Twelve Foot Ninja – Evolutionär und verwirrend

Auf dem diesjährigen Euroblast Festival in Köln spielten gleich mehrere Bands aus Australien. Eine davon am Samstag als Headliner: Twelve Foot Ninja aus Melbourne stehen für kraftvollen Progressive Metal aus der Djent-Ecke, mischen aber auch Funk- und sogar Reggae-Elemente in ihr Songwriting. Wir haben uns vor der Show mit dem Gitarristen Rohan Hayes und seinem Kollegen am Bass, Damon McKinnon unterhalten.


Rohan Hayes und Damon McKinnon erscheinen weder zum Interview noch später zum Konzert in Ninja-Outfits, sind auch nicht so schnell und weniger unsichtbar, plaudern dafür aber ganz entspannt und lässig mit uns über die australische Band. „Wir sind gerade gestern hier angekommen“, verrät Rohan Hayes. Die Band steht am Beginn einer längeren Europatour mit insgesamt 19 Gigs, die durch den Auftritt auf dem Euroblast Festival eröffnet wird. Die Australier haben das Festival in guter Erinnerung, haben sie doch hier vor vier Jahren im Herbst 2013 auf ihrer allerersten internationalen Tour gespielt.

Twelve_Foot_ninja1.jpg „Gegründet wurde die Band bereits 2007 vom Gitarristen Steve Mackay, der Ninja feiert dieses Jahr also den zehnten Geburtstag. Seitdem hat die Band im Jahre 2008 die erste EP und dann 2012 und 2016 jeweils ein Album veröffentlicht. Wir sind gespannt, wie der Gitarrist Rohan Hayes den musikalischen Stil definiert. „Ich nenne es immer ‚Alternative Rock'“, erklärt uns der Musiker. „Aber eigentlich, wenn man es genau nimmt, haben wir uns auf die Definition ‚Heavy Fusion‘ geeinigt. Es ist eine Fusion aller möglichen Stile.“ Der Bassist Damon McKinnon wirft ein, dass die Musik nicht nur Metal sei, sondern auch Elemente von Funk, Salsa und Jazz enthalte.

2012 erschien mit „Silent Machine“ der erste Lonplayer dieser ungewöhnlichen Band. Die Veröffentlichung erfolgte zusammen mit einem Comicbuch, in dem die Geschichte eines Ninjas erzählt wurde, der bei Bedarf auf die erstaunliche Körpergröße von etwa 3,65 Metern, eben besagte zwölf Fuß, wachsen kann.

In den Songtexten des Albums wurde die Geschichte dieses Ninjas dann weitererzählt. Die beiden Musiker führen dazu aus, dass es ihrer Meinung nach wichtig ist, Musik über mehrere Medien zu veröffentlichen, so eben zum Beispiel mit einem begleitenden Comicbuch. „Es gibt so viele Arten, kreativ zu sein.“ Außerdem ist es auch eine Frage, wie man möglichst viele potentielle Hörer und Käufer erreicht. „Als Mainstreamband wird ein Album im Radio gespielt, und die Leute hören es einfach überall dudeln. Bei unserer Musik ist das nicht so einfach. Wir müssen also Ideen haben, um mehr Menschen damit zu erreichen. Unser Bandnamen erzeugt ja auch automatisch gewisse Bilder in den Köpfen der Leute, von daher hat es absolut Sinn gemacht, ein Comicbuch zu veröffentlichen“, verrät Rohan Hayes. Und so wird die Geschichte des Ninjas auch später sicher wieder aufgegriffen werden.

twelve_foot_ninja3.jpg „Bei solch vielschichtiger Musik, wie die Australier sie auf ihren Alben abgeliefert haben, waren wir neugierig, wie das Songwriting abläuft. Wie bei vielen Bands ist es auch hier so, dass die Musik normalerweise zuerst steht. „Wir überlegen dann, was die Musik aussagen will, wofür sie steht. Daraus erwachsen dann die Texte“, verraten die beiden Musiker. „Wenn wir dann die Texte geschrieben haben, wird die Musik noch wieder angepasst, damit sie genau zu den Lyrics passt.“

Damon McKinnon führt aus, dass beim Songwriting der ersten beiden Alben jeder für sich Ideen entwickelt hat, die dann beim gemeinsamen Problem weiterentwickelt wurden. „Aber wer weiß, vielleicht machen wir es beim nächsten Album anders und jammen alle gemeinsam und schauen, was dann dabei herauskommt.“

Twelve_Foot_ninja2.jpg „Nicht nur der Songwriting-Prozess war bisher eine Sache, die alle fünf Musiker in ihren eigenen Studios und Häusern begonnen hatten, auch die Aufnahmen für „Silent Machine“ und das letzte Album „Outlier“ entstanden einzeln, eine Arbeitsweise, die für die Band einfach am besten funktioniert. „Unser Schlagzeuger Shane ‚Russ‘ Russell arbeitet viel mit Samples. Das sind schon seine eigenen Drums, die er aufgenommen hat, aber er triggert die Samples davon dann wiederum über sein Set. Für uns ist das einfach eine Arbeitsweise, die uns am besten gefällt.“

Im Herbst des letzten Jahres war die Band zusammen mit Disturbed in Australien unterwegs. „Das war meine Lieblingstour“, erinnert sich der Gitarrist. „Wir haben in so riesigen Arenen gespielt wie nie zuvor, und die Jungs von Disturbed sind alle sehr cool drauf gewesen.“

twelve_foot_ninja4.jpg „Da unsere Zeit leider sehr begrenzt ist, müssen wir das kurze Interview hier mit einer kleinen Q&A-Session beenden. Wir bitten die beiden Musiker, für uns ein paar kurze Sätze zu vervollständigen:

Gitarren mit mehr als sechs Saiten sind…„evolutionär!“
(Antwort des Bassisten:„verwirrend!“)
Auf Tour zu sein, ist…„verwirrend“ (schon wieder?)
(ja, auf unseren Einwurf bestätigen beide, dass es tatsächlich immer wieder mal vorkommt, dass sie morgens aufwachen und nicht wissen, in welcher Stadt sie sich befinden…Rock’n’Roll-Klischee voll und ganz erfüllt!)
Australien ist…„viel wärmer als hier“
Deutschland ist…„nicht so warm wie Australien“
Die Deutschen Fans sind…„hingebungsvoll, begeisterungsfähig“
Das Musik-Business braucht mehr….„Banjos!“ (nach langem Überlegen)
Da wollen wir doch spontan wissen, ob es denn auf der Bühne heute Banjos zu hören geben wird. Der Gitarrist verneint. „Aber eine Sitar!“
Wird der 12-Fuß-Ninja jemals 13 Fuß Größe erreichen? „Nein, die Größe steht fest und ändert sich nicht mehr. Es wäre albern, wenn er weiter wachsen würde!“ Rohan Hayes lacht.

Zum Schluss die obligatorische Frage, ob der Twelve Foot Ninja noch etwas an seine deutschen Fans richten möchte. „Danke, dass wir hier sein dürfen“, sagt Rohan Hayes nach längerem Grübeln. „Trotz unserer merkwürdigen Antworten eben…wir sind sehr froh, hier spielen zu dürfen. Und wenn ihr das hier lest, bevor wir irgendwo in eurer Nähe spielen, dann kommt her und trinkt ein Bier mit uns!“

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