MAX PROSA – Wann könnt ihr endlich friedlich sein?

Der Berliner Liedermacher Max Prosa ist erst 32 Jahre alt, legt nun mit „Wann könnt ihr endlich friedlich sein?“ aber sein bereits achtes Studiowerk vor. Das Besondere an diesem Album ist, dass es sich um ein Konzept-Album über und gegen den Krieg handelt. Der junge Musiker tritt damit in eine Reihe von u.a. dem vielleicht größten Protestsänger -und Literatur-Nobelpreisträger- Bob Dylan, mit dem er insbesondere zu Beginn seiner Karriere oftmals verglichen wurde. Ganz schön große Fußstapfen!

Fröhlich-poppige Gitarrentöne lassen einen zunächst irritiert zurück: Kann so ein Themen-Album über Gewalt und Frieden beginnen? Der Opener „Aschetanz“ macht direkt klar, dass (Anti-) Kriegslieder nicht zwingend düster und in Molltönen daherkommen müssen. Weiter geht es mit einem lupenreinen Tango, der die Hörer direkt „Hinunter in die Mine“ führt. Abgesehen von der mitunter unerwarteten Musik, ist ein genaues Hinhören bei den Texten erforderlich. Diese sind nicht selten sehr kryptisch und eine Interpretation ist erforderlich – genau wie beim oben genannten Altmeister. Etwas leichter macht es Prosa einem beim Stück „Mein Bruder“: „Ja, dies ist mein Bruder, Er ist aus demselben Holz, Im Herzen derselbe Stolz, Wie hier, wie bei dir, Und ja, dies ist meine Schwester, Ich lass sie hier nicht allein, Ich könnt auch dort drüben sein, Ist doch wahr, ist doch klar!“ Nur spärlich instrumentiert, zunächst einzig von seiner Akustik-Gitarre, später vom Keyboard und durchgehend vom einem kollektiven Handklatsch-Chor begleitet, singt der Künstler hier seine Sicht vom Gleichsein auf allen Frontenseiten. Der Titeltrack „Wann könnt ihr endlich friedlich sein?“ ist ähnlich rudimentär arrangiert, Max setzt seine Stimme bewusst als zusätzliches Instrument ein, zieht die Töne und Wörter nach oben, um sie kurz danach wieder abstürzen zu lassen. Auch hier lässt sich die musikalische Ahnenreihe nachverfolgen. Eine Geige begleitet die leise Gitarre, die den Abschluss „Leere“ als gerade einmal zehntes Stück die Scheibe beenden lässt.

Die Vergleiche mit Dylan sind nachvollziehbar, tatsächlich drängen sich beim Hören, nicht zuletzt auch aufgrund der Sprache (und des Stimmeinsatzes), Gedanken an Rio Reiser auf -was ja auch nicht die schlechteste Referenz ist. Nicht unbedingt eine Sammlung für Freunde von glattgebügelter und autogetunter Radio-Format-Musik, die einfach nur im Hintergrund laufen soll. Diese Platte will sich langsam erarbeitet werden, die Texte müssen vielleicht nach- oder mitgelesen werden, um die volle Wirkung zu entfalten. Wäre Max Prosa nicht erst Anfang 30, könnte man „Wann könnt ihr endlich friedlich sein?“ für ein gelungenes Alterswerk halten.

Note 2

Max Prosa Live 2022

15. SEPT. Magdeburg • Moritzhof

16. SEPT. Weimar • mon ami

17. SEPT. Potsdam • Lindenpark

20. SEPT. Speicher Husum

21. SEPT. Lüneburg • Kulturforum

22. SEPT. Hannover • Kulturzentrum Pavillon

24. SEPT. Duisburg • Bora

25. SEPT. Köln • Helios37

27. SEPT. Darmstadt • Centralstation

28. SEPT. Marburg • KFZ

29. SEPT. Tübingen • Sudhaus

30. SEPT. Mergener Hof  • Trier

03. OKT.  Kulturboden Hallstadt  • Hallstadt

04. OKT.  Regensburg • Alte Mälzerei

08. OKT.  Orpheum Graz  • Graz

22. OKT.  Brackenheim • Kapelle im Schloss

 

Live 2023

19. APR. Berlin • Columbia Theater

20. APR. Dresden • GrooveStation

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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