Magnum

The Valley Of Tears – The Ballads

  • Artist: Magnum
  • Album: The Valley Of Tears – The Ballads
  • Label: Spv / Steamhammer
  • Release: 2016-12-06
  • Medium:
  • Bewertung:0

Es gibt wirklich nicht viele Rockbands, bei denen eine Balladensammlung Sinn macht. Seien wir ehrlich, die große Kunst der Powerballade hat bei den meisten Bands in den letzten Jahren eher schlabbrige Schmuseschlager hervorgebracht als potenzielle Lieblingslieder mit Seufz-Faktor 10.

Im Falle Magnum sieht das freilich etwas anders aus. Die britischen Plüsch-Götter hatten schon immer einige ihrer besten Momente dann, wenn sie hemmungslos schmusig wurden – dank des nie platten Songwritings von Tony Clarkin und der großartigen Gänsehautstimme von Bob Catley. So kann man „The Valley Of Tears – The Ballads“ ganz problem- und schamlos am Stück durchhören, ohne das Langeweile aufkommt. Interessant daran ist, daß die Band wie bei der „Evolution“-Compilation auch hier nicht einfach Albumtracks aneinandergeklatscht hat, sondern der Großteil der Songs remixt oder gleich komplett neu eingespielt wurde. Die Hits wurden dabei weitgehend außer Acht gelassen, stattdessen konzentriert sich das Album auf die jüngere Vergangenheit und da speziell auf die Sachen, die vielleicht etwas untergegangen sind. Schade, daß ausgerechnet der großartige Opener ‚Dream About You‘ (vom „Breath Of Life“-Album) nur remastered wurde – da hätte ein Remix oder eine komplette Neueinspielung aufgrund der laschen Produktion und der sterilen Computerdrums definitiv mehr Sinn gemacht. Die Neuversionen von ‚Back In Your Arms Again‘ (von „Rock Art“) und ‚Broken Wheel‘ („Sleepwalking“) rauchen die Originale dank mehr Dynamik nämlich glatt in der Pfeife. Auch der „Vigilante“-Singlehit ‚Lonely Night‘ wurde komplett neu aufgezäumt. Dafür nutzte man die Akustikversion von „Keeping The Nite Lite Burning“ als Grundlage und arrangierte diese für elektrisch verstärkte Bandbesetzung. Ebenfalls vom „Vigilante“-Album stammt das Original von ‚When The World Comes Down‘, das hier in einer angeblichen „new live version“ vorliegt. Fragt sich nur, wo die herkommen soll – der Song wurde nämlich seit 1993 von Magnum nicht mehr live gespielt. Geschenkt – ist nämlich auch ungeklärter Herkunft ’ne coole Version eines großen Songs. Die remixten Versionen von ‚The Valley Of Tears‘, ‚A Face In The Crowd‘ und ‚Putting Things In Place‘ bleiben größtenteils sehr nah an den Originalen, so daß kaum große Unterschiede auffallen, weder im Positiven noch Negativen. Nur ‚The Last Frontier‘ gefällt mir in der soundtechnisch wärmeren Originalversion deutlich besser.

Als Magnum-Fan kann man ohne Frage hier zuschlagen, denn die Zusammenstellung fließt gut und die Band hat sich auch – trotz des wenig ansprechenden Artworks – offensichtlich Mühe gegeben, ein wertiges Produkt anzubieten. Dem Gelegenheitsfan werden allerdings die bekannten Hit-Balladen wie ‚It Must Have Been Love‘, ‚Les Morts Dansant‘ oder auch ‚The Word‘ fehlen. Aber wer weiß, vielleicht wird ja „The Valley Of Tears – The Ballads“ auch zum unerwarteten Verkaufsschlager, dann können die Jungs ja mit Part II nachlegen – genug großartige Songs haben sie dafür definitiv.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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