TEMPLES ON MARS – Agenten, Aliens und Auflösung

Mars, der Rote Planet, ist das Lieblingsthema vieler Astronomen, Sagen, Mythen und Science-Fiction-Geschichten. Ob außerirdische Lebensformen einst unsere irdische Zivilisation begründet und eventuell auch Tempel auf dem Mars gebaut haben, erschließt sich uns nicht, aber hier geht es ja auch nicht um Mythen und Geschichten, sondern um die harten Fakten. Temples On Mars ist eine Rockband aus London, die im April 2018 ihr Debütalbum veröffentlicht hat und unlängst auf dem Kölner Euroblast Festival viele neue Fans gewinnen konnte. Grund genug für uns, hier einmal näher nachzuhaken.

Es ist am Nachmittag des ersten Tages beim Euroblast Festival in Köln, einer der europaweit wichtigsten und größten Veranstaltungen für progressive Rockmusik. Die Newcomer Temples On Mars spielen als erste Band auf der kleinen Nebenbühne im Keller der kultigen Location Essigfabrik, aber trotz der frühen Uhrzeit hat sich bereits eine beträchtliche Menge an Metalfans eingefunden und feiert die Band lautstark und mit viel verdientem Applaus. Denn die vier Engländer um den Sänger und Gitarristen James Donaldson liefern eine souveräne und mitreissende Show. Dies verwundert kaum, denn Temples On Mars ist zwar eine neu gegründete Band, aber die vier Musiker sind alle bühnenerfahren und haben schon in anderen Bands gespielt. Aber dazu gleich mehr. Musikalisch bietet das Quartett sphärischen und progressiven Rock mit Anleihen bei Alternative und Metal. Die Gitarre dominiert, das Rhythmusgerüst ist herrlich sperrig, ohne zu komplex oder kopflastig zu werden, und der Sound ist direkt und rau, so wie es sein soll. Immer wieder werden Assoziationen an Bands wie I Am Giant geweckt, und alle, die auf den Sound moderner Progmetaller wie Karnivool stehen, sollten auch mit Temples On Mars sehr glücklich werden.

Wir haben uns nach dem Gig mit dem Bassisten Darren „Daz“ Carikas und dem Schlagzeuger Dean Gibb getroffen und ein wenig über die Band,  ihre Geschichte und das erste, selbstbetitelte Album geplaudert. „Es ist toll, dass wir hier auf dem Festival sind und spielen durften“, freut sich der Bassist. Der Gig auf dem Euroblast ist relativ kurzfristig geplant worden, nachdem die Band im September eine Tour durch Großbritannien abgeschlossen hat. „Wir waren für einen Gig in den Niederlanden gebucht, und Lulu, unsere PR-Managerin, hat uns in Kontakt mit einigen der Bands gebracht, die auf dem Euroblast spielen. Wir haben überlegt, ob wir dort gemeinsam spielen können. Und es waren noch Slots frei, weil andere Bands abgesagt hatten.“ Glück für Temples On Mars und Glück für alle Festivalbesucher, die so eine sehr spannende Band erleben durften.

Frontmann James Donaldson stammt ursprünglich aus Neuseeland und ist nach London übergesiedelt, wo er mit der Band Agent große Erfolge feiern konnte. Als das Ende von Agent kam, tat sich Donaldson mit den Musikern Gerald Gill (Gitarre) und eben Daz Carikas und Dean Gibb zusammen, um Temples On Mars zu gründen. Die Kollegen stammen übrigens aus den ehemaligen Bands Starseed und The Spindle Sect, die ursprünglich in Südafrika gegründet wurden und die es ebenfalls nach Großbritannien verschlagen hatte.

„Wir waren alle zusammen noch in Agent und haben überlegt, wie es weitergehen sollte“, erinnert sich Carikas. „Wir wollten unter einem neuen Namen, als neue Marke einen Neustart machen. Der wichtigste Grund für uns, als neue Band weiterzumachen, war eigentlich ein Namenswechsel. Wenn man ‚Agent‘ im Internet eingibt, kommen erst einmal hunderte von anderen Treffern, bevor man bei der Band landet. Also haben wir uns entschieden, eine neue Band mit neuem Namen zu gründen. Unser Sound ist ähnlich geblieben, aber er ist weiter entwickelt jetzt.“ Carikas fügt hinzu, dass die Temples On Mars jetzt auch kein altes Agent-Material mehr spielen. „Es ist wirklich eine ganz neue Band!“

Schlagzeuger Dean Gibb fügt hinzu, dass er das Gefühl hat, sich mit Temples On Mars nach einem Jahr weiter entwickelt zu haben, als dies mit Agent der Fall gewesen ist.

Am 06. April 2018 erschien das Debütalbum der Band beim niederländischen Label Primordial Records. Die Platte wurde vom preisgekrönten Produzenten Paul Matthews (I Am Giant) in dessen Londoner Studio aufgenommen. „Unsere beiden Gitarristen schreiben viele Riffs, aus denen sich die Songs entwickeln“, erklärt der Drummer das Songwriting der Band. „Das Album war ursprünglich als EP mit vier Songs gedacht. Beim Proben haben wir die einzelnen Elemente immer wieder umgestellt, haben dazu gejammt und sie verändert, während wir sie gespielt haben.“ James Donaldson ist schon jahrelang mit dem Produzenten Paul Matthews befreundet, der wie er aus Neuseeland stammt. Sie haben bereits zu Agent-Zeiten miteinander gearbeitet, so war es keine Frage, dass Matthews auch für Temples On Mars produzieren würde. „Er kannte den Agent-Sound und wusste genau, wohin wir mit der neuen Band wollten.“

Gemastert wurde das Album übrigens in Berlin von Sebastian Braunreuther vom „Mix Berlin“, der schon früher mit Paul Matthews zusammengearbeitet hat. „Er hat für genau den richtigen Feel gesorgt“, lobt Carikas den Tontechniker.

Temples On Mars haben eine Reihe visuell sehr interessanter Musikvideos aufgenommen, so zum Beispiel zum Track ‚When Gods Collide‘ oder zum Titel ‚So In Love With Your Own Drug‘.

„Uns war sehr wichtig, dass die Videos wie kleine Filme wirken. Wir hatten einen tollen Regisseur namens Ryan Prout für ‚So In Love With Your Own Drug‘ und richtig gute, teure Kameras. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“

Der Bandname bezieht sich auf den Mythos, dass dereinst Außerirdische unsere eigene Zivilisation begründet haben könnten und dies durch uralte Hieroglyphen bewiesen werden kann, die auch darauf hindeuten, dass diese Zivilisation auch Tempel auf dem Mars gebaut hat. Solche Science-Fiction-Elemente sind gerade bei Rock- und Metalbands immer wieder gerne gesehen und oft das Thema von Songs oder Bandkonzepten. „Natürlich sind wir alle Science-Fiction-Fans“, bestätigt Darren Carikas. „Wer glaubt denn nicht an Aliens?“ Er führt weiter aus, dass die Band nicht über alltägliche Dinge oder Probleme schreiben möchte, sondern sich in ihren Texten auf Mythen und Geschichten bezieht, die den Bandmitgliedern am Herzen liegen und die durch gelesene Science-Fiction-Romane oder Filme inspiriert wurden.

Und wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? „Wir planen unsere Auflösung und machen dann eine Reunion und verdienen damit ganz viel Geld!“ lachen die beiden Musiker, was natürlich nicht ernst gemeint ist. „Wir wollen in diesem Jahr noch mehr Musikvideos drehen und auch Livevideos veröffentlichen. Und nächstes Jahr werden wir im Studio an neuen Songs jammen.“ Temples On Mars planen, so schnell wie möglich wieder nach Deutschland zu kommen, um hier live zu spielen. Wir freuen uns drauf und laden euch ein, in der Zwischenzeit zum Mars zu reisen und den dortigen Tempeln einen Besuch abzustatten. Es lohnt sich!

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