Saviour Machine: Unmasked & Unplugged

Vor beinahe auf den Tag genau einem Jahr hatten die Ausnahme-Musiker von Saviour Machine ihre noch immer solide Fangemeinde mit ihrem exklusiven "Unmasked/Unplugged" Konzert überrascht. Der furios stimmungsvolle Konzertabend war ein überragender Erfolg und ein Quasi-Comeback der Band auf einer deutschen Konzertbühne nach beinahe einem Jahrzehnt Bühnenabstinenz. Emotional enorm berührend und gleichzeitig musikalisch äußerst ansprechend hatte das Quintett um Frontmann Eric Clayton große Teile ihres Back-Katalogs für den akustischen Auftritt neu arrangiert.

1.JPG „Wegen der großen Nachfrage und des Erfolges war eine Wiederholung naheliegend und so kündigte die Band im Frühjahr nach ursprünglich sechs geplanten Auftritten drei weitere, letzte Konzerte in Zwolle (NL) und Heilbronn an.
Mit leichter Verspätung öffnete sich der Bühnenvorhang am Samstagabend zu den ersten Trommelschlägen von ‚Sympathy For The Devil‘ von den Rolling Stones. Die Bühne in stimmungsvolles rotes Licht getaucht und mit acht großen Kerzenleuchtern dekoriert zeigte Clayton beim Eröffnungssong mit einem ironischen Augenzwinkern in Richtung der erzkonservativen christlichen Kreise, was er von ihrer einseitigen Kritik an seiner Band hält. Die folgenden beiden Songs ‚Ludicrous Smiles‘ und ‚Wicked Windows‘ klangen noch etwas zurückhaltend, was nicht zuletzt daran lag, dass sich die komplette Band eine Erkältung zugezogen hatte. Nach einer von einem Scherz begleiteten Tasse Erkältungstee nahm die Band dann deutlich an Fahrt auf. Mit ‚Son Of The Rain‘ folgte das erste Gänsehaut-Highlight: Der kristallklare akustische Gitarrensound inklusive Solo in der Mitte des Songs sorgte für den ersten begeisterten Applaus, zumal der Song seit fast 20 Jahren das erste Mal live gespielt wurde.
2.JPG „An ‚Enter The Idol‘, ‚Christians & Lunatics‘ und ‚Ceremony‘ schlossen sich dann vor der Pause die Live-Klassiker und absoluten Publikumslieblinge ‚Legion‘ und ‚Love Never Dies‘ an.  Bei ‚Legion‘ stieg Clayton von der Bühne und drückte seinen Fans in der ersten Reihe die Hände, bei ‚Love Never Dies‘ stellte er seinen Bruder Jeff an der Gitarre und Pianist Nathan van Hala vor, die mit ihren meisterhaft beherrschten Instrumenten den beiden letzten Liedern besonders viel Gefühl mitgegeben hatten.
Erstaunlich war während der ersten Stunde die trotz Erkältung und grundsätzlicher gesundheitlicher Probleme ausdrucksvolle Gesangsstimme von Clayton. Zwar war aufgrund der Erkältung der eine oder andere „kleine Wackler“ zu hören und der Bariton merkte mit einem selbstkritischen Grinsen an, dass er vor 15 Jahren zwei Oktaven höher habe singen können. Der einzigartigen Atmosphäre beim vollendet inszenierten Konzertabend tat dies allerdings nicht den geringsten Abbruch. Von frenetischem Applaus begleitet verabschiedete sich die Band nach einer guten Stunde in eine 20-minütige Pause. Nach der Unterbrechung fragte Clayton das Publikum interessiert danach mitzuteilen, woher sie angereist waren.  Die Rückmeldungen der Konzertbesucher aus den USA, Griechenland, Italien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland und der Schweiz zeigten beeindruckend auf, wie groß und international die Fangemeinde der Band auch nach den langen Jahren Live-Absenz immer noch ist.
3.jpg „Dann stieg das kalifornische Quintett mit den Highlights der bis dato unvollendeten Legend-Trilogie ein. Beim Konzert im letzten Jahr hatte Clayton den anspruchsvollen Mittelteil mit den vielen opernhaften Stücken für viele Geschmäcker zu lange gewählt, dieses Mal beschränkte sich die Band auf die eingängigsten Stücke von den Legend Alben. So kamen beispielsweise die zahlreichen progressiven Elemente der „Legend I Songs“ wie die orientalischen Gitarren- und Schlagzeugparts in ‚The Sword Of Islam‘ oder ‚The Eyes Of The Storm‘ durch die aufgelockertere Setlist viel deutlicher zum Tragen.  Das erhöhte die Ausgewogenheit des Konzerts im Vergleich zum letzten Jahr deutlich, trotz letztlich ähnlich epischer Gesamtlänge von fast drei Stunden. 

Nach dem besonders eingängigen ‚Behold A Pale Horse‘ endete der zweite offizielle Teil des Konzerts mit ‚The End Of The Age‘ von Legend III.I.  Eric Clayton ließ an dieser Stelle das Publikum entscheiden, ob es noch weitergehen sollte. Die Frage, ob noch 4 oder 45 Minuten weitergespielt werden soll, erwies sich als rhetorisch: Das Publikum applaudierte anhaltend und weiter ging es mit dem dritten Teil, der ähnlich wie im letzten Jahr wieder aus Stücken von den beiden ersten Alben bestand: Der Opener des Debütalbum, ‚Carnival Of Souls‘ löste auch 19 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung im einzigartigen Unplugged-Arrangement wohliges Schaudern aus. Selten sind solche perfekten Songs, in denen so viel Dynamik, Melodik, Dramatik und Lyrik verdichtet ist. Nach weiteren Songs neigte sich der Abend mit ‚Saviour Machine II‘ und ‚Gethsemane‘ dem Ende entgegen.
eric.jpg „Nach dem Bühnenabgang und stehenden Ovationen kam die Band nochmals auf die Bühne, um eine wirklich gelungene Überraschung zu präsentieren. Saviour Machine präsentierte einen bisher unveröffentlichten Song von Finale auf Legend III.II namens ‚Holy Bride Rapture‘. Sehr emotional, sehr triumphale Lyrics passend zum Titel und natürlich für die vielen anwesenden Hardcore-Fans absoluter Zucker.  Als letzte Zugabe spielte die Band dann ‚Legend I.I/ The Lamb‘, zu dem der Bandleader wie schon im letzten Jahr singend das Publikum durchquerte, die Hände der Fans schüttelte und dem begeisterten Publikum auf den Balkonen Kusshände zuwarf.

Für alle, die es nicht zu einem der wenigen außergewöhnlichen Konzerttermine geschafft haben, gibt es einen vielversprechendes Trostpflaster: Die Band hat angekündigt, eine Live CD/DVD zu produzieren. Gemessen an der grandiosen Atmosphäre und der hohen Qualität früherer Live-Produktionen, dürfte die Fangemeinde eine fantastische Live-DVD von den sensationellen „Unmasked/Unplugged Konzerten erwarten.

Theater Heilbronn, 7. September 2012

Bericht: Daniel Frick
Fotos: Andreas Voßeler

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