Toploader

Seeing Stars

Toploader sind das klassische Beispiel eines One Hit-Wonders. Noch schlimmer, in ihrem Fall handelte es sich bei ihrem einzigen Hit ‚Dancing In The Moonlight‘ (2000) auch noch um einen Coversong. Nach nur zwei Alben, von denen das zweite von 2003 auch noch kolossal floppte, war dann erst mal Schluss, bevor die Band sich 2011 wieder reformierte und ein – ebenso unbeachtetes – Album veröffentlichte.

Mit „Seeing Stars“ gibt’s nun das vierte Album der Bandhistory zu begutachten. Leider ist auch nicht zu erwarten, daß diese Scheibe Toploader an die Spitze des Pogeschäftes katapultiert. Das Album setzt darauf, daß es eine Zielgruppe gibt, die schon jetzt Nostalgiegefühle für eine Zeit hegt, in der Robbie Williams mit ‚Angels‘ und ‚Better Man‘ die Radiolandschaft dominierte und Songs wie ‚Drops Of Jupiter‘ (Train) oder ‚Teenage Dirtbag‘ (von wem-auch-immer) noch die Zeichen der Zeit darstellten. Britney Spears und Christina Aguilera machten Millionen mit dem Erfinden der Lolita-Pop-Schiene, die Disney bis heute beackert, und im Rock dachten alle, Limp Bizkit wären die Zukunft. Will dahin aber wirklich irgendwer zurück? In Erkenntnis dieses Dilemmas wurde „Seeing Stars“ also sehr neuzeitig produziert, so daß ein Album entsteht, daß eigentlich vollhängt mit potenziellen Radiohits.

Die pianogetragene Mischung aus Neunziger-Bubblegum-Pop, Sixties-Motown-Flair und zeitgemäßen Trash-Disco-Sounds kommt, im Genre ja nicht unwichtig, auch durchweg mit eingängigen Hooklines und guter Laune. Songs wie der Keane-mäßige Opener ‚Boom‘, das pianogetragene ‚Together‘ oder das balladeske ‚A Moment Of Clarity‘ gehen ohne Umschweife ins Ohr und sind mit Sicherheit nicht schlechter als das, was die Zeitgenossen Robbie Williams und Train auf ihren letzten Alben so fabriziert haben. ‚Roll With The Punches‘ wildert im tanzbaren Revier von Bruno Mars, und auch die jüngeren Coldplay-Alben haben ihre Spuren hinterlassen. Theoretisch also genau der Stoff, nach dem sich Mainstream-Radio-Programmdirektoren die Finger lecken.

Das Problem von „Seeing Stars“ liegt aber leider genau in diesem „bitte-liebt-mich“-Flair, mit dem alle Songs auf maximale Nettigkeit getrimmt werden. Dabei gibt es in ‚Boy Machine‘ oder dem ausgedehnten Synthie-Solo in ‚Is This A Rainbow‘ sehr wohl Momente, in denen sich überraschenderweise ein gewissses psychedelisches Flair ausbreitet. Das läßt erahnen, daß hier tatsächlich echte, lebendige Musiker dahinterstehen, wird aber von der gleichförmigen und sterilen Produktion sofort im Keim erstickt. „Seeing Stars“ ist symptomatisch für das Dilemma der Band – und in der Tat der meisten One Hit-Wonders: um eine dauerhafte Publikumsbindung zu erreichen, sind Toploader dann doch schlicht zu gesichtslos. Nicht das große Handwerk, welches ein Elton John, Stevie Wonder oder lange Zeit eben auch Robbie Williams zu leisten in der Lage waren, sondern ein weiteres IKEA-Regal, das für eine Weile durchaus seinen Zweck erfüllt, aber beim nächsten Umzug aussortiert und durch’s neuste Modell ersetzt wird.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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