Thank you for the music! – Christinas 2020, musikalisch betrachet

Da geht’s dahin, das Corona-Jahr. Vieles war und ist mega ätzend. Aber es gab auch kleine Lichtblicke und Highlights. Ich habe an dieser Stelle mal die Top 5 zusammengetragen, die mein kleines Universum aufgehellt haben.

Brian Fallon: November 2021. Itchy: Dezember 2021. Die Ärzte: Dezember 2021. – Und das sind nur drei der verschobenen Konzerte, auf die ich mich 2020 gefreut hatte. Für 2021 habe ich mich gar nicht erst getraut, Tickets zu kaufen. Ständig aufs Neue das Wechselbad Vorfreude – Enttäuschung – Vorfreude – Enttäuschung macht auf Dauer echt keinen Spaß. Eine Ausnahme habe ich dann doch gemacht: das UK-Tour-Finale von Gerry Cinnamon in seiner Heimatstadt Glasgow wollte ich mir sichern. Da war schnell sein die Devise, denn nach Good Old Festland-Europa schaffts der Schotte einfach nicht – und in UK ist er so hot, da sind die Stadien ruckizucki ausverkauft. Ich habe meinen Sitzplatz, der Rest ist reine Glückssache. Also drückt mir die Daumen, dass es klappt. Ansonsten heule ich halt wieder einem lang ersehnten Konzert hinterher, das irgendwann im gefühlt nächsten Jahrhundert stattfindet. Aber was jammere ich, Euch geht’s ja nicht anders. Und es hilft auch nix. Also schauen wir einfach mal, was sich musikalisch dieses Jahr echt gelohnt hat. Und da gabs doch so einiges. Kleiner Spoiler: Gerry Cinnamon ist natürlich mit dabei.

5. Rotten Mind – „Rat City Dog Boy“

Ich habe ein erklärtes Faible für schwedische Bands. Abba, Roxette, Mando Diao, The Hives, Royal Republic, The Baboon Show … und jetzt eben auch noch Rotten Mind. Meine am heißesten geliebte Neuentdeckung dieses Jahr. Rotzig, laut, schnell, schrammelig, ein bisschen düster – Old School Punk kann man nicht besser machen. „Rat City Dog Boy“ ist eine der wenigen Platten, die mir auch in Dauerrotation nicht auf die Nerven geht. Weil sich dazu so schön mitschreien lässt. Weil Sie mir Energie gibt, wenn ich welche brauche. Und weil die Melancholikerin in mir auch zu ihrem Recht kommen will. So.

4. The Baboon Show – weil ich sie einfach liebe!

Wir schreiben den ersten Lockdown 2020. Es ist der 8. April. Gefühlt Tag 127, in echt erst Tag 23 oder so. Ein ganz normaler Abend. Männe, Kleinkind und ich sitzen beim Abendessen. Auf dem Esstisch, entgegen der sonst üblichen Regeln: das Tablet. Weil The Baboon Show einen Live-Auftritt aus dem Studio Gröndahl in Stockholm streamen und ich das auf gar keinen Fall verpassen will. Mein erstes Streaming-Konzert. Am Esstisch. Absurd. Völlig absurd. Aber: Scheiße, es rockt! Ich zapple ab dem Opener „No Afterglow“ sowieso nur noch auf meinem Stuhl rum. Das Kind mosht im Hochstuhl. Männe wechselt zwischen leicht irritiert und latent amüsiert. Das schrägste Konzert meines Lebens, but I liked it! Dass The Baboon Show erst vor kurzem außerdem noch die EP „I Never Say Goodnight“ rausgebracht haben, setzt dem Ganzen noch das Krönchen auf. Harte Fan-Liebe!

3. die ärzte – „Hell“

Sie waren meine erste Begegnung mit Punk. 1993. „Schrei nach Liebe“. „Friedenspanzer“. „Die Bestie in Menschengestalt“ – mein erstes Album von die ärzte. Die Kassette (heute sagt man „Tape“ – für mich alte Schachtel ist das was, das ich mir um nen wehen Knöchel klebe) hüte ich immer noch wie meinen Augapfel. Wer behauptet, die ärzte seien ja alles, nur nicht Punk, hat übrigens keine Ahnung. Mehr Punk kann man schon fast nicht mehr sein. Wenn einer verstanden hat, was Punk bedeutet, dann BelaFarinRod. Nämlich drauf zu scheißen, was andere von einem denken. Sich nicht dafür zu interessieren, ob „die Szene“ goutiert, was man musikalisch raushaut. Wo sind wir den bitte? Bei der Punk-Polizei? LOL! „Hell“ ist eine geniale, hintersinnige Platte. Wie wir es von die ärzte kennen. Und genau dafür lieben wir sie: Es wird nichts auf dem Silbertablett serviert. Zwei Mal hinhören ist angesagt, um die Botschaft zu entschlüsseln. Es gibt nur einen Gott!

2. Donots – „Birthday Slams Live“

Ganze 25 Jahre haben die Donots gebraucht, um ein Live-Album rauszuhauen. Einen besseren Zeitpunkt hätten sie dafür nicht finden können. Zugegeben, als ich die Live-Version von „Calling“ zum ersten Mal gehört habe, sind mir ein paar Tränchen das Gesicht runtergekullert. Ich war gedanklich sofort wieder auf meinem letzten Donots-Konzert im März 2018. Zweite Reihe. Schweiß. Pogo. Davor ein ziemlich cooles Interview mit Ingo und Jan-Dirk, zusammen mit Kollegin Melanie. Das sind die Momente, die mir gerade so tierisch fehlen. „Birthday Slams Live“ hat mich mit Karacho dahin zurückgebeamt.

1. Wenn nichts mehr geht, muss er ran: Gerry Cinnamon

Kein:e andere:r Musiker:in schafft derzeit, was Gerry Cinnamon schafft: mich zu 100% abzuholen. In jeder Stimmungs- und Lebenslage. Gerry findet in seinen Songs die Worte, die mir oft fehlen. Er beschreibt das, was ich nicht zu fassen kriege. Er vertont, was ich bestenfalls nur in mir erahne. „The Bonny“ ist meine Platte des Jahres. Eines der besten Alben, die je veröffentlicht wurden. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Mehr muss ich dazu gar nicht sagen. Das letzte Wort in diesem Jahresrückblick überlasse ich daher Gerry: „Stand tall when the walls fall down / with a smile and a tear in your eye“.

Fotocredit Titelbild: Paul Gallagher

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