Cash No Credit

Trading Dollars For Souls

  • Artist: Cash No Credit
  • Album: Trading Dollars For Souls
  • Label: Eigenproduktion
  • Release: 2017-07-15
  • Medium:
  • Bewertung:2

Das Städtchen Zweibrücken liegt genau dort, wo die Pfalz ins Saarland mündet und seine Bewohner verfügen über eine sehr eigene Mixtur aus saarländischer Entspanntheit und pfälzischer Maulfaulheit. Nicht unbedingt der Boden, auf dem man erwartet, daß cooler, angepop-ter Punkrock entstehen würde.

Die Debüt-EP der Zweibrücker Band Cash No Credit bringt uns aber genau den, und das sogar ziemlich gut. In ‚Summersong‘ geben sie dabei die Marschrichtung vor: „we don’t give a fuck if it’s ordinary punk rock“. Warum sollten sie denn auch? Über weite Strecken erschaffen die Jungs nämlich höchst launigen, nun ja, Sommersound mit höchst eingängigen Hooklines. ‚Right Now, Right Here‘, der erwähnte ‚Summersong‘, ‚What I Meant To Say‘ und ‚Get Up On Stage‘ schwimmen zwar durchaus im Fahrwasser von mittleren Bad Religion oder, für die GANZ Alten, Stiff Little Fingers, bringen aber genug melodisches Potenzial und dank der – speziell für einen Newcomer! – erstaunlich selbstsicheren Stimme von Aron Domann durchaus eine eigene Note.

Leider aber wechselt die Band in der zweiten Hälfte der Scheibe ein wenig die Marschrichtung und versucht sich an düstereren, Hardcore-beeinflussten Klängen, die leider – inklusive des eher kraftlosen Alibi-Geshoutes – ziemlich klischeehaft ausgefallen sind. Das offen gesagt ziemlich öde ‚Revolution‘ mit staubigem Neunziger-Crossover-Flair ist dabei aber tatsächlich der einzige Totalausfall. Die anderen drei Songs haben zwar nicht ganz die Klasse der Eröffnungssalve, doch ‚Get Away‘ und ‚Enough Is Enough‘ wären durchaus gelungen, wäre da nicht das Tough-Guy-Klischee-Gebrüll, das eher ziemlich aufgesetzt klingt, als wolle man es unbedingt auch jedem Recht machen. Diesen Eindruck verstärkt dann noch das abschließende, Billy Talent-mäßige ‚Price We Pay‘ – nun ja, es gibt Abwechslung, und es gibt stilistisches Vertun. Cash No Credit tendieren in der zweiten Hälfte von „Trading Dollars For Souls“ leider zu Letzterem, da die Songs leider jede Menge Klischees verbraten und somit einfach weit weniger originell klingen. Da hätte eine 7inch mit den ersten vier Tracks einen deutlich geschlosseneren und besseren Eindruck gemacht.

Trotzdem sollten sich Underground-Punkrocker den Namen der Band definitiv merken. Die erste Hälfte der Scheibe offenbart nämlich eine Band, die definitiv ein außergewöhnliches Talent für große Hooklines und clever-melodische Gitarrenlinien hat – und die trotz traditioneller Zutaten schon jetzt überraschend eigenständig tönt. Sollte die Band sich also ein wenig mehr auf ihre Stärken konzentrieren und nicht versuchen, es unbedingt allen potenziellen Zuhörern Recht zu machen, darf man auf das nächste Album der Jungs echt gespannt sein. Dank der tollen ersten Songs auch noch eine – knappe – Zwei.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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