Sweden Rock Festival 2015 – You’ve Got Another Thing Comin‘ (Tag 4)

Letzter Tag des hervorragenden Sweden Rock Festivals 2015: Am schwedischen Nationalfeiertag gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Ex-Kiss-Gitarrist Ace Frehley, Hardcore Superstar, Riot, Five Finger Death Punch oder The Darkness waren alle schon in Sölvesborg. Judas Priest hatten sich vor zwei Jahren beinahe endgültig verabschiedet und sind doch zurück. Ihre Premiere feiern hingegen Extreme und die Original-Besetzung von Exciter.


srf2015_t4_01amustasch.jpg „Wenn die schwedischen Metal-Helden von Mustasch ausnahmsweise schon um 12 Uhr mittags auftreten, dann ist der Platz vor der Bühne voll, erst recht am Nationalfeiertag. Den zelebriert Frontmann Ralph Gyllenhammar in blau-gelbem T-Shirt und mit der Nationalhymne, bevor Mustasch mit einem lauten Zehn-Song-Set sogar die sanitären Anlagen zum Beben bringen. Nach „Double Nature“, „Bring Me Everyone“ und „Down In Black“ steigt Ralph zum Publikum hinab, verschenkt Fahnen, umarmt Landsleute und macht Selfies. Was für ein Typ! (Foto: Christian Andersson/Swedenrock.com)

srf2015_t4_01exciter.jpg „Der Name Exciter ist nicht neu beim Sweden Rock. Aber erstmals tritt die Band in Originalbesetzung auf schwedischem Boden auf. Der kanadische Speed-Metal-Sound macht das zur Mittagszeit noch träge Publikum so langsam wach – mit „Heavy Metal Maniac“, „Violence & Force“ oder „Evil Sinner“. Exciter müssen dabei gegen die beliebten Hardcore Superstar (auf der großen Bühne) anspielen. Doch das Trio lässt nichts anbrennen. Was Schlagzeuger und Sänger Dan Beehler an doppelter Front rausholt, ist beeindruckend. Genauso wie seine Frisur, die sich seit den frühen 80ern nicht verändert hat. Alles zusammen ergibt ein frühes Festival-Highlight an diesem letzten Tag.

srf2015_t4_02riotv.jpg „Bei schier unerträglicher Hitze liefern auch Riot V ein klassisches Metal-Set. In Sachen Besetzung das absolute Gegenteil von Exciter, ist bei der „Nachfolge-Band“ von Riot inzwischen kein Originalmitglied an Bord, nachdem Gründer und Boss Mark Reale vor drei Jahren gestorben ist. Trotzdem bleibt die Band dem alten Riot-Sound und den Klassikern treu. „Narita“, „Outlaw“ oder „Road Racin'“ kommen in Sölvesborg gut an. Einen Tag, bevor Mark Reale 60 Jahre alt geworden wäre, widmet die Band ihm „Swords And Tequila“, bevor „Thundersteel“ das Set gebührend abschließt. Riot V sind die bestmögliche „Coverband“.

srf2015_t4_03ace2.jpg „Mit „Rocket Ride“ startet Ex-Kiss-Gitarrist Ace Frehley seine Show. Es ist eine ausgewogene Mischung aus Solo- und Kiss-Klassikern, Material von Frehley’s Comet und zwei Nummern vom aktuellen Album. Gefeierte Höhepunkte der Show sind „New York Groove“, „Cold Gin“, „Rip It Out“ und „Shock Me“, bei dem Ace die Gitarre noch mal im wahrsten Sinne des Wortes rauchen lässt. An seiner Seite ist Richie Scarlet, einst Sänger und Gitarrist bei Frehley’s Comet, der heute aussieht wie Keith Richards und nicht so überzeugend singt. Kult-Ikone Ace dagegen ist bestens drauf, amüsiert sich über seine eigenen Ansagen und genießt offenbar den Zuspruch. Schließlich sind sogar Sprechchöre zu hören: „ACE! ACE! ACE!“ Die Zugaberufe sind aber vergeblich.

srf2015_t4_04mothers.jpgMother’s Finest bringen den Funk zum Sweden Rock. Skurril: Den Soundcheck macht die Band aus Atlanta unmittelbar vor ihrem Auftritt selbst, bevor sie klanggewaltig loslegt – und stimmgewaltig! Sängerin Joyce Kennedy, mittlerweile 67 (!) Jahre alt, betritt im engen Korsett die Bühne, was ihren starken Gesang aber nicht beeinträchtigt. Mit dem aktuellem Album „Goody 2 Shoes & The Filthy Beast“ im Gepäck geben Mother’s Finest eine Lektion in Sachen Funkrock. Und spätestens, als nach etwas mehr als der Hälfte des Konzerts „Baby Love“ ertönt, merkt auch der letzte, dass er eine Kultband vor sich hat.

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(Fotos: Philip Dethlefs/außer Mustasch)


srf2015_t4_05extreme.jpg „In Sachen Funk kennen sich auch Extreme bestens aus. Funk Metal nannte man ihre Musik Ende der 80er. Mit bestechender Energie serviert das Quartett aus Boston Hits à la „Decadence Dance“, „Kid Ego“, oder „Play With Me“ (aus dem Soundtrack des Kultfilms „Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit“). Einige wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, angesichts dieses Hardrock-Gewitters. Erst als Gary Cherone und Nuno Bettencourt sich hinsetzen, wird es ruhiger. „Diesen Song haben wir auf dem Flug hierher geschrieben“, grinst Nuno. Es ist „More Than Words“. Und auf einmal singen ein paar Tausend Fans die Ballade mit – ein wirklich magischer Moment. Nach anderthalb grandiosen Stunden verabschieden sich Extreme mit dem Rausschmeißer „Get The Funk Out“ – nach dem wahrscheinlich besten Gig des Sweden Rock Festivals 2015.

srf2015_t4_06priest.jpg „Nur zwei Jahre nach ihrem Pseudo-Abschied sind Judas Priest zurück in Sölvesborg. Gefeiert wie eh und je, haben Halford und Co. auch dieses Mal die Setlist variiert und spielen mit „Love Bites“, „Jawbreaker“ oder „Devil’s Child“ wieder ein paar lange nicht gehörte Nummern. Die Band, allen voran Rob Halford, präsentiert sich dabei in bestechender Form. Songs vom durchschnittlichen aktuellen Album „Redeemer Of Souls“ werden vom Publikum artig beklatscht, aber es sind die großen Hits, die das Festival-Gelände zu einer riesigen, grandiosen Metal-Party machen: „Breaking The Law“, „Electric Eye“ oder „Painkiller“. Erst nach der vierten Zugabe „Living After Midnight“ verabschieden sich Priest mit einer klaren Ansage: „Wir kommen wieder!“

srf2015_t4_07darkness.jpg „Als letzte Band des Festivals beschallen The Darkness das Feld. Eine undankbare Aufgabe, denn immer mehr Besucher verlassen schon das Gelände. The Darkness aber geben sich spielerisch, musikalisch und klanglich keine Blöße. Frontmann Justin gratuliert zum „internationalen Schweden-Tag“ und lobt das eigene neue Album „Last Of Our Kind“. Wer schon auf dem Heimweg ist, verpasst „Barbarian“ oder „Open Fire“, die beiden herausragenden Songs der ansonsten mittelmäßigen Scheibe. Während The Darkness mit den Klassikern „I Believe In A Thing Called Love“ und „Love In The Rocks With No Ice“ zum Ende kommen, läuft gegenüber schon der Abbau. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Band aus Lowestoft sicher ein größeres Publikum gehabt.

Auch am vierten Tag war das Angebot riesig. Auf der Bühne standen auch: Frantic Amber, The Sirens, Portrait, Hardcore Superstar, Torsson, Jerusalem, Dan Hylander & Orkester, Eluveitie, Grave Pleasures, Nuclear Assault, Avatar, Five Finger Death Punch, The Angels, Refuge, Gojira, Samael, My Dying Bride und Behemoth.

Das Sweden Rock Festival 2015 war wieder ein voller Erfolg und ein großes Vergnügen. Schon jetzt darf man sich auf das nächste Jahr freuen. Dann findet das Sweden Rock Festival vom 8. bis 11. Juni 2016 statt. Ein frommer Wunsch des Autors und garantiert zahlreicher Fans für 2016: Van Halen.

(Fotos: Philip Dethlefs)

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