Schlechtes Jahr, gutes Jahr – Was für Daniela von 2016 bleiben wird

So, 2016 erstmal etwas sacken lassen. Allerorten und in vielerlei Hinsicht wird das vergangene Jahr als ein anstrengendes, aufwühlendes und missliches empfunden, so auch im popmusikalischen Bereich. Die Todesnachrichten wollten bis Anschlag Jahresende nicht abreißen und betrafen mit tragisch-kurioser Datierung auch noch George Michael und sein 'Last Christmas'. Dabei lässt sich nur dem beipflichten, was in den Jahresrückblicken der Kollegen an dieser Stelle schon konstatiert wurde: dass 2016 nämlich doch auch ein sehr fruchtbares Jahr war. Hier sind meine Favoriten.

Überspitzt gesagt, war 2016 punkrockmäßig bereits im Januar gelaufen. Im positiven Sinne freilich. Ship Thieves haben ihr drittes, aber eigentlich erstes echtes Band-Album ‚No Anchor‚ vorgelegt, und im Genre ist in den folgenden elf Monaten nichts Besseres, Agileres, Koheränteres und ja, Sympathischeres mehr aufgetaucht. Und das obwohl sich das Jahr auch als ein gutes Punk-Jahr entpuppen sollte.

Schwer, nicht in einen extensiven Aufzählmodus zu verfallen. Besondere Erwähnung haben sich da Max Raptor verdient, die mit ihrem selbstbetitelten Album schlicht mitzureißen wissen, oder das äußerst gelungene Debüt von Hot Mass, das mit einem unverbrauchten Sound überzeugt. Wem bei beidem der Emo-Faktor nicht ausgeprägt genug war, der konnte sich am zweiten Album von Apologies, I Have None namens ‚Pharmacie‚ erfreuen. Aufgefallen, dass alle drei Bands aus den UK stammen? Da haben sich die Jungspunte wohl von all der Lobpreisung, Rückbesinnung und analysierenden Würdigung inspirieren lassen, die das 40-jährige Jubiläum der Singleveröffentlichung von ‚Anarchy In The U.K.‘ der Sex Pistols (die Geburtstunde des Punkrock!?!) begleitet hat.

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Natürlich hat sich 2016 auch in Übersee etwas getan (siehe Ship Thieves, ihres Zeichens beheimatet in Gainsville, Florida). Den richtigen Herbst-Sound lieferten etwa Planes Mistaken For Stars mit ihrem dahingegifteten Album ‚Prey‘. Ein Release mehr, mit dem sich das Label Deathwish Inc. als kleine Perle bewiesen hat. Für Wirbel sorgte James Alex, der seine Band Beach Slang nur Monate nach Veröffentlichung ihres gefeierten Debüts eilfertig für aufgelöst erklärte, das schnell zurücknahm und nach wenigen weiteren Monaten das Zweitwerk ‚A Loud Bash Of Teenage Feelings‚ nachschob. Die Exentrik mag so Manchem auf den Sender gehen, den Songs tut sie offenbar nur gut.

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IllegaleFarben.jpg “ Mit einen weitergefassten Begriff von Punk und seinen Spielarten an den Schnittstellen mit anderen Genres rücken für das vergangene Jahr vor allem deutsche Bands ins Blickfeld. Illegale Farben haben per postpunkigem Power-Pop ein großartiges Debüt und Durchtanz-Album hingelegt. Als das chillige Gegenstück dazu kann ‚New Songs From The Weird People‚ von The Razorblades gelten, die auch 2016 sehr solide ihren Surf-Sound weiter pflegen. Genregrenzen überschritten freilich auch andere Bands, und der echte, nonkonformistische und garstige Geist des Punk ist besonders zu finden auf ‚Bloodsweat‚ von Plague Vendor und ‚The Haze Is Forever‚ von Dolores Haze.

Eine Herzensangelegenheit sind mir New Model Army, die im vergangenen Jahr ihr 13. Studioalbum aufgeommen haben. Die Kombo aus Bradford bleibt, wie sollte es anders sein, sich selbst treu, und das nicht nur, weil sie ihr Werk namens ‚Winter‚ im Hochsommer veröffentlichten. Anno 2016 sind die Mannen um Justin Sullivan wieder ein bisschen wütender und weise wie immer. Kaum eine Band vermag sich so intensiv mit der schiefen Weltlage zu beschäftigen, ohne dadurch in Resignation zu verfallen.

Bevor das neue Jahr womöglich wieder mit einem musikalischen Knall beginnt, lassen wir das alte sanft nachklingen. Huck Blues ist der Mann, der uns die letzten Wochen überstehen half, von weihnachtlicher Reizüberflutung und Familientumult angespannte Nerven beruhigte und dem Jahresende die Besonnenheit und den inneren Frieden verlieh, die schlicht nötig war. ‚Für Chopin‚ für Alle und viel Glück in 2017!


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