Cosmograf

The Hay-Man Dreams

Das war’s dann mit dem Weltall! Was das Cover schon erahnen lässt, bestätigt ein Blick in die Lyrics und erst recht das Hören des neuen Cosmograf-Albums: die philosphischen SciFi-Märchen und die dazugehörigen Soundscapes haben ausgedient, stattdessen gibt’s diesmal recht bodenständigen, überaus melancholischen Siebziger-Prog und eine Konzeptstory über einen jung verstorbenen Bauern, der über seine Familie als träumende Vogelscheuche wacht.

Wenn das so hingeschrieben an Steven Wilsons spukige „The Raven That Refused To Sing“-Vignetten erinnert, dann tut es das noch mehr, wenn man das Album tatsächlich hört. Robin Armstrongs neues Werk lehnt sich bisweilen so sehr an den typischen Steven Wilson-Sound an, daß man nachschauen muss, ob man zum Beispiel auf ‚Trouble In The Forest‘ nicht doch versehentlich das Original hört… die floydigen Background-Aaahs, die Spoken Word-Samples und ein typisches Porcupine Tree-anno-Signify-Gitarrensolo – alles da! Auch Schlagzeug-Neuzugang Kyle Fenton erinnert stilistisch gelegentlich an Chris Maitland – man nehme nur die feinen Becken-Akzente, die er im im Quasi-Titelsong ‚Hay-Man‘ zur Begleitung des Violinensolos von Rachel Hall (Big Big Train) spielt. Sekunden darauf wieder Spoken Word-Samples und die hohe, verhallte Telefonstimme, die Wilson auch so gerne einsetzt… wem „To The Bone“ zu neuzeitig klingt, dürfte sich mit „The Hay-Man Dreams“ defnitiv wohl fühlen.

Das Problem hierbei ist nur, daß Armstrong mit den letzten Cosmograf-Alben eigentlich bereits einen sehr feinen eigenen Stil entwickelt hatte, von dem auf „The Hay-Man Dreams“ allerdings für meinen Geschmack nur noch wenig übrig geblieben ist. Was freilich nach wie vor herausragt, ist das Armstrongs Talent für schöne, elegische Melodien und eingängige Gesangslinien – natürlich, schließlich verliert man bei einem stilistischen Schwenk nicht zwangsweise gleich das Talent zum Songschreiben.

Unterm Strich ist „The Hay-Man Dreams“ also ein durchaus gutes Album geworden, welches aber für meinen Geschmack zu sehr und vor allem auffällig im Fahrwasser des Herrn Wilson schippert. Für Robin Armstrong und Cosmograf ist das ein klarer Rückschritt in Sachen Originalität, was einen deutlichen Abzug in der B-Note zur Folge hat. Steven Wilson– und Porcupine Tree-Verehrer sollten aber dennoch hier mal eine Hörprobe wagen. Zu beziehen ist „The Hay-Man Dreams“ im Webshop von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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