Die Nadeln im Heuhaufen: Johannas Alben des Jahres 2014

Hätte man die Möglichkeit, all die wundervollen Singles zu sammeln, die 2014 hervorbrachte, hätte man mit Sicherheit das Album des Jahrhunderts zusammenstellen können. Große neue Hoffnungen (man denke hierbei einmal an Banks oder FKA twigs) sowie bahnbrechende Versuche eine Stufe höher zu steigen (siehe Future Islands, Warpaint, The War on Drugs oder Real Estate), lieferten dem Publikum einen überzeugenden Song nach dem anderen. Etwas schwieriger wird es mit den Alben. Haben die Singles zwar überzeugt, verloren viele Künstler jedoch knapp den Kampf um den Platz der ganz großen Albumhoffnung. Während 2014 anfangs ein wenig an einem vorbeizuschwappen schien, waren es nun die ganz besonders kleinen Silbernadeln, die man im Heuhaufen eines beachtlichen Jahres suchen und finden musste.

Jungle_Jungle.jpgJUNGLE – ‚Jungle‘

Es braucht keine komplette Neuerfindung, sondern lediglich eine Rückbesinnung zu alten Tagen, um die perfekte Tanzplatte des Jahres zu veröffentlichen. Wie ein warmer Schauer zieht einem der 70er-Groove über den Rücken, angereichert mit der gehörigen Schippe Soul und Funk kriecht jeder Ton in Mark und Bein. Mit ihrem Debüt ist Jungle eines der besten, wenn nicht sogar das beste Album des Jahres gelungen.

Jessie_Ware_Tough_Love.jpegJESSIE WARE – ‚Tough Love‘

Die vielbesungene Liebe hat noch nie so süß geschmeckt wie auf Jessie Wares Zweitlingswerk. Eigener Glückstaumel und mit neuem Ring am Finger schöpfte sie ihre gesamte Inspiration aus dem privaten Glück. So abgedroschen das auch klingen mag – so zarte und süße Melodien, wie sie auf ‚Tough Love‘ zu finden sind, wären ohne besagten Umstand nie entstanden. Und auch Jessie weiß: Die Liebe ist nicht immer nur ein Zuckerschlecken – hier sei auf den herausragenden Titeltrack verwiesen.

Royal_Blood_Royal_Blood.jpgROYAL BLOOD – ‚Royal Blood‘

Simpel, einfach und auf den Punkt gebracht – anders lässt sich das Debüt der beiden Engländer nicht beschreiben. Hier trifft Rock auf Punk, Blues auf Garage und Ben Thatchers Drums auf Sänger Mike Kerrs Bassgitarre. Mehr braucht es nämlich nicht, um einen fulminanten Longplayer zu basteln. Diese Simplizität macht Royal Blood zu einer der größten Nummern aus 2014 und heilt die von Synthie- und Elektropop geschundenen Rockerherzen.

Howling_Bells_Heartstrings.jpgHOWLING BELLS – ‚Heartstrings‘

Zweimal leicht vom Wege abgekommen liefern Howling Bells mit ihrer vierten Platte ‚Heartstrings‘ endlich wieder den besten Beweis dafür, dass sie nach ganz oben gehören. Eine perfekt ausgefüllte halbe Stunde überrollt einen fast mit neugefundener Energie, die seit ihrem Debüt-Kunstwerk verloren geglaubt schien. Altbekannte Gitarrenriffs, angereichert mit ordentlich Blues, Folk und Grunge bis hin zu zerbrechlich zarten Balladen machen ‚Heartstrings‘ zu einem Hörerlebnis der Extraklasse.

Damon_Albarn_Everyday_Robots.jpgDAMON ALBARN – ‚Everyday Robots‘

Obwohl es schon so schien, als hätte Damon Albarn bereits alles gemacht, hört man den Britpop- und Gorillaz-Vater auf ‚Everyday Robots‘, wie er sich komplett neu erfindet. Getragen von feinster Melancholie und Nostalgie komprimiert er Erlebtes aus vergangenen Zeiten auf einer Disk und kehrt dort – seiner ganz untypisch – tiefe Gefühle nach außen. Nicht nur ein faszinierendes Debüt, sondern auch Zeugnis von über fast 20 Jahren Musikgeschichte.

… und weil dieses Jahr nun hauptsächlich einen Haufen an unglaublichen Songs hervorgebracht hat, hier die Top 5 der Singles 2014:

1. TV On The Radio – ‚Happy Idiot‘

2. FKA twigs – ‚Two Weeks‘

3. Blood Red Shoes – ‚An Animal‘

4. The War On Drugs – ‚Red Eyes‘

5. Future Islands – ‚Seasons (Waiting On You)‘

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