Requiem

Spötter und böse Zungen mögen behaupten, dass es jetzt endlich soweit ist: Korn haben mit dem Titel ihres neuen Albums „Requiem“ (Loma Vista) aufgrund der schwankenden letzten Veröffentlichungen endlich Einsicht gezeigt und ihre eigene Totenmesse eingeläutet.

Dass die Vorreiter des Nu-Metals dies überhaupt nicht so sieht wird direkt beim Opener „Forgotten“ klar. Denn Korn überraschen mit neuen Akzenten in ihrem Schaffenswerk. Nachdem die erste halbe Minute noch im typisch harten Groove daherkommt, driftet der Track ins melodische ab. So handzahm und eingängig hat Jonathan Davis selten gesungen.

Noch verwunderlicher ist, dass diese Ausrichtung kein Irrläufer war, sondern das Quintett diesen Weg konsequent fortsetzt. Wut, Aggression und Frustration früher Tage scheinen passé zu sein oder werden nur bewusst akzentuiert gesetzt. Lediglich „Worst is on the Way“ und „Hopeless and Beaten“ erinnern musikalisch an die orientierungslosen Jugendlichen, deren Stimme Korn zu Zeiten von Alben wir „Follow the Leader“ oder „Issues“ waren.

Das soll keineswegs heißen, dass Korn nicht ihre typischen Trademarks wie die dichte Rhythmusfraktion, die Gitarrenriffs und den peitschenden Bass einsetzen. Es wirkt nur etwas gereifter. Die dicke Hose muss nicht mehr zwingend sein. Passend dazu ist auch die Produktion angenehm zurückhaltend. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass die US-Amerikaner so viel Zeit wie noch nie für eine Platte hatten. So konnten sie sich ausführlich mit den Arrangements auf „Requiem“ befassen. Besonders deutlich wird dies am überraschend langen Schlagzeug-Bass-Intro von „Lost in the Gradeur“ oder der feinen Gitarrenmelodie in „Disconnect“.

Das schöne an „Requiem“ ist, dass Korns Versuch aufgeht. Korn zeigen sich so reif und erwachsen wie nie. Die melodiösen Komponenten funktionieren über größere Teile des Albums erfreulich gut. Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass Jonathan Davis auch nach 29 Jahren im Musikgeschäft wohl nicht mehr der Texter mit den größten Feinheitenwird. So können sie zumindest dem Teil ihrer Fans, der nicht nur den alten Tagen hinterhertrauert, noch eine Freude machen.

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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