And The Wiremen

Send Me Low

  • Artist: And The Wiremen
  • Album: Send Me Low
  • Label: Solaris Empire
  • Release: 2015-05-15
  • Medium:
  • Bewertung:2+

And The Wiremen gießen zuberweise Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Freunde des musikhistorischen Nachwühlens und des informierten Namedroppings. Nicht, weil sie es krampfhaft darauf anlegten, sondern schlicht ihres enormen Gefühls wegen. Allen voran Songwriter Lynn Wright ist ein Meister seiner Zunft und beherrscht den lyrischen Facettenschliff.

Doch halt: Man muss ganz und gar nicht vom Fach sein, um Unmengen aus diesem Album herauszulesen, sei es nun stilistisch oder assoziativ. ‚Send Me Low‘ serviert im Akkord und fährt Dünger auf jedes noch so eingetrocknete Feld der Inspiration, treibt einen über die Planken des Chanson durch die staubigen Korridore des Film Noir ins Blues-Pantheon. Plötzlich ist sie da, diese Energie, sich überall hin zu wünschen, wo man sich ihr hingeben, sich vom Jazzbesen bauchpinseln, seinen Trompeten betören und vollkommen vernaschen lassen kann. Am liebsten in eine Bar, so urig und verhangen wie diese elf vom Kater kündenden Kompositionen. In Brooklyn, New York, versteht sich.

Es ist die Kunst des Ensembles, sich alle Zeit der Welt zu nehmen, am Ende aber dann doch kurz gefasst zu haben, die dieses Album so anziehend macht. Diese selbstsichere Geduld, Paul Watsons zäh schneidende Trompetenfäden, der verhangene, hypnotische Vibe von Stücken wie ‚Ten Paces‘, das sinnlich prasselnde Schlagzeug oder die strangulierten Steicher in ‚Caged Bird‘, die uns Herzlosen anlasten, einzusperren, was schön ist. Oder schön kann. Was die Frage aufwirft: Wer war derart herzlos, diesen herrlichen Ausschnitt akustische Urban-Wildnis auf ein Stück schimmerndes Plastik zu pressen?

‚Come here to me / Come here to me‘

, lockt Wright seinen Hörer dichter ans Gitter, um ihn sodann mit dem ersten – und im Grunde einzigen – instrumentalen Ausraster dieses fein herausgeputzten Albums wieder unwirsch von dort wegzupusten. Selbst in diesem Moment klingt ‚Send Me Low‘ noch echt und unaufgebauscht. Verführerisch gestrig, aber doch kein kalter Kaffee. Ein Original eben – und ein charmanter Move in Richtung all jener, die auf reifere Mmm…usik stehen.

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