Destroyer

„Unsere Fans würden neue Songs überhaupt nicht annehmen“, sagte Kiss-Mastermind Paul Stanley sinngemäß gegenüber Fans vor wenigen Wochen. Die Masken-Männer, aktuell auf Abschiedstour, bauen aber auf die Liebe ihrer Anhänger zum alten Material. Daher legen sie nun 45 Jahre nach Erscheinen ihre erfolgreichste Scheibe „Destroyer“ in einer Neuauflage vor. Wenn die Band in ihrer Karriere eine Sache kultiviert hat, dann Kaufanreize für ihre Kunden zu schaffen, und so erscheint das Werk inklusive mehrerer Bonus-Tracks.

Leises, nur schwer verständliches Radio-Gebrabbel und ein startendes Auto klingen aus den Boxen, bevor das Riff zum Klassiker „Detroit Rock City“ die Platte – und bis heute die meisten Konzerte – eröffnet. Der Wagen hat am Ende einen Unfall und das Quietschen der Reifen geht nahtlos in die rückgekoppelte Gitarre von Ace Frehley über, aus der „King Of The Night Time World“ erwächst. Typische Gitarren-Riffs inklusive Mitsing-Refrain lassen einen wundern, dass diesem Titel kein allzu großer Erfolg beschieden war.

„God Of Thunder“, ebenfalls in fast jeder Setlist zu finden, ist eine düstere Rocknummer. Eigentlich aus der Feder von Stanley, überlässt dieser jedoch dem Kollegen Gene Simmons die Lead Vocals. Eine melodiöse Gitarren-Melodie eröffnet „Shout It Out Loud“. Eine der wenigen Gelegenheiten, bei der sich die beiden Frontmänner gleichberechtigt das Mikro teilen.

Nachdem damals die ersten Singles floppten, musste ein Hit her. Die völlig untypische Klavier-Ballade „Beth“, ausgerechnet auch noch vom Schlagzeuger Peter Criss intoniert, war 1976 der bis dahin größte Erfolg der Truppe. Der Drummer wird in den Lyrics sehnsüchtig von seiner Frau zu Hause erwartet. Er wird aber bei der Probe gebraucht, denn „me and the boys are playing, and we just can’t find the sound“, aber er verspricht ihr schwülstig „I’ll be right home to you“.

Zunächst nur mit Gesang und Schlagzeug beginnt die Hymne „Do You Love Me“, die noch einmal ordentliche Gitarren-Wände erzeugt und einen lauten Abschluss im typischen KISS-Gewand liefert. Als Abspann folgt noch etwa eine Minute eine Kakophonie aus zusammengewürfelten Klangfetzen und beendet „Destroyer“ nach 35 kurzweiligen Minuten.

Die Zugaben, bestehend aus Demos und Live-Aufzeichnungen, sind eher für Die-Hard-Fans ein Ansporn. Zum regelmäßigen Anhören taugen die Nummern eher wenig, der Sound entspricht weitestgehend nicht den Ansprüchen an reguläre Scheiben, als Zeitdokument sind sie aber allemal ein nettes und interessantes Beiwerk.

Wie immer stellt sich bei einem Re-Release die Frage, ob sich die Anschaffung lohnt. Wem diese CD noch fehlt oder wer noch gar keine des Quartetts im Schrank hat, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. Wer „Destroyer“ schon sein Eigen nennt und an weitergehenden Liedern mit begrenzter Hörqualität kein Interesse hat, sollte sein Geld lieber für die anstehenden Abschiedskonzerte im kommenden Jahr ausgeben.

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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