Horizonte und Silberstreife: Valentins Alben des Jahres 2014

Kinder, wie die Zeit vergeht! Und wie wenig selbst die tollsten Veröffentlichungen ihr Einhalt gebieten können. Hand auf's Herz: Es ist wieder an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Indie-Chef Valentin ist in sich gegangen und hat auf fünf der essentiellsten Alben des scheidenden Jahres einen Toast ausgeschrieben - und die allgegenwärtigen Alt-J, Caribou und Metronomy ausnahmsweise mal auf der Ersatzbank gelassen.

the_antlers_-_familiars.jpgPlatz 1: THE ANTLERS – Familiars PIAS Coop / Transgressive

Die schwergängige, trompetendurchwirkte Trübsalsuppe entpuppt sich nach ein wenig Warmlaufzeit als zum Dahinschmelzen schöne, melancholische Kuscheldecke für den ganz großen Blues. Zehn schlichte Tracks, deren Wirkung sich im Zusammenspiel zur nächsten musikalischen Heldentat der New Yorker Band potenziert.

fkat_twigs_-_lp1.jpgPlatz 2: FKA TWIGS – LP1 Young Turks / XL / Beggars

TripHop frisst R’n’B: Mit ihrem Debüt-Longplayer sprengt Tahliah Barnett Rahmen und verrückt Grenzsteine; weder Harmonie noch Metrum sind vor ihren überirdisch anmutenden, harmonie- und rhythmusverschleppten Arrangements sicher. Ein schöneres, vereinnahmenderes Zerrbild landläufiger Klang-Ästhetik ist weit und breit nicht in Sicht.

arca_-_xen.jpgPlatz 3: ARCA – Xen Mute

Ein unkoordinierter Haufen Geräusche findet durch einen 24-jährigen Zeitreisenden zu seiner Schwarmintelligenz und formiert sich zu einer lose, aber ausgeklügelt durch die Dimensionen schlitternden Nano-Sinfonie, für die unsere Ohren auch in fünf Jahren noch nicht bereit gewesen wären. Arca gehört die Zukunft – wissen auch FKA twigs und Björk, die auf seine Gewitztheit als Produzent bauten.

interpol_-_el_pintor.jpgPlatz 4: INTERPOL – El Pintor PIAS Coop / Soft Limit

Mag das Cover auch an Seifenwerbung denken lassen – Interpol haben sich nicht auf-, sondern vielmehr hingegeben: der subtilen Düsterkeit, den vertrackten Glaswoll-Gitarrenknäueln, der blechernen Unterkühltheit. Und das alles mit Paul Banks am Bass. Wieder eine zähe Geschichte, wieder erste Seif… äh, Sahne. Ob Carlos Dengler schon was bereut?

alcest_-_shelter.jpgPlatz 5: ALCEST – Shelter Prophecy

Stéphane Paut, genannt Neige, hatte genug von Gutturalgesang und von metallischer Behäbigkeit im Allgemeinen. Eine Entschlackungskur und zahlreiche Strandurlaube später präsentieren sich Alcest als schwereloses, stilentkoppeltes Ätherwesen – und faszinieren mehr als je zuvor. Ein wärmendes Album voller Licht, zum Abschweifen und Wegträumen.

Moment noch! Kein Rückblick ohne diese zwei Bewegtbild-Highlights: das fantastisch-niederschmetternd-albträumerische Video zum nicht minder faszinierenden ‚Distorted Angels‘ von Archives (natürlich sonst eher mäßigem) Album ‚Axiom‘ …

… sowie der Cameo-Auftritt von Sigur Rós in der vierten Game Of Thrones-Staffel – als Spielmannsgespann auf König Joffreys Hochzeitsgelage:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.