Tito & Tarantula – ‚Spotify, go f**k yourself!‘

Tito & Tarantula feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum und touren aus diesem besonderen Anlass (fast) in Originalbesetzung durch Deutschland. Einer von vielen Gründen, warum wir die charmanten Tex-Mex-Rocker treffen müssen.


Ja, so muss ein Konzert von Tito & Tarantula aussehen: Ein Haufen Leute in einem kleinen bis mittelgroßen Musik-Club, Temperaturen jenseits der 25 Grad und gute Laune wohin man schaut. Kühle Biere fließen mit dem Schweiß um die Wette und das Alter des Publikum reicht von 16 bis 66.

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Besser könnten die Voraussetzungen kaum sein, und sie sind es doch. Lange war das Kult-Album ‚Tarantism‘ in Europa nicht erhältlich. Anlässlich des 25-jährigen Bühnenjubiläums hat Tito die Scheibe aber in einer gemasterten Version neu aufgelegt und wieder in die Läden gebracht. Obendrauf gibt´s das Album ‚Lost Tarantism‘ mit Songs, die damals (1996) in der gleichen Session entstanden sind. Vor lauter Freude hat Bandleader Tito Larriva direkt noch die Gründungsmitglieder Peter Atanasoff (Gitarre) und Johnny ‚Vatos‘ Hernandez (Schlagzeug) mitgebracht, um die Party so richtig in Schwung zu bringen.

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Wir treffen Tito und Johnny nach ihrer Show im Substage in Karlsruhe – wie üblich mit einem Stück Pizza in der Hand. Erstmal gibt es Bier und Whiskey. Guter Einstieg.

WS: Sagt mal, ihr seid jetzt 25 Jahre auf der Bühne. Könnt ihr euch erklären, warum so viele junge Fans im Publikum stehen?

Tito & Johnny: (lachen) Überhaupt nicht! Vielleicht liegt es daran, dass sie mittlerweile alt genug für den Film ‚From Dusk Till Dawn‘ sind und uns darin gut finden. (Tito) Ich meine, klar, der Film ist super, darin gibt es Brüste und all so Zeug. Das zieht immer. Aber es freut uns natürlich, wenn wir Leuten aus verschiedenen Generationen eine Freude machen können.

WS: Ja, die Gemüter können schonmal überkochen. Gut, dass ihr die beiden Streithähne in der ersten Reihe beruhigt habt!

Tito: Auf jeden Fall. Wären wir in den USA gewesen, hätten die vermutlich Knarren gezogen und sich über den Haufen geschossen. (lacht) Früher hab ich ja noch in einer Punk-Band gespielt, da war Auflehnung gegen alles und jeden normal. Vielleicht kommt ja mal wieder so eine Welle der musikalischen Revolution.
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WS: Hat sich denn die Musikbranche für euch verändert?

Tito: Ja, leider schon. Ich würde ja gerne mal in die Konzern-Zentrale von Spotify gehen und denen sagen, dass sie sich zum Teufel scheren können. Was die den Künstlern bezahlen ist eine Frechheit. Trotzdem müssen auch wir mit der Zeit gehen. Alles ist im Wandel. In fünf Jahren hat wahrscheinlich schon niemand mehr ein Smartphone, sondern nur noch so eine Smartwatch.

WS: Ja, ihr habt ja seit dieser Tour auch eine Facebook-Seite.

Tito: Meine Tochter hilft uns mit dem Online-Kram.
Johnny: Wenn Lolita nicht mithelfen würde, wüsste ich nichtmal ob ich online bin oder nicht (lacht). Ein Glück sind wir eine funktionierende Musik-Familie. Da helfen alle zusammen.

WS: Apropos Tochter. Lolita spielt Bass in der Band. Kam sie eines morgens an den Frühstückstisch und hat gesagt: „Papa, ich will auch Rockstar werden!“?

Tito: Nein, ganz so überraschend war es natürlich nicht. Sie ist selbst mit ihrer Band in Texas ziemlich erfolgreich. Sie ist genauso Entertainer wie wir auch und kennt unsere Songs schon seit sie noch im Bauch ihrer Mutter war. Es funktioniert super mit uns. Nur dass sie mich immer ein bisschen vorwurfsvoll angrinst, wenn ich mich auf der Bühne verspiele. (lacht)
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WS: Was muss man denn für eine Art Mensch sein, um heute den hauptberuflichen Rocker zu geben?

Tito: Nunja, Musik hält jung, also braucht man sich darum schonmal nicht zu kümmern. (lacht) Du musst einfach darauf stehen, die Leute zu unterhalten und dafür zu sorgen, dass sie mal zwei Stunden lang den Job, die unbezahlten Rechnungen oder die Scheidung vergessen. Ich selber stand schon als kleiner Junge auf der Bühne, mir war gleich klar, dass das mein Weg sein wird. Das hat man im Gefühl und dann klappt das auch ganz ordentlich.

WS: Und kannst du den Entertainer auch abstellen?

Tito: Meine Frau kann das ganz gut. Zuhause gibt´s keinen Beifall, da muss ich den Müll rausbringen und selber ans Telefon gehen. Ruckzuck bist du wieder auf dem Boden der Tatsachen.

WS: Da wir so 2015 sind, würdet ihr euch zum Abschluss bereit erklären einen Selfie zu schießen?

Tito & Johnny: Aber auf jeden Fall!

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