ELENA RUD – “Nicht Reden ist Schweigen”

Elena Rud, das ist doch … Genau, diese Münchener Band mit der Musik irgendwo zwischen Indie-Rock und Synthiewave, kombiniert mit Texten, die so viele Probleme ihrer Generation aufgreifen, dabei aber fluffige Flausen auch nicht zu kurz kommen lassen. Kein Wunder, dass die Band gerade von sämtlichen Branchen-Festivals wie dem Reeperbahn Festival oder dem Nürnberg Pop gerade ziemlich lieb gehabt wird. Höchste Zeit also, einmal nachzuhaken, wie das gerade so ist, was da alles auf sie einprasselt oder warum ein Auseinandersetzen mit dem Problemgemenge durchaus auch Selbsttherapie sein kann.

Für alle, die dich noch nicht kennen – beschreibe doch mal deinen Melancholic Love Shit.

Melancholic Love Shit ist irgendwie alles, was uns ausmacht. Ein kleiner Seiltanz zwischen ernst zu nehmenden Themen und wilden, zuckenden Bewegungen auf der Tanzfläche.

Du spielst gerade auf einigen der großen Branchen-Festivals wie z. B. dem Reeperbahn Festival. Wie sehr ehrt dich das?

Ehre ist kein Ausdruck. Für mich ist bzw. war das Reeperbahn Festival ein echter Ritterschlag. So viele tolle, kreative Menschen auf einem Haufen – das ist Liebe.

Empfindest du die Musik als Zufluchtsort, oder gilt es gerade in der Szene aufmerksam zu sein und kritisch zu hinterfragen, was dort passiert. Wie hast du das selber erlebt?

Ich denke, es ist ein schmaler Grat und geht ineinander über. Musik ist ja nicht linear, besonders als Künstler:in. Manchmal flieht man regelrecht in Songs, manchmal verarbeitet man spezielle Themen und manchmal hinterfragt man sich selbst auch etwas. Sehr schwammige Antworten wie diese LIEBEN Künstler:innen außerdem.

Eins deiner zentralen Themen ist body positivity. Dafür nutzt du nicht nur die Musik, sondern auch deine Kanäle und machst dich ja gleichzeitig damit ziemlich angreifbar. Möchtest du die toxischen Schönheitsideale aufbrechen?

Das klingt viel zu uneigennützig. Für mich war es im ersten Schritt ein Weg, meine eigene Essstörung anzugreifen. Quasi Selbstheilung. Ich hab mir als Kind oft buntere, lautere Menschen in den Medien gewünscht. In allen Körperformen. Ich möchte einfach, dass niemand mehr so viel Selbsthass ausgesetzt ist wie ich es war.

Dein neuer Song „Wert (Aber wo?)“ geht sogar noch einen Schritt weiter und thematisiert physische und/oder sexualisierte Übergriffe. Um dadurch zu einer Enttabuisierung beizutragen?

In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Das schlimmste dabei? Befinden sich die Opfer in Beziehungen, kommt es nicht nur kaum zur Anzeige, auch werden sie durch Gaslighting jeglicher Macht beraubt. Wer über so was nicht redet, der schweigt.

Findest du es wichtig, dass sich durch die gerade geführte Diskussion diesbezüglich auch mehr Role-Models entwickeln, um Orientierung zu bieten?

Ich glaube, die Gesellschaft verschließt sich nicht mehr vor dem Offensichtlichen. Es gibt keine heile Welt mehr. Wir sind jetzt vielschichtiger, tiefsinniger und sehnen uns nach etwas mit Reflexion und Wert.

Woran hast du selbst dich orientiert?

Ich lasse mich viel von meinem Umfeld inspirieren. Orientierung klingt aber viel zu sehr, als wüsste ich, was ich da tue.

Stehen die vier Jungs in deiner Band immer hinter deinen Themen oder habt ihr auch mal Diskussionsbedarf?

Kleine Lobeshymne auf mein Rudel: Alle sind so reflektiert, emphatisch und talentiert. Wir gehen in diesem Projekt durch dick und dünn und sie geben mir besonders bei emotionalen Themen extrem viel Halt. Erklärungsbedarf gibt es primär zu meinem Schreibprozess, aber nicht zu den Themen.

Damit wünschen wir Elena Rud viel Erfolg bei allem, was sie noch so aus ihrer – nicht nur musikalischen – Wundertüte hervorzaubert.

Fotocredit: Theresa Riva Fischer

Elena Rud Bandhomepage

Elena Rud bei Instagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.