Typen, haha!

WS: Eine weitere Sache, die mich positiv überrascht hat, ist, das Tora Tora immer noch aus den gleichen Musikern besteht wie immer. Damit haltet Ihr länger durch als die meisten Ehen! Was ist Euer Geheimnis?

Anthony: Wir haben einfach ein paar Momente miteinander erlebt, die keiner verstehen wird, der nicht selbst dabei war. Wir sind wirklich eine Familie. Wir hatten auch unsere Meinungsverschiedenheiten, standen uns aber immer nahe. Keith und Patrick (Francis, Bass, Anm. d. Red) kennen sich, seit sie acht Jahre alt sind, und wir alle sind seit der High School befreundet. Wir kennen uns also genau, alle Eigenschaften und Merkwürdigkeiten, wir haben aber auch immer noch Spaß daran, miteinander Musik zu machen. Ich habe auch noch eine Schwester, aber diese Jungs sind meine Brüder, durch dick und dünn waren wir immer Freunde. Wir nehmen es auch keinesfalls als Selbstverständlichkeit hin, das wir das hier immer noch gemeinsam machen dürfen. Wir haben uns damals die Auszeit genommen, um ehrlich zu sein, um unsere Familien großzuziehen. Wenn wir zusammen sind, erzählen wir aber die gleichen schlechten Witze wie ganz früher – wir lachen einfach viel und genießen es!

WS: „Bastards Of Beale“ erscheint auf dem italienischen Label Frontiers – wie seid Ihr zu ihnen gekommen – und denkst Du, dass das die Chance auf eine Europatour erhöhen könnte?

Anthony: Sie kontaktierten uns, als wir auf der „Monsters Of Rock Cruise 2017“ spielten – danke, Larry Morand (Organisator der Cruise, Anm. d. Red)! Keith sprach mit Nick, ihrem Repräsentanten für die USA, der gerade nach Nashville versetzt worden war – wo ich mittlerweile lebe. Wir stellten dann fest, dass er nur eine Haltestelle von mir entfernt wohnte, also traf ich mich mit Nick und wir mochten die Idee, mit ihnen zusammenzuarbeiten! Sie gaben uns eine Plattform und eine Stimme zur Rock-Community, und das war einfach fanstastisch! Und eine Europa-Tour ist absolut auf meiner Bucket-List!

WS: Gibt es eigentlich Pläne, „Surprise Attack“ und „Wild America“ für Eure neuen Fans wieder zugänglich zu machen?

Anthony: „Surprise Attack“ hat ja in diesem Jahr sein dreißigjähriges Jubiläum, das von „Wild America“ kommt auch bald, und ich meine, etwas von Vinyl-Reissues gehört zu haben? Wäre auf jeden Fall spaßig, die Alben wiederzuveröffentlichen. Wie auch immer, im Moment liegt der Fokus darauf, „Bastards Of Beale“ zu promoten!

WS: Noch irgendwelche abschließenden Worte an unsere Leser?

Anthony: Ja, wenn Euch unsere Musik gefällt, bleibt mit uns in Kontakt über Social Media oder besucht unsere Website (Links findet Ihr weiter unten, Anm. d. Red.). Ansonsten: See you on the road, Tora Tribe!

WS: Danke Dir – und hoffen wir darauf – und, dass es nicht wieder 25 Jahre bis zum nächsten Album dauert!

Offitzielle Website der Band: https://www.toratoramusic.com/

Facebook-Präsenz: https://www.facebook.com/ToraToraBand/

Fotos: Chris Neely (Header), Jase Harsman (Text)

Vielen Dank für Iris von CMM für die Organisation des Interviews!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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