…und täglich grüßt das Murmeltier – Wollos Blick zurück

Was für ein beschissenes Jahr! Sämtliche zwölf Monate standen und unter dem Dämon C. Wohl kein Lebensbereich, der nicht gelitten hat. Mit den (Schul-) Kindern vermutlich am meisten die Veranstaltungsbranche und ihre zig-tausend Mitarbeiter*innen – vor, hinter und auf der Bühne.

Selten war der alte Mucker-Witz unpassender als heute: „Was sagt ein Musiker ohne Job zu einem mit? Eine Pommes, bitte!“

Wenn das (musikalische) Highlight in den ersten Monaten, sowohl für Künstler*innen als auch Konsumenten, Streaming-Konzerte waren, sagt das alles aus, auch wenn ein paar schöne Momente dabei waren (z.B. Madsen).

Ein paar wenige echte Live-Momente im Sommer (u.a. Selig und Pohlmann) und sogar mit Hütte Rockt ein richtiges Festival (und meiner persönlichen Neuentdeckung des Jahres „Deine Cousine“) – aber auch hier mit Abstand, sitzen und Maske – konnten zwar für einige Stunden die dunklen Wolken vergessen machen, mehr aber auch nicht. Ständig trudelten erneute Konzert-Verschiebungen ein oder schlimmer ganze Absagen. Mein persönlicher Tiefpunkt war – nach bereits erfolgter Verlegung – das endgültige Aus der Die-Ärzte-Tour.

Immerhin konnte ich bei meiner Arbeit für Whiskey-Soda ein paar spannende Erlebnisse verbuchen. Neben vielen Alben, die ich schon vor Veröffentlichung zu Rezensionszwecken hören durfte, waren die Interviews u.a. mit Kai Wingenfelder von Fury in the Slaughterhouse Höhepunkte in den ansonsten dürftigen Monaten.

Aber das Schlimmste ist, dass der Ausblick in die nahe Zukunft wenig Positives verspricht. Ob die Branche sich wieder erholen wird, ist offener denn je. Hier nun eine Auswahl der neuen Platten, die ich für diese Seite rezensieren durfte, in einer persönlichen Hitparade zusammengefasst:

  1. Die Ärzte – Dunkel

Ein gutes, wenn auch kein hervorragendes Album, nur ein Jahr nach dem Vorgänger „Hell“. Zu gerne (s.o.) hätte ich diese Songs live gehört, die kommenden Shows passen leider nicht in meinen Kalender.

  1. Foo Fighters – Medicine At Midnight

Wie auch DÄ solide abgeliefert von Herrn Grohl und seinen Mannen. Keine Über-Hits, nur ein paar handwerkliche gut gemachte Rocknummern.

  1. Donots – Heute Pläne, morgen Konfetti (Biografie)

Was? Ein Buch in dieser Liste? Ja, genau. Die Band-Bio der Ibbenbürener Herren hat einfach sehr viel Spaß gemacht. Und wenn das Scheiß-Virus es zulässt, fügen sie im nächsten Dezember an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bei den Münster-Slams ein weiteres Kapitel dazu. Einen Bericht dazu gibt es dann hier!

  1. Selig – Myriaden (Live-Takes)

Nach vier Jahren Pause eine etwas ungewöhnliche neue Platte, eher zurückhaltend und weniger psychedelisch. Neben der normalen Studiofassung gab es eine Live-im-Studio-Version der neuen Songs. Etwas rockiger und irgendwie mit mehr Groove.

  1. Fury in the Slaughterhouse – Now

Das Studio-Comeback nach 13 Jahren Wartezeit und fast einem Jahrzehnt Band-Trennung. Ein paar schlichte Rock-Hymnen mit hohem Mitsing-Faktor, die sich nahtlos in die Klassiker einreihen werden auf der hoffentlich im Sommer stattfindenden Open-Air-Tournee.

Zum Abschluss bleibt nur die Hoffnung, dass die Impfungen irgendwann wirken, das Leben wieder normal wird und dass sich meine Lieblingskünstler nicht den unsäglichen Xavier/Wendler/Nena-Leerdenker-Reihen anschließen oder aus Frust und Existenzängsten ihren Job aufgeben und Pommes verkaufen.

Fotocredit: Wollo@Whiskey-Soda (Deine Cousine beim Hütte Rockt Festival)

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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