SWEDEN ROCK Festival Review Part 1 – Headbanger statt Pippi Langstrumpf in Südschweden

Die Festivalreise unseres Redakteurs Andre geht weiter. Nach dem Metalfest in Pilsen zieht es ihn in den hohen Norden. diesem zweiteiligen Review berichtet er von seinem ersten Besuch auf dem Sweden Rock Festival. Hier nur der erste Teil des Berichtes. Den zweiten Teil könnt Ihr hier nachlesen.

Seit 1998 findet das Sweden Rock in der Nähe der südschwedischen Stadt Sölvesborg statt. Auf dem viertägigen Festival traten bereits hochrangige Bands wie Kiss und Iron Maiden auf. Zeit also, sich das ganze mal aus der Nähe anzuschauen.

Die Anreise mit der Fähre von Rügen über Ystad verläuft reibungslos. Nach etwas weniger als zwei Stunden wird der feste Boden in Nordeuropa erreicht. Etwa 100 Kilometer weiter ist der Wohnwagen auf dem Campingplatz „Norje Havskrog“ schnell aufgebaut.

Es bleibt noch Zeit, um sich um die üblichen Formalitäten am Vortag des Sweden Rock zu kümmern. Auf dem 2,5 Kilometer langen Fußweg zum Festivalgelände wird schnell klar, dass die Gegend von Landwirtschaft geprägt ist. Smells like Schnitzel in der Vorproduktion. Der Papierkram ist schnell erledigt. Zeit, sich das bereits emsige Treiben mal aus der Nähe anzuschauen. Während an der Mainstage noch fleißig gearbeitet wird, können sich die schon zahlreich vorhandenen Metalheads mit Merch eindecken oder ihren Hunger und Durst stillen.

Tag 1:

Der erste Tag fängt entspannt an, da die Mainstage noch nicht bespielt wird. Bevor um 16 Uhr mal kurz bei Freedom Call vorbeigeschaut wird, gibt es große Wiedersehensfreude im Pressebereich. Nach über zwei Jahren Abstinenz ist es schön, ein paar alte Gesichter wiederzusehen. Ist halt niemand jünger geworden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass es bei diversen Festivalbesuchen Bands gibt, die auf dem vorherigen Festival schon gespielt haben. Freedom Call sei hier nur als Beispiel genannt. Die Band aus Deutschland liefert auf der Rockstage ein ähnlich gutes Set ab wie bereits in Pilsen, lediglich auf die DVD-Aufnahme wird verzichtet.

Die genannte Rockstage ist eine von insgesamt fünf Bühnen auf dem Sweden Rock Festival. Dies bedeutet, dass zwischen den Sets etwas längere Wege gelaufen werden müssen. Außerdem gibt es immer wieder mal innerliche Konflikte, welche von den gleichzeitig spielenden Bands unbedingt gesehen werden müssen.  Kein Kompromiss wird bei Jean Beauvoir eingegangen. Der Entertainer ist immer wieder ein Erlebnis. Als Produzent und Songwriter vieler namhafter Künstler darf der ein oder andere Song unter anderem von Kiss nicht fehlen. Zu „Standing On The Corner“ schnellen viele Handytaschenlampen in die Luft. Schade, dass es noch so hell ist.

Auch Evergrey hat schon in Pilsen gespielt. Egal, heute wird einfach mal die komplette sehr gute Show genossen, ohne viel an Bilder und Review zu denken. Die Security verteilt bei sommerlichen Temperaturen fleißig Wasserflaschen. Ansonsten schauen die Damen und Herren in ihren gelben Shirts nur in die Menge. Da auf dem Sweden Rock Circle Pits und seitens Veranstalter aus Sicherheitsgründen verboten sind, haben die Ordnungskräfte im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen einen sehr entspannten Job.

Viel Trinken ist auch in Schweden wichtig, da hier die Temperaturen fast an tschechische Verhältnisse erinnern. Nicht zu vergleichen sind dagegen die Getränkepreise. Während die alkoholfreien Brausen für ca. 2,90 Euro recht günstig über die Theke gehen, wechselt das Bier für ungefähr acht Euro den Besitzer.  Eines vorweg: trotz dieser Preise wird es in den nächsten Tagen einige Leute geben, die ein oder zwei Bier zu viel getrunken haben.

Raubtier spielt auf der Rockstage. Sänger und Hauptkomponist Pär Hulkoff kam auf den Namen, als er in Berlin seinen Bruder besuchte. Sie sahen sich den Film Predator an und Hulkoff war der Meinung, dass die deutsche Übersetzung des Titels ein guter Bandname sei. Die Band hat mit ihren schwedischen Songs ein Heimspiel und wird ordentlich abgefeiert.

Megadeth ist der Headliner des ersten Tages und liefert eine (Achtung, Wortspiel) Megashow ab. Mittlerweile ist es in Sölvesborg dunkel geworden und die entsprechenden Pyro- und Lichteffekte kommen voll zur Geltung. Zufrieden und mit schweren Beinen geht’s zurück zum Camp. Drei ereignisreiche Tage liegen noch vor dem Redakteur.

Tag 2:

Die Dusche liegt etwas außerhalb vom Camp. Da es hier eine längere Schlange gibt, wird die eingeplante Band Eclipse leider verpasst. Schon auf dem Weg zur Location ist jedoch zu hören, dass die Schweden um Sänger Erik Mårtensson das Publikum vor der Rockstage begeistern können. Songs wie „I Don’t Wanna Say I’m Sorry“ werden aus tausenden Kehlen mitgesungen.

Auf der Festivalstage eröffnet heute Alestorm, bevor es im Sauseschritt zu Lee Aaron auf der Sweden Stage geht. Was die mittlerweile End-Fünfzigerin hier abzieht ist immer noch beachtenswert. Nicht nur mit ihrem roten Dress ist sie ein Lichtblick in der Welt des Hard Rocks. Als sie dann noch ihre Gitarre umschnallt und „Sex With Love“ spielt, gibt es vor der Sweden Stage kein Halten mehr. Mit dem letzten Song „Metal Queen“ ist eigentlich alles zu ihrem Auftritt erzählt.

Leider ist es unmöglich, alle gesehenen Auftritte detailliert zu beschreiben, ohne anschließend einen Bericht so dick wie einen alten „Quelle“-Katalog zu produzieren. Daher in Kurzform noch folgendes zum zweiten Tag:

Der Auftritt der Dropkick Murphys gehört definitiv in die Top 3 auf dem Sweden Rock. Auch ohne Frontmann All Barr, der sich eine familiäre Auszeit nimmt, kann die irisch-amerikanische Folk-Punk-Band das Publikum mit ihrer Vollgas-Show mitreißen.

Volbeat sorgen mit ihrer Darbietung auf der Mainstage für eine ekstatische Crowd. Songs wie „Fallen“ werden aus tausenden Kehlen mitgegrölt. Neben den Liedern sorgen die Dänen mit aufwändig produzierten Einspielern auf der großen Videowall für einen imposanten Headliner-Auftritt.

Nightwish zeigt sich an diesem Abend ebenfalls in Bestform. Ungewohnt ist lediglich, dass die Formation „nur“ auf der zweitgrößten Bühne in Sölvesborg spielt. Natürlich dürfen Klassiker wie „Nemo“ nicht fehlen. Auf der Rockstage wird einiges an Pyrotechnik verpulvert. Eine aufwändige Lightshow rundet das Konzerterlebnis ab.

Mehr Eindrücke gibt es in den Fotogalerien. Es wird Zeit für den Rückweg.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

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