Oceans Of Slumber – Starlight And Ash

Dies wird eine schwierige Rezension. Man muss Musik immer auf verschiedene Arten hören – einfach als Fan, als Kritiker, das Große Ganze betrachtend und das Individuelle verstehend.

Und damit stellen Oceans Of Slumber den Hörer vor ein riesiges Problem.

Das neue Album „Starlight And Ash“ ist ebenso grandios wie es auf seine eigene Art eine Katstrophe ist. Kurz am Rande – sowohl Produktion als auch Mix und das Coverartwork suchen ihresgleichen. Unglaublich klar, präzise und wunderschön. Das nur nebenbei.

Geburt eines neuen Genres

Die Band bezeichnet sich selbst mittlerweile als New Southern Gothic. Von einer ursprünglich in einer leicht proggen Version von Doom beheimateten Band, die vor allem mit Coverversionen von Candlemass‘ „Solitude“ und Type 0 Negative’s „Wolf Moon“ gezeigt haben, wo sie sich selbst verorteten, haben sich Oceans Of Slumber in etwas Anderes verwandelt. Das neue Album ist düster wie Doom, einerseits staubig wie die Wüste während die Sonne aufgeht, andererseits feucht wie die Meeresbrise beim Sonnenuntergang. Die Band erzählt in ihren Songs eine zusammenhänge Story über verschiedene Protagonisten in einem fiktiven Dorf – die Story würde ein gutes Drehbuch für einen Film abgeben.

Allerdings ist das neue Album musikalisch nichts, was irgendjemand noch guten Gewissens als „Metal“ bezeichnen kann. Trotz „Red Forest Roads“ und „Just A Day“, in denen noch verzerrte Gitarren und entfernter Doublebass zu vernehmen sind, gibt es auf diesem Album nichts mehr, was auch nur entfernt an den Metal früherer Tage erinnert. Mit viel Wohlwollen kann man „Starlight And Ash“ vielleicht mit den akustischen Alben von Katatonia vergleichen, vermengt mit dem Staub des Gothic Country.

Alles in allem haben wir ein herausragendes Album, dessen Genre bandseitens mit „Southern Gothic“ ziemlich treffend beschrieben ist.

Reduzierung auf das größte Trumpf: Der Gesang

Doch warum ist dieses Album so herausragend? Weil es sich nahezu völlig auf die Stimme von Sängerin Cammie fixiert. Die Stücke sind extrem reduziert, die überlangen Doomster mit Wechselgesang, Growls und Blastspeed-Parts existieren nicht mehr. Die Band stellt das mit Abstand größte Kapital, das sie besitzen, in den Vordergrund. Cammies Stimme sucht ihresgleichen – es gibt im (Metal-)Zirkus niemanden – NIEMANDEN! – der auch nur annähernd soviel Soul, soviel Bandbreite, soviel Intensität und Gefühl besitzt wie Cammie.

Metal ist und war konservativ und – seien wir mal ehrlich – ein von Nichtschwarzen dominiertes Genre. Dazu kommt dann noch, dass Female Fronted mittlerweile zum Glück immer mehr wird, doch eine Schnittmenge – eine schwarze, von Soul erfüllte Sängerin – ist nahezu inexistent.

Und damit kommen wir zu dem Teil, in dem dieses Album eine Katastrophe ist. Fans großartiger, emotional-düsterer Musik mit sensationellem Gesang sind die Gewinner dieses Albums – genauso wie die Band selbst, die über einen doch nicht allzu kurzen Zeitraum nach einer Identität gesucht hat – die sie mit diesem Album, das klingt wie aus einem Guß, erkennbar gefunden haben.

Der Metal verliert seine größte Stimme

Der ganz große Verlierer dieses Albums ist das Genre. Der Metal hat eine der grossartigsten Stimmen verloren, die es je im Metal gab. Vorreiter sein, voran gehen, Beispiel sein für andere junge Schwarze, die keinen Rap oder R’n’B machen wollen, sondern harte Musik – das hätten Oceans Of Slumber auch weiterhin sein können. Doch sie haben entschieden, keinen Metal mehr zu machen.

Dennoch, ein neues Genre zu definieren ist auch eine Vorreiterrolle. Hoffen wir, dass „Starlight And Ash“ soviel Erfolg hat und den Bekanntheitsgrad der Band weiter steigert, so dass viele aufstrebende Mädchen und Jungs dazu motiviert werden, mutig zu sein und einen Weg zu gehen, der anders ist.

Bewertung: 1

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