The Sore Losers

Roslyn

Belgien. Einer der unmittelbaren Nachbarn Deutschlands. Trotzdem weiß man über das Land zwischen Frankreich und Holland wenig. Es gibt einen König. Einen französisch- und einen flämischsprachigen Teil, die mehr oder weniger im Clinch liegen. Diamanten in Antwerpen. Kunst und Kultur? Ein paar berühmte Barock-Maler wie Rubens und die fantastischen Indie-Rocker dEUS aus Antwerpen. Doch jetzt schicken sich die in ihrer Heimat recht populären Retro-Rocker The Sore Losers an, über ihre Heimat hinaus bekannt zu werden. Letztes Jahr bereits mit den ebenfalls in Belgien populären Blues-Rockern Triggerfinger auf deutschen Bühnen zu sehen, steht nun die erste Headliner-Tour sowie die Veröffentlichung des zweiten Albums „Roslyn“ vor der Türe. Die Einflüsse der Band lassen aufhorchen, sind sie doch unglaublich breit gestreut: Die vier Belgier verehren die Rolling Stones, die Beatles und Wilco, ZZ Top und die Allmann Brothers, Jimmy Hendrix und Muddy Waters, Crosby, Stills & Nash, Creedence, The Black Keys und The Ranconteurs. Die Band selbst gibt sich bescheiden: Man spiele garagigen Blues-Rock.

Obwohl es vermutlich immer Bands gab, die den erdigen Rock der 70er liebten und neu interpretierten, fallen The Sore Losers sicherlich mit in das Retro-Rock-Revival, auf deren Welle im vergangenen Jahr The Blues Pills ganz nach oben gespült wurden. Die Eigenbeschreibung der Band trifft es recht gut. Der Blues ist da (‚Don’t Know Anything‘, ‚Blues Shoes‘), der Rock ebenfalls und der kantige Garagen-Sound auch. Einige kleinere psychedelische Farbsprenkel (‚Gold In Them Hills‘) sind auf den akustischen Bildern, die The Sore Losers malen, genau wie Southern Rock (‚Reasons‘) auch zu erkennen. Led Zeppelin lassen grüßen, so wie in ‚Shakey Painters‘. Und dann ist da noch ‚Drop Your Disguise“, das tatsächlich etwas alternativen Country-Charme à la Wilco hat – ohne deren Komplexität zu erreichen. Das alles ist eine wirklich runde Sache und klingt erstaunlich amerikanisch-ursprünglich. Von der erfolgreichsten momentanen Konkurrenz, den Blues Pills, grenzt man sich jedoch deutlich ab. Vor allem der Sound ist viel rauher und kantiger produziert, was aber einen großen Charme hat und einen gewissen Underground-Touch gibt. Wer also erdigen, Garagen-Rock mit Blues-Touch mag, für die dürften The Sore Losers einen Blick wert sein. Außerdem kennt man nun eine Sache mehr aus dem manchmal etwas gesichtslosen Belgien.

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