Bring Me The Horizon

That’s The Spirit

  • Artist: Bring Me The Horizon
  • Album: That’s The Spirit
  • Label: RCA / Sony
  • Release: 2015-09-11
  • Medium:
  • Bewertung:1-

Und wieder einmal fällt es einem schwer, ein neues Album einer Ausnahmeband zu rezensieren. Dies ist einfach der Tatsache geschuldet, dass Bring Me The Horizon mit ihrem neuen Album einen völlig neuen Sound präsentieren. Doch der Reihe nach: Nach ihrer erfolgreichen Tour rund um das Vorgängeralbum ‚Sempiternal‘ schließen sich die Jungs erneut im Studio ein – diesmal in den Black Rock Studios auf der griechischen Insel Santorin, um ihr nunmehr fünftes Album ‚That’s the Spirit‘ einzuspielen. Wenn man bedenkt, dass Gründer und -Frontmann Oli Sykes gerade mal 28 Lenze zählt und das Album sofort nach Pre-Order-Start in siebzehn Ländern in die Top-Ten der iTunes-Charts klettert, dann ist das einfach mal erstaunlich. Das spricht aber auch für die bisherige Musik der aus Sheffield stammenden fünf Musiker.

Das aktuelle Album ‚That’s the Spirit‘ mit seinen elf Tracks entstand unter der Regie von Sykes und BMTH-Keyboarder Jordan Fish. Herausgekommen ist, wie bereits erwähnt, ein völlig neuer Sound, der sowohl als ungewöhnlich aber auch als spannend beschrieben werden kann. Nach jahrelangem Aufenthalt in der Welt des Metal und Hardcore beziehungsweise Metalcore geht der aktuelle Sound in Richtung Mainstream-Rock, ohne dabei Staind oder ähnliche Chartbands nachzueifern. Ganz im Gegenteil, der Stil ist genau auf BMTH zugeschnitten, klingt erwachsen und völlig eigen. Textlich zeigt die Band unverfrorene Lyrik und langsam brennende Hymnen, die kaum noch an vergangene Tage erinnern.

Der Longplayer beginnt mit dem Track „Doomed“ und damit einem Sound voller dichter elektronischer Schichten aus dem Synthesizer. Erst nach über einer Minute setzen Gitarren ein, dabei singt Oli Sykes:

‚Cut off my wings and come lock me up / Just pull the plug / yeah, I’ve had enough / Tear me to pieces / sell me for parts / You’re all vampires / so you can have my heart‘

Ein gewagter Eröffnungstrack, der die Messlatte für das Songwriting für den Rest des Albums unglaublich hoch setzt. Glücklicherweise sind Sykes und Band mehr als bereit für diese Herausforderung.

Die Intensität der Musik und der Lyrics bricht auch beim Track „Happy Song“ nicht ab. Die Anlehnung an Marilyn Mansons „mOBSCENE“ in Form von cheerleaderähnlichen Backingvocals ist eindeutig. Spätestens ab diesem Punkt ist klar, dass dieser Longplayer Sykes Unterschrift trägt. Die Band beschert uns viele Mid-Tempo-Tracks, die reichlich Platz bieten, um sich selbst neu zu präsentieren, ihre Entwicklung aufzuzeigen. Manch einem werden diese Songs zu schleppend, zu fad erscheinen, aber hier und da hört man doch das typische Geschrei und Gejammer Sykes‘, zum Beispiel bei „True Friends“. Die Musik wird einem BMTH-Fan aber nicht abschrecken, Track um Track umhüllt sie einen mit ihren neuen Sound; aus der Welt von BMTH gibt es als Fan kein Entkommen.

Es ist selten, dass eine Band in der alternativen Szene, auch nur einen Schritt außerhalb ihres eigentlich Musikgenres macht, und das vor allem nach mehreren unglaublich erfolgreiche Alben in eben dieser einen gewissen Musikrichtung. Doch Bring Me The Horizon haben eben diesen neuen Weg eingeschlagen und damit ihre Kreativität freien Lauf gelassen. Und es gibt kein Anzeichen, dass ihre Suche nach Kreativität jäh ein Ende gefunden hätte. Es gibt immer noch viel Raum für Wachstum, aber für einen ersten Ausflug in die Welt des Mainstream-Rock ist das Album mehr als gelungen.

Der „Spirit“ hätte ganz anders, völlig extrem ausfallen können, ist es aber nicht. BMTH haben sich nicht wirklich neu erfunden, sie sind ihrem „Spirit“ treu geblieben, haben eben nur einen anderen Weg eingeschlagen. ‚That’s the Spirit‘ ist dicht, emotional anstrengend, und übersät mit vielen Momenten musikalischer Brillanz. Ja, es ist nicht mehr der geniale Metalcore wie wir ihn aus den ersten Alben her kennen. Moshen können wird man nicht mal zu einem einzigen Song. Doch selbst wenn man am Ende den neuen BMTH-Sound hassen sollte: Jeder BMTH-Fan schuldet es sich selbst, dieses Album in voller Länger zu hören und zu erleben.

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