SELIG – Mit reichlich Verspätung auf der Bühne

27 Monate und die akademische Viertelstunde später als die ursprüngliche Ankündigung zur „Selig macht Selig“-Tour im März 2020 entern die Hamburger Jungs von Selig endlich die Bühne vom Rosenhof in Osnabrück. Der Grund für die insgesamt fünfmalige Verschiebung und dreimalige Tour-Motto-Änderung ist bekannt, Sänger Jan will das heute ausdrücklich nicht zum Thema machen.

A capella erklingt „Imagine“ von John Lennon aus den Boxen, bevor die Herren die Bühne betreten und „Schau Schau“ das erste Lied ist, das von oben und aus knapp 900 Kehlen schallt. Gleich der Opener geht mehrfach in die Verlängerung, weil alle begeistert den Refrain wiederholen. Musiker und Publikum sind heiß und beweisen ab der ersten Sekunde, dass heute was geht. Im März 2021 erschien mit „Myriaden“ das letzte Werk der Truppe, das „coronabedingt leider ein wenig versandet“ ist, wie Frontmann Plewka als Einleitung zum Titel-Track erzählt. Leider bleibt das auch der einzige Song von der Scheibe – was allerdings auch der einzige „Vorwurf“ ist, der an diesem Abend gemacht werden kann. Ansonsten spielt sich das Quartett durch die gesamte nun bald 30-jährige Karriere. Uralt-Evergreens wie „Ist es wichtig?“, „Das Mädchen auf dem Dach“ oder der „Arsch einer Göttin“ sind ebenso dabei wie fast vergessene Sachen wie „Hol mich hier raus“ und „Alles auf einmal“ aus den späteren Veröffentlichungen.

Nachdem Bassist Leo bei „Feuer und Wasser“ einen kleinen Sturz erlebt und sich wieder berappelt hat, ist er beim anschließenden „Die Besten“ völlig losgelöst: Er führt – statt seine Gitarre zu bedienen – einen völlig ekstatischen Solo-Tanz auf, um im Anschluss vor lauter Erschöpfung den Rest im Liegen zu spielen. Die Kollegen nehmen diese offensichtlich ungeplante Einlage höchst amüsiert zur Kenntnis. Zwischendurch gibt es immer wieder kleinere Geschichten aus der Band-Historie, der Verbindung zur Stadt Osnabrück und zum Club (Rosenhof-Gründer und Senior-Chef Rüdiger Scholz war früher Manager der Combo). Musikalisch gibt es – trotz der langen Zwangspause – nichts zu beanstanden: Christian zaubert wie gewohnt seine Soli, während Stoppel und Leo das rhythmische Fundament legen, auf dem Jan seine teils kryptischen Zeilen singt, die durchgehend von den Fans beklatscht werden.

Nach etwa einer Stunde werden alle bei „High“ auf einen fast zehnminütigen Trip mitgenommen, und mit „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ endet der offizielle Teil der Show mit langanhaltenden Chören, die die Männer schnell wieder zurückholen. Logisch geht es noch weiter! Die obligatorischen 90er Hits „Wenn ich wollte“, „Ohne Dich“, sowie die Hymne „Wir werden uns wiedersehen“ gibt es noch obendrauf und ganz zum Schluss die Nummer, die seit 1994 beinahe jede Show beendet: das akustische und verträumte „Regenbogenleicht“.

Nach exakt zwei Stunden Spielzeit sind alle durch – und das liegt nicht allein an den tropischen Temperaturen an diesem Frühsommerabend. Ein in mehrfacher Hinsicht heißer Abend geht zu Ende und nicht nur die Gruppenmitglieder, auch die Zuschauer sind SELIG.

SETLIST

Schau Schau

Sie hat geschrien

Myriaden

Ist es wichtig?

Alles auf einmal

Feuer und Wasser

Die Besten

Arsch einer Göttin

Lass mich rein

High

Mädchen auf dem Dach

Hol mich hier raus

Bruderlos

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

 

Wenn ich wollte

Ohne Dich

Wir werden uns wiedersehn

 

Regenbogenleicht

 

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Fotos: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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