THE HOOTERS auf ‚Give The Music Back‘ – Tour

„Who The Fuck Are The Hooters?“

Diese Frage stellte Bob Geldof 1985 dem Rolling Stone, um damit seiner Abneigung gegen die beim Live Aid-Festival in Philadelphia auftretende Band Ausdruck zu verleihen. Diese Abneigung ging sogar so weit, daß der Hooters-Set nicht einmal auf dem zwanzig Jahre später erschienen Live Aid-DVD-Set enthalten war. Ironie des Schicksals: kurze Zeit später tourte Geldof durch Deutschland – als Support-Act der Hooters. Mit Sicherheit herrschte auf dieser Tour eine besonders angenehme Atmosphäre…

Das sei aber, wie’s wolle. The Hooters mögen zwar aufgrund des fehlenden glamourösen Images nie den absoluten Superstar-Status a la U2 geschafft haben. Schleppt man allerdings einen noch nicht mit der Band vertrauten Pop-/Rockfan auf ein Konzert der Band, folgt zum Ende des Abends so sicher wie das Amen in der Kirche immer der gleiche Satz: „Ich kannte die Band nicht, aber trotzdem alle Songs!“ Klar, es ist schließlich auch fast umöglich, einen Radiosender zu finden, der ohne The Hooters-Klassiker wie ‚Satellite‘, ‚Johnny B.‘, ‚All You Zombies‘, ‚500 Miles‘, ‚Private Emotion‘ oder ‚Day By Day‘ auskommt. Und die originelle Mixtur aus Rock, Folk und launigem Power-Pop in Verbindung mit der unermüdlichen Energie der Performer ist nach wie vor die perfekte Garantie für einen unterhaltsamen Abend. Aber die Band aus Rocky Balboas Hauptstadt Philadelphia hat noch eine ganze Menge mehr zu bieten als die bekannten Radiohits. Denn auch für andere Künstler waren speziell die beiden Leadsänger und Hauptsongwriter Eric Bazilian und Rob Hyman tätig. So gehen auf ihr Konto Hits von so unterschiedlichen Künstlern wie Bon Jovi, Journey, Scorpions, Meat Loaf, Ricky Martin, Robbie Williams, Midge Ure und natürlich die Welthits ‚One Of Us‘ von Joan Osbourne und ‚Time After Time‘ von Cyndi Lauper.

Hyman und Bazillian hatten sich in den 1970ern in der jazzigen Soft-Prog-Band Baby Grand kennengelernt, in der auch ihr späterer Leib- und Magenproduzent Rick Chertoff Mitglied war. Nach dem Ende von Baby Grand beschlossen die beiden, eine neue Band zu gründen, die zunächst ihrer Liebe zu Ska und Reggae Tribut zollen sollte. The Hooters spielten sich in den lokalen Clubs den proverbialen Arsch ab, und als Höhepunkt eröffneten sie – nach wie vor ohne Plattenvertrag – zusammen mit Santana und The Clash (welch ein Line-Up) 1982 das The Who-Konzert im JFK-Stadion in ihrer Heimatstadt. Nach einer kurzzeitigen Trennung und Reformation folgte 1983 das selbstfinanzierte Debütalbum „Amore“, das den Wechsel von den reinen Ska- und Reggae-Klängen der frühen Jahre zum heute noch bekannten The Hooters-Sound einleitete. Zur selben Zeit spielte die Band auf Cyndi Laupers „She’s So Unusual“-Album, das zu einem der erfolgreichsten Alben der 1980er wurde und auch The Hooters den lang ersehnten Plattendeal einbrachte. Das Album „Nervous Night“ verkaufte in den USA über zwei Millionen Exemplare und warf mit ‚And We Danced‘, ‚Day By Day‘, ‚Where Do The Children Go‘ und ‚All You Zombies‘ auch noch vier erfolgreiche Singles ab. In Europa und speziell Deutschland hingegen stellte sich der Erfolg erst mit dem nächsten Album „One Way Home“ ein – durchaus begünstigt von der berüchtigten Tour als Support für Heart, bei der The Hooters den Headlinern Abend für Abend ziemlich die Show stahlen. Weiter Höhepunkte waren beispielsweise die Mitwirkung bei Roger Waters‚ epischem „The Wall“-Event anno 1990 und das von MTV aufgezeichnete Thanksgiving-Konzert im Spectrum in Philadelphia, welches weltweit gesendet und infolgedessen vielfach gebootleggt wurde.

Nach einer Pause von 1995 bis 2001, in der The Hooters hauptsächlich eigenen Projekten nachgingen, ist die Band seit 2001 wieder in ihrer klassischen Besetzung, ergänzt um „Jungspund“ Tommy Williams aktiv und macht wieder genau das, was sie am Besten kann: touren, touren, touren. Erfreulicherweise machen The Hooters auch 2017 im Rahmen ihrer „Give The Music Back“-Tour mehrfach in Deutschland Station. Ob sich die Band darüber freut, wenn ihre Fans zu den Shows in „Who the Fuck is Bob Geldof„-Shirts auflaufen, ist nicht überliefert – aber so oder so ist ein Konzertbesuch auch in unverfänglicherem Dresscode absolut nahezulegen. Die Termine im Whiskey-Soda-Land:

2017-05-18, CH – Luzern,The Retro Festival
2017-06-22, D – Worpswede, The Music Hall
2017-06-23, D – Bad Rappenau, Blacksheep-Festival
2017-06-24, D – Lübbecke, Sommerbühne
2017-06-25, D – Erfurt, Gewerkschaftshaus
2017-06-26, D – München, Muffathalle
2017-06-28, D – Karlsruhe, Substage
2017-06-29, D – Geisenheim-Johannisberg, Schloß Johannisberg
2017-06-30, D – Pirmasens, Quasimodo
2017-07-01, D – Miltenberg, Beavers Open Air
2017-07-02, D – Dortmund, Strobels
2017-07-04, D – Bad Zwischenahn, Park der Gärten
2017-07-05, D – Hamburg, Markthalle
2017-07-06, D – Düsseldorf, Zakk
2017-07-07, D – Volkach, Weinfestplatz
2017-07-08, D – Brilon, Alme
2017-08-25, CH – Arbon, Summerdays Festival
2017-08-26, CH – Spiez, Seaside Festival

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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