Voilà – VOLA

Zunächst einmal müssen wir uns für die irreführende Überschrift entschuldigen, denn Vola stammen natürlich nicht aus Frankreich, sondern aus unserem nördlichen Nachbarland Dänemark. Seit 2015 starten die Skandinavier immer weiter durch, sind derzeit mit Monuments auf Tour und haben gerade ihren zweiten Longplayer veröffentlicht. Melodischer Prog mit Retro-Touch trifft auf Electronica mit ausufernden Keyboard-Passagen, ruhigen und oft melancholischen Gesang und bei Bedarf auch mal auf kräftige Gitarrenriffs. Wir haben uns in Köln auf dem Euroblast Festival 2018 mit Vola getroffen, um über die neue Platte zu plaudern.

Eine Woche vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Applause Of A Distant Crowd“ haben Vola aus Dänemark einen faszinierenden Live-Auftritt auf dem Kölner Euroblast Festival absolviert, einem der europaweit bedeutendsten Szenetreffpunkten für anspruchsvolle progressive Musik.  Die Band hat nach zwei EPs und dem Erfolg des Debüts „Inmazes“ vor drei Jahren ihre musikalische Mischung aus Electronica, Industrial, Metal und Progressive Rock hörbar verfeinert und kann nicht nur mit „Applause Of A Distant Crowd“ auf ganzer Linie überzeugen, sondern hat auch live viele Akzente gesetzt und neue Fans für sich gewonnen. Kurz vor dem Auftritt sprechen wir mit den vier sympathischen Jungs im Pressebereich des Festivals.

Wir sind direkt dran, gemeinsam mit Vola in einem Raum, sind keine weit entfernte Menge, keine „distant crowd“. Aber wir applaudieren für Vola und das neue Album. Sänger und Gitarrist Asger Mygind und seine drei Kollegen sind erfreut und bedanken sich. Der Bassist Nicolai Mogensen ist auch sehr zufrieden mit dem Album, insbesondere mit den transportierten Emotionen in der Musik. „Musik sollte immer Emotionen beinhalten und die Gefühle ansprechen. Wenn ich einen coolen Riff höre, klingt der zwar toll, aber was ist es, das man damit ausdrücken möchte? Ich denke, dass es dem Album gut gelingt, Stimmungen zu verbreiten.“

Das haben Vola zweifelsohne geschafft. Mogensen und Mygind erklären, dass es ihr Ziel war, nicht unbedingt (nur) den Ausruf „Hey, das ist ein cooler Riff!“ zu provozieren, sondern eben auch Gefühle auszulösen. Die Musik ist streckenweise düster geraten. „Wir hätten eine Platte mit viel cooleren Riffs machen können, aber sie wäre nicht so stimmungsvoll geworden!“ Ganz wichtig waren insbesondere dem Sänger auch wieder die Melodien. „Ein Song muss so strukturiert sein, dass man ihn auch auf dem Piano spielen könnte. Die Melodien müssen den Song tragen können, ohne dass es unbedingt einen interessanten Gitarrenriff darüber geben muss, um es interessant zu machen.“

Dennoch gibt es (natürlich) auch jede Menge Gitarrenarbeit auf dem Album. Vola haben es geschafft, aggressive Gitarren, verschachtelte Synthie-Parts und grollende Bässe zu einer spannenden Mischung zu kombinieren, die anspruchsvoll ist, aber nie zu kopflastig wird und immer Wert auf klare Songstrukturen legt. Die Klangcollagen der Dänen erinnern an Vorbilder wie Steven Wilson oder Devin Townsend. Wir haben die Musik auch schon mit Anathema verglichen, auch wenn sich Vola selbst dessen gar nicht so bewusst sind. „Wir lesen oft, dass man uns mit Anathema vergleicht“, berichtet uns der Bassist Nicolai Mogensen. „Aber im Grunde kennen wir die Musik von Anathema gar nicht wirklich. Wir sollten sie uns mal anhören.“ Sei’s drum. Wer anspruchsvolle moderne Rockmusik mag, die immer gefühlsbetont ist und niemals langweilig, der liegt bei Vola genau richtig. „Unsere rockigeren Songs wurden im Übrigen stark von einer dänischen Band namens Kashmir beeinflusst.“

Das Album wurde von Andy VanDette gemastert, der schon für Porcupine Tree, Steven Wilson, Devin Townsend, aber auch den legendären David Bowie gearbeitet hat. Mygind zählt die Band Porcupine Tree auf, als er von Inspirationen für den Vola-Stil spricht. Auch auf dem neuen Album sind die Dänen ihrer Art treu geblieben, wie die Songs entwickelt wurden. „Bei uns entsteht die Musik nicht beim gemeinsamen Jammen, sondern gezielt durch das Songwriting. Die Texte kommen immer später dazu.“ Vola verraten uns, dass die Platte eine melancholische Grundstimmung hat, weil die „traurigen Geschichten immer diejenigen sind, welche am meisten Inspiration liefern“.

Die Vola-Geschichte geht zurück bis 2006, als Asger Mygind im heimischen Kopenhagen zunächst mit ein paar Freunden damit begann, Songs von Opeth und Porcupine Tree zu covern. Nach einigen Umbesetzungen folgten eigene Songs und 2011 die erste EP, 2015 schließlich das vielschichtige erste Album „Inmazes“. Seit 2015 hat sich das Line-Up der Band noch einmal leicht verändert: Der Schwede Adam Janzi hat vor etwas über einem Jahr Felix Ewert am Schlagzeug abgelöst. Janzi berichtet uns dazu: „Ich hatte online gelesen, dass die Band einen neuen Drummer sucht. Ich habe ihnen ein Video geschickt und dann im Sommer auch ein paar Live-Gigs für Vola gespielt.“

Felix Ewert musste die Band leider aus persönlichen Gründen verlassen, da sein Terminplan immer wieder mit den Auftritten kollidierte. Ewert ist ein sehr gefragter Schlagzeuger in Dänemark, der, wie uns Mygind erklärt, mit vielen Pop-Acts dort spielt. „Wir sind immer noch sehr gut befreundet, und das ist einfach genau Felix‘ Ding. Er liebt übrigens das neue Album, ganz besonders den Song ‚Ghosts‘. Tracks wie ‚Ghosts‘ leben unter anderem von den prägnanten Keyboards. Zuständiger Mann dafür ist Martin Werner, der sich sehr über unser Lob freut, aber klarstellt, dass seine Parts Teil des Gesamtkonzepts der Band sind und er sich bei seinen drei Kollegen für die Unterstützung bedanken möchte.

Nicht nur die Musik überzeugt, auch das Covermotiv von „Applause Of A Distant Crowd“ übt eine tiefe Faszination aus. Beim Hören der Musik erging es uns ganz ähnlich wie der Dame auf dem Motiv. Wir fühlten uns, als würden wir durch belebendes Wasser tauchen. Das Bild ist übrigens nicht eigens für das Album entstanden, sondern wurde von der Band nach langer Suche nach einem geeigneten Covermotiv per Zufall gefunden. Nicolai Mogensen erinnert sich: „Ich glaube, es war Asgar, der via Instagram auf einen amerikanischen Künstler gestoßen ist, dessen Artwork wir sehr faszinierend fanden.“

Der Titel des neuen Albums ist als Metapher gedacht. Im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung und von Sozialen Netzwerken werden immer mehr Menschen mit der Musik erreicht, diese bleiben aber in aller Regel auch namenlos und weit entfernt, eben eine „distant crowd“. Asger Mygind findet, dass Social Media sehr wichtig ist. „Auch wenn unser Album melancholisch ist, gibt es doch viele positive Aspekte bei sozialen Netzwerken. Wir können viele Menschen schnell damit erreichen. Ich liebe den ganzen Support, den wir online bekommen, Nachrichten, Kommentare und so, aber ich freue mich auch immer, mit den Menschen direkt sprechen zu können, und wir stehen natürlich alle sehr gerne auf der Bühne.“

Die Gelegenheit dazu gibt es ganz aktuell: Nachdem Vola 2016 gemeinsam mit Katatonia auf Tour waren, und im vergangenen Jahr den allerersten Headliner-Auftritt in Großbritannien absolvierten, sind die Dänen aktuell mit der britischen Progmetal-Band Monuments unterwegs.

„Derzeit spielen wir auf der Tour gemeinsam mit Kadinja und Monuments. Wir sind direkt vor Monuments dran, haben also schon eine recht lange Spielzeit auf der Bühne. Es wird sehr spannend für uns werden, wenn wir auf einer Tour das erste Mal ganz oben auf dem Plakat stehen.“

Vola hat nach dem zweiten Longplayer gute Chancen, bald schon selbst Headliner einer Tour sein zu können. Wir werden die Dänen auf jeden Fall im Auge behalten, und das solltet ihr auch. Die vier Musiker möchte sich bei unseren Lesern für das Interesse bedanken. „Ich hoffe, dass euch unsere neue Platte gefällt, und ich hoffe auch, es war kein Versehen, dass ihr diesen Artikel angeklickt habt!“ Dem schließen wir uns gerne an.

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