DONOTS – Krautsurfen statt Crowdsurfen

Nach 888 Tagen Live-Pause muss auch eine der sonst bestens eingespielten Live-Bands den Rost abschütteln und die Ketten neu ölen. Da die Donots einen Tag später Deutschlands größtes Festival „Rock am Ring“ eröffnen, haben sie zur Warm-Up-Party in die Sputnikhalle in Münster eingeladen. Am Tag davor gab es noch ein nicht-öffentliches und sehr intimes Konzert mit ihren Hardcore-Fans, dem Circle Pit Club, das auch Auswirkungen auf diesen Abend hat.

Schon vor dem ersten Ton spürt man, dass etwas Besonderes in der Luft liegt und es ein spezieller Abend wird. Die Herren werden mit Sprechchören auf die Bühne geholt, um Punkt 21.00 Uhr eröffnet „Calling“ das Set und aus hunderten Mündern wird der Refrain mitgebrüllt. Nahtlos geht es mit „Wake The Dogs“ weiter. Direkt zwei der dicksten Knaller zu Beginn! Das kann man Chuzpe nennen, aber keine 24 Stunden später muss ja der Ring mit diesem Programm von der ersten Minute an zum Tanzen gebracht werden. Die Jungs sind heiß. Ingo singt sich die Seele aus dem Leib, Guido drischt auf die Saiten ein, als gäbe es kein Morgen, Jan-Dirk und Alex schwitzen ihre Instrumente voll, während Eike sein Schlagzeug vermöbelt. Hit um Hit wird abgefeuert und vom Publikum frenetisch bejubelt und mitgesungen. Man merkt allen Anwesenden die Konzert-Entzugserscheinungen der letzten Jahre an.

Zwischendrin gibt es amüsante Bus-, Kotz- und Partygeschichten vom jüngeren der Knollmann-Brüder, die teilweise hier in der Location schlafend im Regen auf einem Tisch geendet sind. Ob er bei einigen der Anekdoten wirklich erst elf Jahre alt war, wie er sich zu erinnern glaubt, wird nicht nur von den Kollegen amüsiert bezweifelt. Frontmann Ingo, dem traditionell kein Wortspiel zu peinlich ist, hatte am Vorabend mit einem Lavendel in der Hand verkündet, dass Crowdsurfen wegen der Pandemie noch nicht möglich sei, und deshalb Krautsurfen zum neuen Sport erklärt, wie Alex grinsend erzählt. Einige Fanclub-Mitglieder sind auch heute dabei und haben weitere Kräuter mitgebracht, die dann von der Truppe durch den Saal geschickt werden.

Mit der ersten Hit-Single „Whatever Happened To The 80´s“ enden leider 60 punkige Minuten schon wieder und alle haben ein bisschen Zeit, um Luft zu holen – doch natürlich war es das noch nicht.

Die Ibbenbürener sind in diesem Sommer bei zahlreichen Open Airs von die ärzte und Die Toten Hosen als Support gebucht und haben sich mit deren Nummern vertraut gemacht. Mit „Hier kommt Alex“ und „Schrei nach Liebe“ werden die Zugaben eröffnet und genauso abgefeiert, als wären es eigene Lieder.

Natürlich darf „We´re Not Gonna Take It“ nicht fehlen und „So Long“ lässt alle zum Finale noch einmal minutenlang mitsingen. Die Donots adeln ihre Fans zum Schluss: „Was Ihr hier veranstaltet, müssen die 80.000 am Ring morgen erst einmal toppen!“, und sie versprechen außerdem, sich bald mit großen Neuigkeiten zurückzumelden.

Selten kann man nach einem Konzert in dermaßen viele strahlende Gesichter schauen wie an diesem Abend – es waren nämlich ausnahmslos alle. Durchgeschwitzte und kaputtgerockte Menschen vor und auf der Bühne haben diese durchgehenden 80 Minuten Ektase genossen und gemeinsam eine Feierrakete abgeschossen. Münster ist auf jeden Fall bereit für das Doppel-Wochenende im November mit u.a. Frank Turner.

 

NACHTRAG:
Nur einen Tag nach der Show halten die Jungs Wort und kündigen ihr neues Studio-Album „Heut ist ein guter Tag“ für 2023 an, mehr dazu lest Ihr hier.

 

 

SETLIST

Calling

Wake The Dogs

Dead Man Walking

Keiner kommt hier lebend raus

Stop The Clocks

Problem kein Problem

Kaputt

Ich mach nicht mehr mit

Piano Mortale

Willkommen Zuhaus

Eine letzte letzte Runde4Whatever Happened To The 80´s

– – – – – –

Hier kommt Alex

Schrei nach Liebe

We´re Not Gonna Take It

So Long

 

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Fotos: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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