MADSEN – Live im Club 100

 

Die einzige offene Konzerthalle Deutschlands, der Club 100 im Bremer Pier 2, schickt seit einigen Wochen Streaming-Konzerte in den Online-Äther. Nach Bands und Künstlern wie Pohlmann, Selig,  Thees Uhlmann und der Antilopengang, sind nun die Indie-Rocker von Madsen an der Reihe. Die drei namensgebenden Brüder und Bassist Niko werden wie immer verstärkt von Gast-Gitarrist Mücke und Lisa Who an den Keyboards.

Pünktlich um 20.00 Uhr machen sich die Wendländer mit einem kraftvollen „Na gut, dann nicht“ auf den Weg in höchst unterhaltsame 90 Minuten. „Eineinhalb Jahre waren wir auf keiner Bühne, es fühlt sich so gut an!“, sind dann die ersten Worte, die die Truppe an das virtuelle Publikum richtet. Den Jungs und Frau Who merkt man die Spielfreude in jeder Minute an. Hauptsänger Sebastian ist nach wenigen Minuten bereits dermaßen durchgeschwitzt, dass er sich seiner Jacke entledigt, was ihm einige hämische Kommentare seiner Kollegen über die falsche Kleidungswahl einbringt.

Danach macht sich die Band „Mit dem Moped nach Madrid“ auf, wofür sie ein paar Titel später einen „Kompass“ braucht, während Johannes, der älteste der Madsen-Brüder, „Kein Mann für eine Nacht“ ist.

Es macht Spaß, der Truppe zuzuschauen, der Kopf wippt im Takt vorm Rechner mit und ein schneller Blick auf die geschlossenen Fenster stellt sicher, dass die Nachbarn einen nicht mitsingen hören.

Zwischendurch werden einige Sprachnachrichten von Fans eingespielt, die der Gruppe freundliche Grüße schicken und ihre Freude über das Konzert ausdrücken.

Bei „So cool bist du nicht“ singen die Eheleute Lisa und Sebastian im Duett, in der Gitarrenmelodie scheint kurz der Joan-Osborne-Titel „One Of Us“ durch. Schlagzeuger Sascha übernimmt die Lead-Vocals bei „Nachtbaden“ und simuliert ein Crowdsurfing auf einem rollenden Flightcase, um sich am hinteren Ende des Pier 2 ein Bier abzuholen. Sieht ein wenig komisch aus, wirkt aber irgendwie passend zu diesem Konzert ohne Zuschauer*innen.

Mit „Die Perfektion“, wie immer mehr geschrien als gesungen, geht es auf die Zielgerade. In einem echten Konzert würde jetzt der Zugaben-Block folgen. Da aber niemand danach ruft, geht es mit dem Corona-Song „Quarantäne für immer“ direkt weiter. Mit dem Standard-Rausschmeißer „Lass die Musik an“ beenden die verschwitzten Wendländer den rockigen und kurzweiligen Abend.

Im Club 100 stehen noch etwa ein Dutzend Shows auf dem Programm. Diese Art von Konzerten ersetzen wahrlich keine echten Live-Erlebnisse, aber näher kommt man im Augenblick an solche nicht ran. Wer also Sehnsucht nach handgemachter Musik hat, die nicht aus der Konserve kommt, sollte sich ein Ticket für die noch folgenden Konzerte besorgen.

 

Setlist

Na gut, dann nicht

Mit dem Moped nach Madrid

Macht euch laut

Kompass

Kein Mann für eine Nacht

Sirenen

Behalte deine Meinung

So cool bist du nicht

Mein erstes Lied

Nachtbaden

Die Perfektion

Vielleicht

Du schreibst Geschichte

Quarantäne für immer

Lass die Musik an

 

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Fotocredit: Paul Post

Wolfgang

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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