DEINE COUSINE – Ich bleib nicht hier

Ina Bredehorn hat vor drei Jahren unter dem Künsterinnennamen Deine Cousine ihre musikalische Karriere mit dem Debüt „Attacke“ erfolgreich begonnen, und sich durch jede Menge Clubs, Festivals und die ganz großen Hallen (als Mitglied in Lindebergs Panikorchester) gespielt. Nun legt sie mit „Ich bleib nicht hier“ den oftmals gefürchteten zweiten Longplayer vor. Im Interview mit Whiskey-Soda hat Ina uns erzählt, dass das zweite Album wirklich schwierig ist, warum es völlig okay ist, bei der ersten Platte nicht mehr 18 Jahre jung und faltenfrei zu sein, und was am münsterländischen Dorf Ottmarsbocholt so schön ist.

Leise, schrummelige Gitarrentöne und ein gerufenes „Hey“ eröffnen „Irgendwo da draußen“, dann steigert sich der Track im Refrain aber zu einem -im besten Sinne- klassischen Breitwand-Stadion-Rocker. Warum Deine Cousine keine „Küsschen links, Küsschen rechts“ mag, erklärt sie ausführlich im Anschluss. Auch hier sind wieder mittelharte, aber melodiöse Stromgitarren die musikalische Richtschnur. Dass sie auch leise und nachdenklich kann, beweist Frau Bredehorn mit dem Titellied. Keyboards und Synthesizer legen hier den Klangteppich und ab der zweiten Strophe werden die Worte eher geschrien als gesungen, was beim Hören Gänsehaut verursacht. Erst in der Schlussminute wird noch einmal richtig Gas gegeben.

Auf eine Reise in die dörfliche Vergangenheit nimmt die Sängerin uns in „369“ mit. Die Zeilen „Deine, die erste Nummer, die ich wählen konnte, auf dem kleinen, grünen Telefon, musste nur dreimal drehen und dann warst Du da. Ach, hast doch eh gleich nebenan gewohnt“ erinnern an eine Freundin aus der Kindheit nahe der ostfriesischen Küste. Nicht von ungefähr werden hier musikalische Erinnerungen an Bruce Springsteen wach, und diese liefern sowohl kompositorisch als auch textlich den Höhepunkt des Albums.

An die alte Fußballerweisheit von Andi Möller „Hauptsache Italien“ muss man zunächst unweigerlich bei „Bielefeld, Paris oder Madrid“ denken. Doch mit dem Ballsport haben die drei Städte rein gar nichts zu tun, stattdessen geht es im Fluchtwagen mit gestrecktem Mittelfinger quer durch Europa. In nicht mal drei Minuten kommt die Punk-Klatsche auf den Punkt, der „Dödödö“-Chorus lädt dabei direkt zum Mitgrölen ein. Zum Abschluss macht Ina auf sympathisch ironische Art noch den Toten Hosen Konkurrenz. Die lupenreine DTH-Sauf-Nummer mit eindeutiger Aufforderung „Einen noch“ zu nehmen, lässt Campino vermutlich die Haare raufen, dass ihm dieser Song nicht eingefallen ist.

Nach knapp 40 Minuten Laufzeit lässt sich festhalten: Deine Cousine ist ein rundum gelungenes Rockalbum, mit zwischendrin rotzigen 3-Akkord-Krachern, aber auch gelegentlich ruhigeren Tönen gelungen, oder wie sie es selbst beschreibt: „Ich möchte das beides haben: die absolute Zerstörung, aber auch sich in den Armen liegen.“

In vielen Häusern wird demnächst ein Teller mehr gedeckt werden müssen, denn Deine Cousine wird sich mit „Ich bleib nicht hier“ jede Menge Familienzuwachs erspielen.

 

Note 1 +

Deine Cousine – Tour 2022

14.09. Saarbrücken, Garage

15.09. Frankfurt am Main, Das Bett

16.09. Köln, Kantine

17.09. Bochum, Rotunde

21.09. Stuttgart, Im Wizemann

22.09. CH – Zürich, Werk21

23.09. München, Backstage Halle

24.09. AT – Wien, Chelsea

29.09. Berlin, Hole44

30.09. Leipzig, Werk 2

01.10. Bremen, Modernes

02.10. Dresden, Puschkin

05.10. Hannover, Musikzentrum

06.10. Münster, Sputnikhalle

 

Tickets gibt es hier.

 

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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