Drenge – Aus zwei mach drei

Eigentlich nur aus reiner Konvention spielen Eoin und Rory als Duo. Der Wunsch, eine Band zugründen wurde von den Brüdern gleichermaßen geteilt und führte schlussendlich zu der Erkenntnis, dass man sich auf den jeweils anderen ohnehin am besten verlassen kann. Bereits nach dem Debüt war aber klar, dass nun neue Türen offen stehen. So holte man sich für die Aufnahmen und Auftritte zu 'Undertow' einen dritten Herren ins Boot, Rob Graham. Einen ersten Vorgeschmack, wie Drenge mit Bass oder doppelter Gitarre klingen können, boten sie mit dem Release ihres Zweitlings Anfang April. Ob sie damit auch live punkten können, davon konnte man sich am 27.04. im Berliner Magnet-Club überzeugen.

Einlass neun Uhr am Magnet Club. Kaum jemand steht früh auf der Matte, um die drei Londoner von Happyness im Vorprogramm spielen zu sehen. Einige Gestalten tummeln sich am Rand, vorn tanzen zwei im schummrigen Licht. Langsam füllt sich der Club. Die etwas unbeholfenen Witze der Vorband werden höchstens mit einem wissenden Lächeln bedacht, der Applaus für Drenge aufgespart. Rory_Rob.JPG

Pünktlich um zehn ist es so weit. Eoin, Rory und Rob betreten die kleine Bühne. Überall spuckt die Nebelmaschine dicke weiße Schleier, das Licht bleibt spärlich und taucht alles in ein tiefes Rot. Die Jungs lächeln höflich, wirken aber etwas abwesend. Sie scheren sich um nichts, lässig stehen sie da in Jeans, weiten T-Shirts und in ihrer eigenen Welt versunken. Das höchste der Gefühle ist ein gutgemeintes ‚Thank You‘, das Rory am Ende der ersten Songs für die Fans parat hat.Der Drummer ist ohnehin heimlicher Star dieses Konzertes, denn sein Instrument bespielt er wie kaum ein zweiter in seinem Alter. Das Publikum wirkt ebenfalls verhalten. So ganz traut man den neuen Songs noch nicht, die gleich den Anfang machen.Rory_Drum.JPG “ ‚Running Wild‘ und ‚Side by Side‘ entlockt zwar ein monotones Kopfnicken, doch sicher ist, dass da eigentlich noch mehr ginge.

Das wissen wahrscheinlich auch die Jungs. So sind es die ersten Töne von ‚Nothing‘, das durch Rob am Bass doch tatsächlich wesentlich mehr Tiefe bekommt und die die wilde Meute endlich zum Pogen bringt. Das kommt an, bei Band und Fan. Das Magnet verwandelt sich schnell in einen kochenden Kessel, der die Jungs und das Publikum zum lächeln und tanzen bringt. Alle machen ihren Job: die Engländer spielen ihre Akkorde, schmeißen ihre Köpfe hin und her, die Tanzwütigen springen sich fast um und formieren sich im Kreis.

‚And no one tells us we’re wrong / And no one tells us when to stop‘

. Es brodelt im Magnet. Da fällt es dann auch nicht mehr auf, wenn die Band eigentlich kein einziges Wort mit dem Publikum spricht. Nur als ein Fan in einer quälend langen Stimmpause mal

‚One more song‘

schreit und damit die Lacher auf seine Seite zieht, muss selbst der stille Eoin schmunzeln. Die Antwort bleibt hingegen ein knappes

‚Ok‘

. Eoin_blau.JPG

Sie spielen sich in einen Rausch. Die Loveless-Brüder und Rob bilden eine wilde Einheit, die wie besessen auf ihren Instrumenten schrammelt. Zu dritt holen sie aus jedem Track das Maximale heraus und verlieren sich in ihrer Musik. Der Rest ist Ihnen reichlich egal. Deutlich wird das zum langsamen Ende ihres knackigen Sets. Eoins Gesang wirkt dazu etwas gequält, fast heiser, wenn er die ruhigen Parts von ‚Standing In the Cold‘ singt. Ekstatisch starren die Fans in das schummerige rote Licht im Club, während die schweren Songs ertönen. So überrascht es nach einer knappen Stunde niemanden, dass die Jungs nach der letzten Nummer ‚Let’s Pretend‘ (und dabei nochmal ein absoluter Kracher – Rory’s Drums sei Dank!) einfach von der Bühne herunter hasten, ohne nur ein einziges Wort zu verlieren. Als die Saalmusik wieder angeht, kann kaum jemand fassen, dass es das schon gewesen sein soll. Ein bisschen Applaus, ein erstickter Ruf nach einer Zugabe. Nichts. Tja, auch ok. Man hat es geahnt. Es hätte einfach nicht ins Konzept der rüpeligen Anfang zwanziger gepasst. So verabschieden sich Drenge mit gewohnter Coolness.

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