THE HU in Zürich – Mongolische Horde überfällt Eidgenossen

Der letzte Feldzug der Mongolen und der Höhepunkt des Reiches von Dschingis Khan ist 850 Jahre her. Heute ist die Mongolei ein exotischer Staat in Asien, der bekannt dafür ist, die niedrigste Bevölkerungsdichte der Welt zu haben. Doch eine kleine Gruppe namens THE HU hat es geschafft, die Länder im Westen einmal mehr im Sturm zu erobern. Zwar mit Gitarrenkriegern anstatt Bogenschützen, aber immerhin mit martialischer Gestik. Die Vorbereitungen für den erfolgreichen Feldzug begannen als virales Wunder im Netz: Die sympathischen Mongolen-Metaller haben mit lediglich zwei Musikvideos und ohne überhaupt eine CD veröffentlicht zu haben, eine Europa-Tour ausverkauft. Und zwar zu Recht. Wir waren beim vorletzten Termin in Zürich mit dabei.

Der moderne Club Moods im Zentrum Zürichs ist an diesem Freitagabend mit schätzungsweise 300 Besuchern ausverkauft, die Luft heiß und die Stimmung gespannt. Etliche mongolische Flaggen und asiatische Gesichtszüge lassen darauf schließen, dass die mongolische Exilgemeinde der halben Schweiz den Weg in den Club gefunden hat. Wobei das alleine wohl nicht die Begeisterung des üblicherweise eher zurückhaltenden Schweizer Publikums erklären. Vermutlich ist es tatsächlich der zugegebenermaßen hochenergetisch vorgetragene Stilmix der im Live-Setting acht Jungs, der die erfolgreiche Show ausmacht. Und das, obwohl der Großteil des Publikums kein Wort von dem verstehen dürfte, was die Herren Mongolen da singen. Aber das ist zweitrangig, die Energie stimmt! Egal, ob bei eher ruhigen oder tatsächlich metallischen Nummern – die Jungs verstehen ihr Handwerk absolut und ziehen das Publikum von Anfang an in ihren Bann.

Die Interaktion mit dem Publikum, die Sympathie für die exotischen Instrumente, alles stimmt. Neben den Instrumenten, der Pferdekopfgeige, der mongolischen Gitarre, Trommeln und Maultrommeln, ist es natürlich vor allem der mongolische Kehlkopfgesang das faszinierende Alleinstellungsmerkmal der Jungs. Gemeinsam mit den E-Gitarren und den Drumbeats der zwei Schlagzeuge (ein modernes und ein traditionelles) lässt er unweigerlich Gänsehaut entstehen. Während dem rund 75 Minuten dauernden Auftritt war der Jubel genauso ungebrochen wie die „HU!“-Rufe des Publikums. Nach einem dermaßen erfolgreichen Einstand in Europa kann man der Gruppe nur weiterhin viel Erfolg wünschen. Die Veröffentlichung des im September erscheinenden Albums „The Gereg“ dürfte ein weiterer Meilenstein der Bandgeschichte werden. HU!

The Hu @ Moods Club, Zürich, Schweiz

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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