CEMICAN – Auf den Spuren von Apocalypto, Sepultura und Mexikos Geschichte

Kennt ihr Mel Gibsons Maya-Epos „Apocalypto“? Das preisgekrönte Historiendrama von 2006 mit ordentlich Action ist zweifellos einer der bildgewaltigsten Kinofilme der letzten 20 Jahre. Er zeigt die Maya-Kultur auf dem Höhepunkt ihrer Dekadenz. Unmittelbar vor dem Niedergang. Der Indio-Krieger „Pranke des Jaguars“ entflieht den Sklavenhändlern, die ihn gefangen genommen haben. Dabei nimmt er den Zuschauer auf dem Weg zurück zu seiner Familie mit auf ein atemberaubendes Abenteuer. Ein Stück Kino, auf das ausnahmesweise der überstrapazierte Begriff „episch“ passt.

Nun stellt euch vor, eine Metalband putzt sich mit den Waffen und Kostümen heraus und packt ein paar Flöten und Trommeln aus. Dann brettert sie am Fuss der im Film gezeigten Pyramide mit infernalischem Deathmetal los. Geil, Metal-Indianer! Das kommt euch bekannt vor? Da gab es doch mal Mitte der Neunziger eine kleine Band aus Brasilien, die sich mit der Stamm der Xavantes zusammen tat und mit Ihnen ein Album aufnahm. Richtig, von Sepulturas „Roots“ ist die Rede. Für eine ganze Generation von Metalheads eines der innovativsten Metal-Alben der Neunziger Jahre.

Klar soweit? Dann die nächste Stufe eurer Vorstellungskraft. Jetzt noch schwarzmetallisch angehauchte Kriegsbemalung, ein bisschen Slipknot-Feeling und die Gänsehaut-Mystik von Heilung. Zum Schluss produziert ihr ein aufwändiges Musikvideo, um eure Band und ihren Sound in jeder Hinsicht toll dastehen zu lassen.

Voilà! Azteken-Folk-Death-Metal! Cemican!

(Ja, in „Apocalypto“ waren das Maya und keine Azteken. Ist klar.)

Cemican aus Mexiko kombinieren seit gut zehn Jahren moderne Metal-Instrumente mit Folklore-Instrumenten der prä-hispanischen Ära. Ihre einzigartige Musik besteht aus Elementen mexikanischer Legenden und Mystizismus. Sie ist eine musikalische Hommage an die frühe Kultur Mexikos. Zwei Alben hat das Sextett bisher in Eigenregie herausgebracht: „Ometiliztli“ (2009) und „Ticateh Ipan Miquixtlahuac“ (2012). Nun hat die Band den verdienten Plattenvertrag in der Tasche und die dritte Platte ist in Arbeit. Das neue Werk, das auch ‚Guerros De Cemican‘ beinhalten wird, soll im Frühsommer erscheinen. Falls sich jemand das Spektakel live ansehen will: Kommende Woche sind die Jungs bei den Wacken Winter Nights zu sehen. Wir hoffen aber, das wird nicht das letzte Mal sein.

„Das Leben ist der Mittelpunkt jeder Kultur. Mystik und altertümliche Klänge führen mit Kriegerblut und Tod zum Ruhm eines jeden Imperiums. Die Rituale der Azteken, angeführt vom Klang der Kriegstrommeln, sind unser roter Pfad. ‚Todos somos Guerreros‘. Wir sind alle Krieger“, bringt Bandschamane Xaman Ek die Essenz der Vision der Band auf den Punkt.

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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