Tod und Wiedergeburt: Erics Jahresrückblick 2015

Es ist mal wieder so weit: Ein Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Der Wohlstandsbauch kämpft noch schwer mit der gebratenen Gans, im Wohnzimmer lärmen die Verwandten und im Hausflur stapeln sich die Geschenkverpackungen. Ein guter Zeitpunkt, um über das Vergangene zu sinnieren und neue Vorsätze für die Zukunft zu fassen, die dann doch wieder nur bis Mitte Januar halten. Während Günther Jauch im Fernseher über die bewegendsten Momente schwadroniert, lassen auch die Whiskey-Soda-Redakteure ihre Erinnerungen Revue passieren. Denn Rückblicke und Bestenlisten sind im Trend und wir wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben! Hier klärt euch Eric über seine Highlights auf.

Meine musikalischen Highlights dieses Jahres sind weder Alben noch Skandale. Stattdessen zwei Konzerte. Die einzigen beiden, die ich 2015 besucht habe. Passender Weise stehen sie für etwas, das auch der Jahreswechsel symbolisiert. Das Ende von etwas Altem und der Anfang von etwas neuem … Alten.

Da war zum einen die Europa-Reunion-Tour von Modern Life Is War, die sich 2008 aufgelöst hatten und 2013 wieder zusammenfanden. Mit ihren prägnanten Texten über die Tristesse im suburbanen mittleren Westen hat diese Band einen festen Platz in meinem Herzen. Live zu sehen bekam ich sie jedoch nie. Da es nach dem Release von ‚Fever Hunting‘ und einigen Shows in den USA auch schnell wieder ruhig um sie wurde, befürchtete ich schon, die Chance dazu in diesem Leben verpasst zu haben. 2015 sollte ich sie aber bekommen. Das Warten und Bangen hatte sich gelohnt. Die erste Reihe in der Pit war Pflicht! Die blauen Flecken trug ich wie ein Ehrenabzeichen auf der Brust. Einmal zusammen mit Sänger Jeffrey Eaton ins Mikro zu grölen stand auf meiner Liste der Dinge, die ich tun musste, bevor ich sterbe. Klingt vielleicht theatralisch, trifft aber den Kern. Von diesem Konzert nahm ich viele Erinnerungen mit. Leider auch eine fiese Seuche, die mich zwei Wochen lang ans Bett fesselte. Aber damit muss man halt rechnen, wenn man im Winter mit hunderten von schwitzenden Leuten durch die Gegend springt. Ich bereue nichts!

Zum anderen war da die Farewell-Tour von Bane, einer weiteren Band, die das Hardcore-Genre maßgebend mitgeprägt hat. Ihr letztes Konzert in Deutschland war ein geradezu bewegendes Ereignis, weil man dem sympathischen Sänger Aaron Bedard den Schmerz der baldigen Trennung sichtlich anmerkte. Trotz seines Alters von Mitte vierzig ist er durch und durch ‚Hardcore-Kid‘. Sein Schlabber-Look und die fast schon zum Markenzeichen gewordenen Bommelmütze machen ihn zum gelebten Slogan von ‚Passion Before Fashion‘. Auch wenn der Gesang bei Bane auf den Ersthörer wirkt wie dissonantes Geschrei, steckt in den Texten doch viel Herz und Tiefe. Entsprechend hoch ist der Verlust dieser profilierten Band, insbesondere, da sie eine der letzten waren, die den Sound der ‚Nuller-Jahre‘ (2000 bis 2010/2012) transportierten, der meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt hat. Aber irgendwann hat halt alles einmal ein Ende. Genau wie 2015. Was für eine tolle Überleitung! Da muss ich mich direkt selbst loben. Und da wir gerade bei ergreifenden Momenten sind und ein denkwürdiges Zitat am Ende eines Textes selbigem noch ein Sahnehäubchen aufsetzt, schließe ich meinen Jahresrückblick mit einer Strophe von Banes ‚End With An Ellipsis‘.

Not a thought in my head of beginnings or endings
Make the most of these days while they are still unfolding
Keep right on dancing while that curtain is closing


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.