Eluveitie – Eine Folk-Metal-Band kommt selten allein

Im Sommer veröffentlichte die Schweizer Band Eluveitie ihr sechstes Studioalbum Origins, mit dem die Musiker um Frontmann Chrigel Glanzmann kurzzeitig den ersten Platz der schweizerischen Album-Charts stürmten. Wie jeden Herbst, dem in der Bandgeschichte ein veröffentlichtes Album voranging, folgt nun auch in diesem eine große Europatournee, auf der Eluveitie ihr neues Album präsentieren - so auch am vergangenen Sonntag-Abend im Berliner SO36.


Eluveitie gehören unbestritten zu den bekanntesten Schweizer Musikern dieser Tage. Über die vergangenen Jahre erspielten sie sich eine enorme Fanbasis in ganz Europa, auf welche die Folk-Metaller auch dieses Jahr wieder zählen können. Zusammen mit Skalmöld und Arkona, zwei ebenfalls gefragten Bands, wird heute das SO36 gerockt und so ist es auch kein Wunder, dass der ehemalige Supermarkt im Herzen Kreuzbergs schon vor dem Set der isländischen Pagan-Metaller, die das Publikum als erstes sehen wird, gut gefüllt ist. Tatsächlich fällt es schon nach den ersten zwei Liedern des Sets schwer, in diesem lang gestreckten Konzertsaal noch in die ersten Reihen vorzudringen. Dort haben sich offensichtlich die treuen Fans jener Band versammelt, die mit ihrem unverkennbaren Sound, klaren Gitarren-Leads und kraftvollen Singalongs des sich aufwärmenden Publikums ihren Job als Vorband hervorragend meistert.
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Nach Skalmöld übernimmt die russische Pagan-Metal Band Arkona das SO36. Irgendwo zwischen geheimnisvoll und frohmütig, zwischen Trance und Tanz spielt die Musik, welche Sängerin Mascha und ihre vier Mitmusiker durch die Lautsprecher jagen. Ein interessantes Gefühl beschleicht einen, wenn man das Konzert gedanklich in den lokalen Kontext setzt. Es mutet gleichzeitig großartig, wie auch seltsam an, dass sich die ehemalige linke Hochburg im Herzen Kreuzbergs so weit geöffnet zu haben scheint, dass Arkona nicht nur mit Swastiken auf den Gitarren spielen, sondern auch ihre pagane Hymne auf die russische Heimat singen können, ohne dass es irgendjemanden zu stören scheint. Vom eigentlich unvermeidbaren Culture-Clash ist nichts zu spüren, während das Publikum zu Songs wie ‚Stenka Na Stenku‘, ‚Yav‘ oder ‚Slavsia Rus‘ abfeiert und sich bald der unvermeidbare Moshpit in für den schmalen Saal beachtlichen Dimensionen ausbildet.
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Ebenso interessant ist der Wandel der Ausstrahlung von Sängerin Mascha, die sich mit Fortschreiten des Sets immer weiter in Rage singt und tanzt, was zusammen mit Pelz-Outfit und der tiefen, kräftigen Stimme dazu führt, dass aus dieser Frau ein zwischenmenschliches heidnisches Geistwesen zu werden scheint, wodurch das Ende des Sets, wie bei fast allen Arkona-Auftritten nach einer stetigen Entwicklung recht plötzlich kommt – doch erst nachdem die Band mit ‚Yarilo‘ das Äußerste aus dem Publikum geholt hat.
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Eluveitie sorgen als Headliner für gemischte Gefühle. Es gibt nichts, was man der Band wirklich vorwerfen könnte, der Sound stimmt, das Licht passt, auch die Setliste entspricht zu hundert Prozent den Erwartungen, mit einem ausgeglichenen Mix aus alten und neuen Songs – doch irgendwie hat man das Gefühl, dass die Band nicht richtig da ist, sich hinter einer professionellen Fassade versteckt. Auch wenn Sänger Chrigel ausgiebig mit dem Publikum kommuniziert, hat man die Ansagen teilweise wortwörtlich schonmal irgendwie bei einer vergangenen Show gehört. Und bei der davor. Und der davor. Selbst, als die Band ein Video vom jodelnden Publikum macht, dass sie mit dem Publikum bei der nächsten Show in Leipzig vergleichen möchte hat man das Gefühl, dass das zum Standard-Repertoire der Band gehört. Einzig die Frage Anna Murphys, ob das Publikum den neuen Song ‚Call Of The Mountains‘ lieber auf Englisch oder Schweizer-Deutsch hören möchte, wirkt tatsächlich menschlich authentisch, einfach dadurch, dass die Aufregung, die in Annas Stimme mitschwingt, zum ersten Mal während des ganzen Sets die Oberflächlichkeit bricht.
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Abgesehen von dieser kurzen Periode des schmelzenden Eises versackt die Show jedoch großartig im Mittelfeld, woran auch der Gastauftritt des Pipers von Arkona während der Zugabe von ‚Inis Mona‘ nicht viel ändern kann und ich frage mich ernsthaft, ob die Shows früher wirklich menschlich direkter und individueller auf das Publikum angepasst waren oder ob ich die Sprüche einfach nur zu oft gehört habe.

Setliste Eluveitie:

King
Nil
From Darkness
Carry the Torch
Thousandfold
Andro
Sucellos
De Ruef vo de Bärge
Omnos
The Nameless
Inception
Kingdom Come Undone
The Silver Sister
Vianna
A Rose for Epona
Quoth the Raven
Havoc

Helvetios
Inis Mona

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